Kritik der Urteilskraft - I. Kant

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Vordergründig, Hintergründig, Tiefgründig - KdU

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Dez 23 2015, 01:16

Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 29

... Wenn man also den Anblick des bestirnten Himmels erhaben nennt, so muß man der Beurteilung desselben nicht Begriffe von Welten, von vernünftigen Wesen bewohnt, und nun die hellen Punkte, womit wir den Raum über uns erfüllt sehen, als ihre Sonnen, in sehr zweckmäßig für sie gestellten Kreisen bewegt, zum Grunde legen, sondern bloß, wie man ihn sieht, als ein weites Gewölbe, was alles befaßt; und bloß unter dieser Vorstellung müssen wir die Erhabenheit setzen, die ein reines ästhetisches Urteil diesem Gegenstande beilegt.
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Man kann gar nicht so viel verkehrt machen, wenn man bloß eine Erfahrung vordergründig beschreibt, sofern es nur nach bester Möglichkeit beschrieben wird, ohne darüber gehend irgend einen Anspruch geltend machen zu wollen. Vom Thema und dem Hintergrund abgesehen, wo man es vorstellt...

Setzt man es aber in ein Verhältnis oder auch sich selbst mit diesem, dann kommt man nicht umhin es auch hintergründig zu betrachten und so sich lauter Prüfungen zu unterwerfen oder unterziehen zu lassen, ob es sich nun so verhält, denn dieses ist bereits dem Verhältnis geschuldet, welches dann prakrisch nicht mehr einseitig sein kann.

Kann man nun etwas ursächliches, z.B. die Liebe potenzieren?
Tiefgründiger betrachtet vermutlich nicht!

Um etwas zu potenzieren, muss es sich fassen und begrenzen lassen und in irgend einer Weise beschränkt sein. Denn wie könnte Unendlichkeit mehr sein, als Unendlichkeit? So ist es um das bestellt, was reinen Ursprungs ist, es kann nicht mehr sein, als ursächlich ist und wenn es rein ist, dann auch nicht verändert werden.

Vielleicht mag etwas mal mehr im Vordergrund stehen oder weniger, oder auch weniger oder mehr hintergründig kultiviert werden, aber verändern könnte sich an ihrem Zustand selbst nichts. Daher könnte aber auch keiner auf etwas, was allen im tiefsten eigen und ursächlich ist, mehr Anspruch erheben oder es gesondert auf sich beziehen und zuordnen als es allen zugeordnet wäre, denn auf etwas rein Ursächliches ließe sich keinerlei Anspruch erheben, da es in keiner weise von einem abhängig sein kann.

So kommt man bei vielem um ein ernsthaftes Bemühen nicht umhin und meist zeigt sich dann das doch nichts für sich betrachtet so viel wichtiger ist, als alles andere, wenn man es dort betrachtet und in dem Verhältnis, in dem es steht.. man sollte die Kirche besser im Dorf lassen.. jedenfalls nicht fern abseits davon.

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Zuträglichkeit - KdU §52

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr Feb 12 2016, 02:13

Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 52

... Wenn die schönen Künste nicht, nahe oder fern, mit moralischen Ideen in Verbindung gebracht werden, die allein ein selbstständiges Wohlgefallen bei sich führen, so ist das letztere ihr endliches Schicksal.
Sie dienen alsdann nur zur Zerstreuung, deren man immer desto mehr bedürftig wird, als man sich ihrer bedient, um die Unzufriedenheit des Gemüts mit sich selbst dadurch zu vertreiben, dass man sich immer noch unnützlicher und mit sich selbst unzufriedener macht. Überhaupt sind die Schönheiten der Natur zu der ersteren Absicht am zuträglichsten, wenn man früh dazu gewöhnt wird, sie zu beobachten, zu beurteilen und zu bewundern.
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Es wird zwar gesagt, Kunst oder auch Schönheit, liegt im Auge des Betrachters, und dies stimmt meist sicher auch, nur das, was aufgestellt wird, wird dazu tauglich gemacht sein oder auch nicht, denn lobte man auch dies, was dem nicht taugte, so lobte man schließlich noch nur sich selbst und seiner Betrachtung allein und es hätte womöglich gar nichts mehr mit der Sache gemein oder man lobte doch auch dies, was dem nicht taugte.

Die Zuträglichkeit, womit etwas überein kommt und darin dann das bestärken, was tauglich ist gelobt zu werden, damit es in diesem und zugleich in sich selbst bezeugt würde, dass will auch geübt sein und eben dieses früh bestärkt, verhilft oft den Tritt in die rechte Richtung, womit auch das befördert werden kann, was alleine dort nicht ankäme, wohin es geführt werden kann.

Denn umso schwerer ist die Umkehr andernfalls, je weiter etwas getrieben würde, wo die endliche Wirkung hin zum Positiven ja nurmehr erst negativ aufgefasst würde, da es ja nicht dieses bezeugte, was als Antrieb angesetzt wurde und positiv wäre dann eben nur das, was das Negative nach seiner Art bestärkte und so kommt es dann, dass der gelegte Grund nicht immer eben zum Guten taugt.

Sicherlich ist es schwerer zu akzeptieren, sich hinsichtlich einer Sache zu irren und den eigenen Stand in Frage zu stellen, als wenn man nur das, was einem entgegen steht, zu widerstreiten oder auch auszuweichen suchte.

Manches mal muss es so sein und es ist mehr erreicht, aus einem Fehler zu lernen, als gar nicht, weil man in keiner oder in bestimmter Hinsicht nichts unternommen oder probiert hat. Es bleibt eine gute Haltung wohl stets alles als Gelegenheit oder erneute Gelegenheit anzusehen und ebenso stellt man etwas ja auch in moralischer Hinsicht auf, d.h. aus sich oder der Sache heraus auf die Beine, ohne es von allerlei abhängig zu machen, indem so lange alles Überflüssige oder Unpassende entfällt, bis es das ist, was es in und aus sich heraus bis hin zur Maxime erhoben werden kann...


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Der ästhetische Sinn der Natur - KdU

Beitrag  Devino Melchizedek am Mo Mai 08 2017, 01:39

Kritik der Urteilskraft - I. Kant - § 58 Vom Idealismus der Zweckmäßigkeit der Natur sowohl als Kunst, als dem alleinigen Prinzip der ästhetischen Urteilskraft
...
Was aber das Prinzip der Idealität der Zweckmäßigkeit im Schönen der Natur, als dasjenige, welches wir im ästhetischen Urteile selbst jederzeit zum Grunde legen, und welches uns keinen Realism eines Zwecks derselben für unsere Vorstellungskraft zum Erklärungsgrunde zu brauchen erlaubt, geradezu beweiset: ist, dass wir in der Beurteilung der Schönheit überhaupt das Richtmaß derselben a priori in uns selbst suchen, und die ästhetische Urteilskraft in Ansehung des Urteils, ob etwas schön sei oder nicht, selbst gesetzgebend ist, welches bei Annehmung des Realisms der Zweckmäßigkeit der nicht stattfinden kann; weil wir da von der Natur lernen müssten, was wir schön zu finden hätten, und das Geschmacksurteil empirischen Prinzipien unterworfen sein würde. Denn in einer solchen Beurteilung kommt es nicht darauf an, was die Natur ist, oder auch für uns als Zweck ist, sondern wie wir sie aufnehmen. Es würde immer eine objektive Zweckmäßigkeit der Natur sein, wenn sie für unser Wohlgefallen ihre Formen gebildet hätte; und nicht eine subjektive Zweckmäßigkeit, welche auf dem Spiele der Einbildungskraft in ihrer Freiheit beruhete, wo es Gunst ist, womit wir die Natur aufnehmen, nicht Gunst, die sie uns erzeigt. Die Eigenschaft der Natur, dass sie für uns Gelegenheit enthält, die innere Zweckmäßigkeit in dem Verhältnisse unserer Gemütskräfte in Beurteilung gewisser Produkte derselben wahrzunehmen, und zwar als eine solche, die aus einem übersinnlichen Grunde für notwendig und allgemeingültig erklärt werden soll, kann nicht Naturzweck sein, oder vielmehr von uns als ein solcher beurteilt werden: weil sonst das Urteil, das dadurch bestimmt würde, Heteronomie, aber nicht, wie es einem Geschmacksurteile geziemt, frei sein, und Autonomie zum Grunde haben würde.
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Wie es vom geringen Eingeweihten-Bewusstsein aus, oder auch vom Uneingeweihten, kaum anders zu erwarten ist, als dass gewisse Selbstsüchte und Tendenzen dahin vertreten sind, weil dieses dem Bewusstseinsgrad und Umfang dessen Inhalts und Zuwendung gebräuchlicher Interessen entspricht, so ist es der Natur eigen, eigenen natürlichen Gesetzen und Regeln zu folgen.

Bei einem Eingeweihten wird zwar das Werk im wesentlichen von ihm zuerst vollbracht, die Zuwendung und das Interesse an gewissen Dingen aufzugeben, doch dauerhaft liegt der Sinn darin, dass mehr im Gewahrseinsbereich aufgenommen und was als die eigene Natur fortgeführt wird. Daher alles frühere persönliche Bestreben dadurch aufgehoben und darin abhanden geht, weil sich die Ausrichtung gänzlich auf andere Dinge verlagert.

Also kann es der allgemeinen Natur nicht eigen sein, unserem ästhetischem Empfinden oder Vorstellungen an sich entsprechen zu wollen, wenn diese nicht einmal einen Sinn für unsere Ideen oder unser Interesse diesbezogen wahrnehmen kann.

Zwar ist nicht auszunehmen, in dessen Anbetracht, dass sie (die Natur) einem höheren Evolutionsziel zustrebend sich bis zu einem gewissen Grad auch sich nach dem Menschlichen Geiste strecken und richten mag, doch weniger hat dieses zunächst mit unserem ästhetischen Sinn und noch weniger mit unserem Geschmack sodann gemein.

Damit es auf Molekularebene überhaupt im Ansatz dazu kommen kann, dass Natur z.B. die Pflanzenwelt, einen Sinn für unsere ästhetische Ansichten oder in dem Falle auch Absichten bekommen kann, bedarf es einer Vermittlung. Das heißt, wir müssten uns kenntlich machen und uns wohl die dafür erforderliche Zeit nehmen, um eine Übertragung auf geistigem Wege zustande zu bekommen.

1. Da die Natur nichts umsonst erschafft, wird es erfordern, dieses in Form eines Zweckes für die Natur abzubilden, weniger also in der Weise, weil es bloß unserem Geschmack gemäß sei.

2. Es müsste auch der Natur gemäß sein, also von dieser als machbar gelten. Wobei es für Pflanzen nicht ungewöhnlich also ist (gerade bei Blumen), schöne Blüten zu treiben.

3. Man müsste die Zuwendung der Pflanze erwecken, für uns und unsere Ästhetische Vorstellung und eine Akzeptanz und Übernahme dieser erreichen.

Die Unvoreingenommenheit und Heteronomie, wie es für ein Geschmacksurteil erforderlich sei, wäre in dem Zusammenhang natürlich unerheblich, wenn es uns nicht um ein Urteil geht. Also wenn es mehr nur um eine Steigerung der Ästhetischen Sinneskultur von Seiten der Natur und zu dieser hin, ginge.

Zwar ist die Frage, ob unser Sinn nun eine Steigerung für die natürliche Vorgehensweise der Natur wäre, doch auch der Natur mag der Hauch des Geistes nicht fremd sein. Auch ist eine gewisse tatsächliche Heteronomie und Naturverbundenheit in Zukunft denkbar, in der die Blumenwelt tatsächlich den ästhetischen Sinn des Menschen und einer höheren Zweckbestimmung im Zusammenhang eines größeren ästhetischen Sinnesbewusstseins und einer Teilhabe daran nicht abgeneigt und so vielleicht bald angetroffen werden kann und wird.

Devino Melchizedek

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