Kritik der reinen Vernunft - I. Kant

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Kritik der reinen Vernunft - I. Kant

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jun 15 2016, 01:26

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - 1.T.§3 -
Synthese und Dinge an sich selbst


Dieses Prädikat wird den Dingen nur in so fern beigelegt, als sie uns erscheinen, d.i. Gegenstände der Sinnlichkeit sind. Die beständige Form dieser Rezeptivität, welche wir Sinnlichkeit nennen, ist eine notwendige Bedingung aller Verhältnisse, darin Gegenstände als außer uns angeschauet werden, und, wenn man von diesen Gegenständen abstrahiert, eine reine Anschauung, welche den Namen Raum führet. Weil wir die besonderen Bedingungen der Sinnlichkeit nicht zu Bedingungen der Möglichkeit der Sachen, sondern nur ihrer Erscheinungen machen können, so können wir wohl sagen, daß der Raum alle Dinge befasse, die uns äußerlich erscheinen mögen, aber nicht alle Dinge an sich selbst, sie mögen nun angeschaut werden oder nicht, oder auch von welchem Subjekt man wolle. Denn wir können von den Anschauungen anderer denkenden Wesen gar nicht urteilen, ob sie an die nämlichen Bedingungen gebunden seien, welche unsere Anschauung einschränken und für uns allgemein gültig sind.
...
Es gibt aber auch außer dem Raum keine andere subjektive und auf etwas Äußeres bezogene Vorstellung, die a priori objektiv heißen könnte. Denn man kann von keiner derselben synthetische Sätze a priori, wie von der Anschauung im Raume, herleiten. Daher ihnen, genau zu reden, gar keine Idealität zukommt, ob sie gleich darin mit der Vorstellung des Raumes übereinkommen, daß sie bloß zu subjektiven Beschaffenheit der Sinnesart gehören, z.B. des Gesichts, Gehörs, Gefühls, durch die Empfindungen der Farben, Töne und Wärme, die aber, weil sie bloß Empfindungen und nicht Anschauungen sind, an sich kein Objekt, am wenigsten a priori, erkennen lassen.

Die Absicht dieser Anmerkung geht nur dahin: zu verhüten, daß man die behauptete Idealität des Raumes nicht durch bei weitem unzulängliche Bespiele zu erläutern sich einfallen lasse, da nämlich etwa Farben, Geschmack etc. mit Recht nicht als Beschaffenheit der Dinge, sondern bloß als Veränderungen unseres Subjekts, die so gar bei verschiedenen Menschen verschieden sein können, betrachtet werden.
---
Im Falle eines Beispieles mit Eisbären, ist es so, dass sie an sich keine Farbpigmente in ihren Haaren haben, daher wird die Farbe einfach nur reflektiert, welche sie beleuchtet. Bei Farben sonst, ist es ja so, dass Licht in irgend einer weise absorbiert wird und so vom absorbierten, eigentlich eine Art Brechung des einfallenden Lichts erfolgt und daher das nicht absorbierte Licht zurück geworfen wird, was erst die Farbe letztlich ausmacht.

Jedenfalls so oder so ähnlich, es geht nurmehr um ein Beispiel der Anschauung. Das was für das Subjekt zählt, ist nur das, was auf das Subjekt wirkt, dies wäre dann die jeweilige Farbe, unabhängig dessen, dass alles Farbe sei und immer noch sämtliche Spektren des Lichts drumerhum sind. Und hätte die Sonne ein mehr anderes Spektrum (ne blaue Sonne z.B.), hätten alle Farben auch eine andere Zuordnung.

So ergibt sich ein Unterschied, zwischen dem Subjektiven und dem Objektiven, ja auch dem, was für ein Subjekt objektiv gilt, für einige, für viele, oder für alle und vielleicht für andere doch nicht oder etwas anderes. Und selbst wenn es für alle gilt, heißt es noch nicht, dass es wirklich die Dinge an sich selbst sind, sondern das, was objektiv für alle gilt. So dass, wenn viele einen Teil in etwas haben und aber einige davon, einen anderen in etwas anderem, dann kann von einem noch nicht aufs andere geschlossen werden, oder immer nur im jeweiligen Verhältnis, worin beides sich zugleich vorfindet.

Damit kommen wir zu dem, was einen synthetischen Satz bildet. Es ist leicht etwas einfach nur zu benennen, ja sich dazu zu bekennen oder auch zu sagen, so und so verhält es sich. Zu oft wird aber verkannt, dass das, was nur für einen selbst gilt, nicht allgemein sein muss, dass was allgemein gilt, auch für einen gilt und man entweder es mit einbezieht oder damit nicht auf einen Nenner kommen kann. Damit wäre es nicht synthetisch und sollte man doch sagen, es wäre so, dann würde einem auch der Sinn für Synthetik notwendig abgehen müssen.

Ebenso wie mit den Dingen an sich selbst. Nur in dem man sie als Dinge an sich selbst so behandelt, wie sie an sich selbst sind, sind es Dinge an sich selbst. Daher wenn man selbst nur ein Abbild nimmt, es als solches behandelt, hat man bereits mehr erreicht, als von allem anzunehmen, es wären Dinge an sich selbst, es aber nicht ist (oder auch nur einem Sinn nach), denn dann ist gar nichts mehr etwas an sich selbst. D.h. es ist alles nur noch subjektiv und nichts objektives mehr dabei. Alles gehört Gott und deswegen ist es an sich selbst und so kann man nicht selbst die Synthese festlegen wollen oder wie etwas an sich ist.

Das fängt bereits in der Sprache an, dem, wie es ist, auch die Bedeutung zu geben, oder sonst sich nur so auszudrücken, dass diesem, die Bedeutung bewahrt bleiben kann, um so sich selbst diese offen zu lassen und als solche zu erhalten.

Natürlich ist es immer leicht, sich einfach nur zu positionieren, wie man wollte, aber wenn es damit nicht übereingeht, dann steht man immer noch dort, wo etwas an sich selbst dabei ist, und nicht dort, wo man möchte, womit es an sich zu tuen haben sollte. Das worin eine Stärke sein soll, kann nur bei dem beginnen, wo es mit dem übereinkommt, was die Dinge an sich selbst ausmacht, egal wie nebensächlich erst noch, es ist mehr, als wenn es irgend etwas anderes ist, als man meint.

Es braucht nicht alles auf einmal sein, es reicht erstmal, wenn es eine Übereinstimmung ergibt, nicht einmal mit dem, der Mehrheit, sondern mit dem, worin es tatsächlich sei, und darauf lässt sich immer aufbauen...


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Was isr Zeit und Raum? - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Mo Jun 20 2016, 01:40

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - 1.T.§6.c + §7

Die Zeit ist die formale Bedingung a priori aller Erscheinungen überhaupt. Der Raum, als die reine Form aller äußeren Anschauung ist als Bedingung a priori bloß auf äußere Erscheinungen eingeschränkt. Dagegen weil alle Vorstellungen, sie mögen nun äußere Dinge zum Gegenstande haben, oder nicht, doch an sich selbst, als Bestimmungen des Gemüts, zum innern Zustande gehören: dieser innere Zustand aber, unter der formalen Bedingung der innern Anschauung, mithin der Zeit gehöret, so ist die Zeit eine Bedingung a priori von aller Erscheinung überhaupt, und zwar die unmittelbare Bedingung der inneren (unserer Seelen) und eben dadurch mittelbar auch der äußern Erscheinungen.
...
Wenn wir von unsrer Art, uns selbst innerlich anzuschauen, und vermittelst dieser Anschauung auch alle äußere Anschauungen in der Vorstellungs-Kraft zu befassen, abstrahieren, und mithin die Gegenstände nehmen, so wie sie an sich selbst sein mögen, so ist die Zeit nichts. Sie ist nur von objektiver Gültigkeit in Ansehung der Erscheinungen, weil dieses schon Dinge sind, die wir als Gegenstände unsrer Sinne annehmen; aber sie ist nicht mehr / objektiv, wenn man von der Sinnlichkeit unserer Anschauung, mithin derjenigen Vorstellungsart, welche uns eigentümlich ist, abstrahiert und von Dingen überhaupt redet.

Die Zeit ist also lediglich eine subjektive Bedingung unserer (menschlichen) Anschauung, (welche jederzeit sinnlich ist, d.i. so fern wir von Gegenständen affiziert werden,) und an sich, außer dem Subjekte, nichts. Nichts desto weniger ist sie in Ansehung aller Erscheinungen, mithin auch aller Dinge, die uns in der Erfahrung vorkommen können, notwendiger Weise objektiv.

Wir können nicht sagen: alle Dinge sind in der Zeit, weil bei dem Begriff der Dinge überhaupt von aller Art der Anschauung derselben abstrahiert wird, diese aber die eigentliche Bedingung ist, unter der die Zeit in der Vorstellung der Gegenstände gehört.
...
Unsere Behauptung lehren demnach empirische Realität der Zeit, d.i. objektive Gültigkeit in Ansehung aller Gegenstände, die jemals unsern Sinnen gegeben werden mögen. Und da unsere Anschauung jederzeit sinnlich ist, so kann uns in der Erfahrung niemals ein Gegenstand gegeben werden, der nicht unter die Bedingung der Zeit gehörete. Dagegen bestreiten wir der Zeit allen Anspruch auf absolute Realität, da sie nämlich, auch ohne auf die Form unserer sinnlichen Anschauung Rücksicht zu nehmen, schlechthin den Dingen als Bedingung oder Eigenschaft anhinge. Solche Eigenschaften, die den Dingen an sich zukommen, können uns durch die Sinne auch niemals gegeben werden. Hierin besteht also die transzendentalte Idealität der Zeit, nach welcher sie, wenn man von den subjektiven Bedingungen der sinnlichen Anschauung abstrahiert, gar nichts ist, und den Gegenständen an sich selbst (ohne ihr Verhältnis auf unsere Anschauung) weder subsistierend noch inhärierend beigezählt werden kann.
...
Dass schließlich die transzendentale Ästhetik nicht mehr, als diese zwei Elemente, nämlich Raum und Zeit, enthalten könne, ist daraus klar, weil alle andre zur Sinnlichkeit gehörige Begriffe, selbst der der Bewegung, welcher beide Stücke vereiniget, etwas Empirisches voraussetzen. Denn diese setzt die Wahrnehmung von etwas Beweglichem voraus.
---
Auf den Raum bezogen, kann man festhalten:
Davon ausgehend, dass der Raum die Dinge nur nebeneinander (vor allem solche, der Erscheinung nach oder als feste Objekte genommen) enthalten kann und die Dinge an der selben Stelle im Raum nur durch die Vertiefung der Zeit bestehen können, würde Zeit unter Raum zählen.

Ebenso auch hinsichtlich der Veränderung der Gegenstände im Raum (von der Beschaffenheit der Gegenstände abgesehen), ist Zeit der maßgebliche Faktor, wodurch eine Veränderung als eine Art Tiefe entsteht und wäre die Zeit dann nicht zur Stelle, dann würde sich nichts verändern. Wären nicht alle Gegenstände (Objekte in einem Raum oder zum Raum gehörig) vom selben Zeitablauf betroffen oder eingefangen, so wären sie auch nicht mehr zugleich im selben Raum.

Auf die Bewegung bezogen:
Wendet man die Zeit hingegen auf die Bewegung an, dann wäre die Schwingungsfrequenz aller Dinge dafür ausschlaggebend, dass sich diese Dinge, deren Atome in gleicher oder ähnlicher Schwingungsfrequenz sich befinden, auch überhaupt nur begegnen können. Ganz ähnlich dem, dass sich etwas im selben Raum nur trifft, wenn es zur selben Zeit zugleich darin ist, so sorgt die Geschwindigkeit der Schwingung dafür, dass diese sich gegenseitig auch sehen und wahrnehmen können, dazu nebst sich und dem gleichen auch alles was langsamer schwingen sollte, aber nicht das, was schneller schwingt.


Und so ist bis zu einem gewissen Grade die Aussage von Kant nach heutigem Stand der Technik doch widerlegt, dass es also doch den Dingen inhärent ist, allerdings auch nur in Verbindung zur Bewegung und es ließe sich darüber streiten, ob es den Dingen selbst nun inhärenter ist oder Zeit hierbei doch mehr der Bewegung zugeordnet werden muss, jedoch eine Art Eigenheit der Dinge darstellt.

Es wird wohl, sobald der Äther eine reale Konstante wird, noch einiges an Wissenschaften widerlegt und an neuen Wissenschaften hervorgerufen werden oder manche davon auch parallel bestehen bleiben.

Als nächstes wäre nun die Frage offen, was bedeutet den eigentlich Ewigkeit?
Vielleicht ließe es sich dann auch hinsichtlich zwei Richtungen im Ansatz annähern.

Hinsichtlich der Ausdehnung:
Die eine Richtung wäre die, dass wenn es nun Zeit gibt, die an eine bestimmte Bewegung oder an einen Raum gebunden ist, aber nicht darüber geht, wenn es keinerlei Gegenstände daher gäbe die dieser (der Zeit) unterworfen wären, so wäre Zeit also nicht mehr; ebenso aufgrund der Schwingungsfrequenz es also das eine gibt, dass sich ähnlich dem Raum vom anderen unterschieden werden kann oder für sich bestehend, dann hat Zeit unterschiedliche Wirkungen. Also kann es eine Ausdehnung und eine Art von Raum geben, welcher Dinge enthält, die nicht der selben Zeit in Raum oder Bewegung unterstehen oder damit direkt kohärieren. Damit wäre es eine Art von Ewigkeit, auf das bezogen, was sich darin nur befindet und nicht darüber ginge, denn es könnte nichts darüber hinaus ermessen was außerhalb eigener Zeitabfolge läge, somit wäre es vorerst dafür ewig.

Noch andere Bedingungen der Realität oder Objektivität, anstelle von zeitlicher Linearität:
Die andere Richtung und dem Ansatz nicht ganz unähnlich, wäre also die, dass etwas einfach ist, aber gar nicht in der Zeit sich einfindet. Es wäre also keiner Veränderung unterworfen hinsichtlich der Zeit, sondern die Ausdehnung ist und ist zugleich auch nicht, denn ohne Zeit, kann es nicht entstehen und somit ist es alles zugleich, weil es nicht der Zeit folgte, sondern vielleicht nach anderen und vielleicht lange Zeit oder nie erforschbaren, wenn überhaupt, messbaren Kriterien. So wie Gott also unermesslich ist und bleiben wird!

Beschluss:
Denn wenn es sein kann, dass Zeit auch nicht ist, dann muss etwas sein, was außerhalb dieser liegt und diese lediglich hervorbringt oder verursacht (wie Raum und Objekte darin, oder Objekte, die sich nicht nur im Raum, sondern selbst in sich bewegen d.h. schwingen). Somit ist Zeit zwar hinsichtlich all dem beleuchteten durchaus auch objektiv, aber nicht an sich absolut objektiv.

So wie es eben mit der Schwingung der UFOs ist, die schneller Schwingen, als das, was auf der Erde aus Menschlicher Sicht vernehmbar ist und eben in der Weise gar nicht unsichtbar an sich selbst oder bloß eine Art optischer Täuschung, sondern, sie sind so schnell schwingend, dass es vom Auge und dem heutigen Stand der Technik vorerst nicht ermessbar ist.

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Die Kunst des Sprachgebrauchs - KdrV §12

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jul 06 2016, 00:03

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - §12

... In jedem Erkenntnisse eines Objekts ist nämlich die Einheit des Begriffs, welche man qualitative Einheit nennen kann, so fern darunter nur die Einheit der Zusammenfassung des Mannigfaltigen der Erkenntnis gedacht wird, wie etwa die Einheit des Thema in einem Schauspiel, einer Rede, einer Fabel.

Zweitens Wahrheit in Ansehung der Folgen. Je mehr wahre Folgen aus einem gegebenen Begriffe, desto mehr Kennzeichen seiner objektiven Realität. Dieses könnte man die qualitative Vielheit der Merkmale, die zu einem Begriffe als einem gemeinschaftlichen Grunde gehören, (nicht in ihm als Größe gedacht werden,) nennen.

Endlich drittens Vollkommenheit, die darin besteht, dass umgekehrt diese Vielheit zusammen auf die Einheit des Begriffes zurückführt, und zu diesem und keinem anderen völlig zusammenstimmt, welches man die qualitative Vollständigkeit (Totalität) nennen kann.
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Es gibt die Geschichte aus der Bibel, mit dem Turmbau zu Babel, in welcher versinnbildlicht wird, dass durch das Maß der Höhe in der Materie, Gott nicht erschaut werden kann (man könnte dieses vielleicht unbewusste Ausbreitung in die Materie nennen). Die Folge war die Verwirrung der Sprache, womit die Menschen auf keinen gemeinsamen Nenner in der Verständigung untereinander mehr kommen konnten (vielleicht fällt dieses unter extreme Individualisierung).

An sich geht, in der Verständigung, alle Bedeutung aus der Einheit (Summe) der Erkenntnis hervor, die einem Begriffe zum Grunde liegt (gelegt werden kann). Würde man also auch eine andere Sprache sprechen, wäre bei einem Begriffe aber möglich, den Sinn zugleich in telepathischer Weise oder sonstwie (bildlich oder ggf. symbolisch) übermitteln zu können, so hätte die Sprache selbst keine Bedeutung an sich, wäre also mehr bloß eine Art von Medium.

Es wäre also immer eine Frage dessen, wie viel Erkenntnis im anderen zündet, von weit höherer Bedeutung, als nur der Klang der Worte, die Anordnung, oder ihr besonderer Gebrauch, außer auch damit ließe sich eine oder noch mehr Erkenntnis an sich vermitteln.

Nicht wenig hängt also davon ab, wie viel an Erkenntnis man hinsichtlich dessen (zu einer Sache hin) aufgebaut hat und aufbringen kann, damit sich diese überhaupt vermitteln ließe. Vielleicht auch mehr als Seele und gar nicht so sehr als Mensch, geschweige denn als Person.

Und ja, letztlich ist dass alles entscheidende, in einer, sagen wir mal gehobenen Art der Kommunikation oder eine Art Kunst des Sprachgebrauchs, doch dies, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Aus welchem dann nicht nach belieben etwas hergeleitet werden kann (u.a. Deduktion), sondern aus welchem nur eine Art von Verständnis der Sache hervorgeht, ganz so, wie sie gemeint ist.

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Beharrlichkeit von Substanzen - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 31 2016, 00:44

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - 2.B. 2.H. 3.A. 3A)

... Auf dieser Beharrlichkeit gründet sich nun auch die Berichtigung des Begriffs von Veränderung. Entstehen und Vergehen sind nicht Veränderungen desjenigen, was entsteht oder vergeht. Veränderung ist eine Art zu existieren, welche auf eine andere Art zu existieren eben desselben Gegenstandes erfolget. Daher ist alles, was sich verändert, bleibend, und nur sein Zustand wechselt. Da dieser Wechsel also nur die Bestimmungen trifft, die aufhören oder auch anheben können; so können wir, in einem etwas paradox scheinenden Ausdruck, sage: nur das Beharrliche (die Substanz) wird verändert, das Wandelbare erleidet keine Veränderung, sondern einen Wechsel, da einige Bestimmungen aufhören, und andre anheben.

Veränderung kann daher nur an Substanzen wahrgenommen werden, und das Entstehen oder Vergehen, schlechthin, ohne dass es bloß eine Bestimmung des Beharrlichen betreffe, kann gar keine mögliche Wahrnehmung sein, weil eben dieses Beharrliche die Vorstellung von dem Übergange aus einem Zustande in den andern, und von Nichtsein zum Sein, möglich macht, die also nur als wechselnde Bestimmungen dessen, was bleibt, empirisch erkannt werden können.

Nehmet an, dass etwas schlechthin anfange zu sein; so müsst ihr einen Zeitpunkt haben, in dem es nicht war. Woran wollt ihr aber diesen heften, wenn nicht an demjenigen, was schon da ist? Denn eine leere Zeit, die vorherginge, ist kein Gegenstand der Wahrnehmung; knüpft ihr dieses Entstehen aber an Dinge, die vorher waren, und bis zu dem, was entsteht, fortdauern, so war das letztere nur eine Bestimmung des ersteren, als des Beharrlichen. Eben so ist es auch mit dem Vergehen: denn dieses setzt die empirische Vorstellung einer Zeit voraus, da eine Erscheinung nicht mehr ist...
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Es ist so simpel, und doch so umfassend und folgerichtig sowie oft zu wenig bedacht...
Eine Veränderung kann nicht wahrgenommen werden, von dem, was sich selbst verändert hat, ja sich gar nicht selbst verändern kann, weil es sich selbst nicht darüber gehend umfassen kann, wie es ist.

Um dieses richtiggehend erfassen zu können, muss dasjenige, was es wahrnehmen möchte, beharrlich sein, d.h. aber folgerichtig nur, dass es dann einen Zustand verändert, nicht sich selbst.

Es ist fast so, wie zu sagen, "die Wahrheit kann sich selbst nicht widerlegen". Könnte sie es, wäre sie es nicht wirklich.

So können doch einige Vorstellungen gehoben werden, die es nicht wert sind, sich darin zu vertiefen, denn sie können nicht aufschließen, zu dem, was beharrlich bliebe.

Den Zustand zu verändern, ist also eine Sache, eine noch andere, sich selber zu verändern, was dann heißt, man ist nicht mehr der selbe. Das hieße alsdann, dass man sich nicht verändert hat, sondern man ist ein anderer geworden. Oder anders gesehen, es ist ein anderer Anteil in einem erwacht, der ggf. beharrlicher ist, in der Substanz oder vom Substrat her, als der Vorherige, so dass es an diesem, der Zustand der Veränderung an seiner Beharrlichkeit auszumachen und zu ermessen möglich ist oder wird bzw. wurde.

Daher ist es richtiger, nicht zu streben, sich zu verändern, sondern darauf zu achten, was man erweckt, dies auch mehr aus der Seelenperspektive. Ansonsten bliebe darauf zu achten, was man möglichst nicht erweckt, womit man vom Menschlichen Standpunkte, am Ende womöglich selber nicht mehr fertig werden kann.

Denn das, was erwacht ist, hat man erstmal an der Backe. Dann ist der Zustand "schlaf" doch von neuer Bedeutung, vor allem, in Anbetracht dessen, dass Veränderung vom jeweiligen nicht möglich sein sollte, von der Sache selbst her.. vielleicht nur am jeweiligen (d.i. an den Zuständen)...

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Erweis von Wirklichkeit - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Di Aug 16 2016, 00:38

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - 2B.2H.3A 4.

- Widerlegung des Idealismus -

Das bloße, aber empirisch bestimmte, Bewusstsein meines eigenen Daseins beweiset das Dasein der Gegenstände im Raum außer mir.

Ich bin mir meines Daseins als in der Zeit bestimmt bewusst. Alle Zeitbestimmung setzt etwas Beharrliches in der Wahrnehmung voraus. Dieses Beharrliche aber kann nicht eine Anschauung in mir sein. Denn alle Bestimmungsgründe meines Daseins, die in mir angetroffen werden können, sind Vorstellungen, und bedürfen, als solche, selbst ein von ihnen unterschiedenes Beharrliches, worauf in Beziehung der Wechsel derselben, mithin mein Dasein in der Zeit, darin sie wechseln, bestimmt werden könnte. Also ist die Wahrnehmung dieses Beharrlichen nur durch ein Ding außer mir und nicht durch die bloße Vorstellung eines Dinges außer mir möglich. Folglich ist die Bestimmung meines Daseins in der Zeit nur durch die Existenz wirklicher Dinge, die ich außer mir wahrnehme, möglich.
...
Das Bewusstsein meiner selbst in der Vorstellung "Ich" ist gar keine Anschauung, sondern eine bloß intellektuelle Vorstellung der Selbsttätigkeit eines denkenden Subjekts. Daher hat dieses Ich auch nicht das mindeste Prädikat der Anschauung, welches, als beharrlich, der Zeitbestimmung im inneren Sinne zum Korrelat dienen könnte: wie etwa Undurchdringlichkeit an der Materie, als empirischer Anschauung, ist.
...
Daraus, dass die Existenz äußerer Gegenstände zur Möglichkeit eines bestimmten Bewusstseins unserer selbst erfordert wird, folgt nicht, dass jede anschauliche Vorstellung äußerer Dinge zugleich die Existenz derselben einschließe, denn jene kann gar wohl die bloße Wirkung der Einbildungskraft (in Träumen sowohl als im Wahnsinn) sein; sie ist es aber bloß durch die Reproduktion ehemaliger äußerer Wahrnehmungen, welche, wie gezeigt worden, nur durch die Wirklichkeit äußerer Gegenstände möglich sind.
...
Alles Wirkliche ist möglich; hieraus folgt natürlicher Weise, nach den logischen Regeln der Umkehrung, der bloß partikulare Satz: einiges Mögliche ist wirklich, welches denn so viel zu bedeuten scheint, als: es ist vieles möglich, was nicht wirklich ist.
...
Ich will diesen Ausdruck hier nicht in der Bedeutung nehmen, welche ihm einige neuere philosophische Verfasser, wider den Sinn der Mathematiker, denen er doch eigentlich angehört, gegeben haben, nämlich: dass Postulieren so viel heißen solle, als einen Satz für unmittelbar gewiss, ohne Rechtfertigung, oder Beweis ausgeben; denn, wenn wir das bei synthetischen Sätzen, so evident sie auch sein mögen, einräumen sollten, dass man sie ohne Deduktion, auf das Ansehen ihres eigenen Ausspruchs, dem unbedingten Beifalle aufheften dürfe, so ist alle Kritik des Verstandes verloren, und, da es an dreisten Anmaßungen nicht fehlt, deren sich auch der gemeine Glaube, (der aber kein Kreditiv ist) nicht weigert; so wird unser Verstand jedem Wahne offen stehen, ohne dass er seinen Beifall denen Aussprüchen versagen kann, die, obgleich unrechtmäßig, doch in eben demselben Tone der Zuversicht, als wirkliche Axiomen eingelassen zu werden verlangen. Wenn also zu dem Begriffe eines Dinges eine Bestimmung a priori synthetisch hinzukommt, so muss von einem solchen Satze, wo nicht ein Beweis, doch wenigstens eine Deduktion der Rechtmäßigkeit seiner Behauptung unnachlaßlich hinzugefügt werden.
---
Es wird oft und gern nach der Wahrheit Ausschau gehalten, sei es auch beim Lesen von Literatur, die einem die eigenen Ansichten lediglich bestätigt, doch keineswegs in Zweifel zieht, so, dass man beliebig darin fortschreiten könnte, ohne dass diese durch Hinterfragung überhaupt auf einen Wahrheitsgehalt hin einer Prüfung unterzogen werden. Denn ist es nicht selbiges, worauf auch allerlei Schmeichelei abzielt oder worin sie erfolgreich ist?

Zwar wird man mit bloßen Behauptungen, wenn evident und mit hinreichend Überzeugung vorgetragen, durchaus Erfolg erzielen, bei allen, die Anteil am selben oder ähnlichem nehmen, doch ist auch damit noch keinerlei Wahrheit erwiesen, sondern eben nur das, worin ein Anteil mit besteht. Und ähnlich dem, dass nur eine Bestätigung vielleicht hinsichtlich eigener Überzeugungen und des Standpunkts gesucht werden mag, aber nicht die Wahrheit an sich, und so kann zumeist auch nur dass gefunden werden, wonach gesucht wurde.

Also muss am Wahrheitsanspruch mehr nur liegen, als sich selber in irgend etwas bestätigt zu suchen. Die Ansätze nach Kant sind wirklich gut, denn um etwas als Erwiesen zu preisen, reicht es nicht aus, sich selber darin nur zu überzeugen oder ggf. andere (vor allem eben ähnlicher Gesinnung) nur quasi in innerem Beifall zur Einstimmung mitzureißen, vor allem dann, wenn alle bisherigen Ansichtigen bloß Bestätigung finden.

Durchaus also kann man einige der Ansätze zusammenfassen:
1. Sowohl man selbst wird durch dieses, was außer einem im Raume liegt und gleicher Beharrlichkeit ist und in Wechselwirkung dazu, zum Erweise kommen, dass sowohl Gegenstände durch einen ihr Dasein erwiesen bekommen, wie man selbst durch diese zu jenem an der Stelle kommt.

2. Durch die Reproduktion der Wahrnehmung und Wahrnehmbarkeit an sich (also auch für andere) kann etwas über den Stand der Einbildung gehoben werden.

3. Kritische Überprüfung ist nicht verkehrt, ja sogar erforderlich, um die Wahrheit, die angenommen wird, auch einer Prüfung zu unterziehen. Da lediglich Evidenz und das überzeugende postulieren, ja selbst wenn viele oder gar die Mehrheit sich davon anstoßen ließe, jedoch nicht zum Fortschritte, sondern nur weil eben der eigene Standpunkt bezeugt wird, dieses noch keinerlei Erweis einer Wahrheit damit einführt (es also bestenfalls nur widerspiegelt, worin sich in einer Art und Weise eine Mehrheit vorübergehend vorfindet).

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Moralische Urteile - BG 2:68 + KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am So Sep 11 2016, 02:50

Bhagavad Gita 2:68

Yogananda:
O starker Held (Arjuna), wer seine Sinne in Bezug auf die Sinnesgegenstände völlig in der Gewalt hat, der ist fest in der Weisheit verankert.

Prabhupada:
Daher, o Starkarmiger, verfügt jemand, dessen Sinne von den Sinnesobjekten zurückgezogen sind, zweifelsohne über gefestigte Intelligenz.

Reclam:
Wer von den Sinnendingen drum
Die Sinne klug zurück stets hält,
Dess' Einsicht ist, o Ardschuna,
Auf einen festen Grund gestellt.
---
Kritik der reinen Vernunft - Der Transzendentalen Logik
Zweite Abteilung - Die transzendentale Dialektik


... Daher sind Wahrheit sowohl als Irrtum, mithin auch der Schein, als die Verleitung zum letzteren, nur im Urteile, d.i. nur in dem Verhältnisse des Gegenstandes zu unserm Verstande anzutreffen. In einem Erkenntnis, das mit den Verstandesgesetzen durchgängig zusammenstimmt, ist kein Irrtum. In einer Vorstellung der Sinne ist (weil sie gar kein Urteil enthält) auch kein Irrtum. Keine Kraft der Natur kann aber von selbst von ihren eigenen Gesetzen abweichen.
Daher würden weder der Verstand für sich allein (ohne Einfluss einer andern Ursache), noch die Sinne für sich, irren; der erstere darum nicht, weil, wenn er bloß nach seinen Gesetzen handelte, die Wirkung (das Urteil) mit diesen Gesetzen notwendig übereinstimmen muss. In der Übereinstimmung mit den Gesetzen des Verstandes besteht aber das Formale aller Wahrheit. In den Sinnen ist gar kein Urteil, weder ein wahres, noch falsches. ..
---
Somit ist oft auch falscher Idealismus, welcher über Dinge sich zu erheben versuchte, zu welchen er nicht einmal wirklichen Bezug hat und daher darüber in Urteilen begriffen, ein größerer Irrtum, als die Dinge wie sie bloß für sich wären, d.h. als wenn die Dinge einfach nur in natürlicher Weise ihren Gebrauch finden.

Dabei sollte und kann der Idealismus durchaus der Erhebung dienen, doch tut er es keineswegs in der Weise, dass er etwas herab setzt und es zu etwas Schlechtem erklärt, wodurch darüber gehend ja gar nichts erhoben würde.

Mehr ginge es, wenn vom Idealismus eine Art zusätzliche Teleologie eingeführt wird, so dass zwar die einfachen Dinge zu einer Art Mittel werden, doch kommt ein Zweck hinzu, der ehedem nicht war, der diese Dinge unter sich vereint und durch sich zu erheben versteht.

So viel, wenn alles mehr nach seiner spezifischen Eigenheit und Möglichkeiten Anwendung fände.

Was anderes wäre z.B., die Sinne an Sinnesgegenständen haften zu lassen, und sich dann in moralischen Urteilen sich selber gegenüber zu ergehen, wie es nicht selten gar in religiösen Kontexten Praxis finden mag.

Wie viel einfacher wäre es, wenn man den Zusammenhang kennt und die jeweilige Natur nach seiner Eigenheit gebraucht?! Das naheliegendste in dem Beispiel wäre doch, schlichtweg die Sinne von den Sinnesgegenständen abzuziehen, statt wider die Sinnesgegenstände in sich anzukämpfen. Denn oft wird das technische Verhältnis und die Funktion dessen nach seiner Natur, gegen falsche Moralvorstellungen den Sieg erringen. Nicht weil es viel vom Kämpfen verstünde, sondern schlicht weil es nichts davon als Kampf überhaupt ansieht. So vermag dieses die Neutralität doch besser zu erhalten, da es kein moralisches Urteil fordert und gar nicht wider die eigene oder die Natur der Dinge an sich ankämpft. Ganz nach Kant: "Keine Kraft der Natur kann aber von selbst von ihren eigenen Gesetzen abweichen."

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Idee und Urbild - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Di Sep 20 2016, 01:11

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant
Des Ersten Buchs der transzendentalen Dialektik
Erster Abschnitt - Von den Ideen überhaupt


... Plato bediente sich des Ausdrucks Idee so, dass man wohl sieht, er habe darunter etwas verstanden, was nicht allein niemals von den Sinnen entlehnt wird, sondern welches so gar die Begriffe des Verstandes, mit denen sich Aristoteles beschäftigte, weit übersteigt, indem in der Erfahrung niemals etwas damit Kongruierendes angetroffen wird. Die Ideen sind bei ihm Urbilder der Dinge selbst, nicht bloß Schlüssel zu möglichen Erfahrungen, wie die Kategorien. Nach seiner Meinung flossen sie aus der höchsten Vernunft aus, von da sie der menschlichen zu Teil geworden, die sich aber jetzt nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustande befindet, sondern mit Mühe die alten, jetzt sehr verdunkelten, Ideen durch Erinnerung (die Philosophie heißt) zurückrufen muss...
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Mit dem, was heute bekannt ist, ist es leichter wohl zu sagen, ja, es ist alles vom Logos. Die Ideen die wir zu erwecken suchen, basieren auf den Gedanken eines Logos und darüber ist nichts, was auch nur fassbar wäre.

So dass es wohl Urbilder sind, in ihrer reinsten Form, doch das, was daraus abgeleitet werden kann, letztlich der Schatten dessen bloß sein wird. Denn wie sollte das in Form mehr sein, als das was rein davon existiert, ganz ohne Form?

Auch kann man wohl sagen, wenn der Gedanke nicht bloß statisch ist, und man es mehr als Urbild oder Archetyp nimmt, dann wird dieser sich ausdehnen und erweitern, und so selbst in der Entwicklung begriffen sein, er wird dann zu mehr werden, als alles, was diesem Gedanken folgen wird. Daher wird er selbst, d.i. die Idee, in der Ausdehnung begriffen, nicht einmal einholbar sein, was vom Ursprung her vorausging.

Doch alles, was in der Ausdehnung dieser einen großen Idee ist, doch ein Teil davon ist, dass diesem die entsprechende Ausdehnung verschafft und so auch Anteil an dem hat, was sich in Ausdehnung befindet, und ohnedem, wäre es nicht so vollständig in der Weise, wie es durch jenes wird. Oder auch dieses in einer Art, der sich nicht vervollständigen ließe, den Gesamtzusammenhang stören würde.

Wenn also die Idee das ist, was sich von einem Kern, wie das gesamte Universum ausbreitet, dann wird auch kein Teil ausgelassen sein, der in dieser Idee zusammenhängend inbegriffen ist. Und es ist somit eine Frage der Ausdehnung, ja vielleicht der Zeit, bis jeder Aspekt, der wirklich einer Idee inhärent ist, seine Entfaltung findet.

Devino Melchizedek

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Muster und Überschattung - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Di Sep 20 2016, 01:12

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant
Des Ersten Buchs der transzendentalen Dialektik
Erster Abschnitt - Von den Ideen überhaupt


... Plato fand seine Ideen vorzüglich in allem was praktisch ist, d.i. auf Freiheit beruht, welche ihrerseits unter Erkenntnissen steht, die ein eigentümliches Produkt der Vernunft sind. Wer die Begriffe der Tugend aus Erfahrung schöpfen wollte, wer das, was nur allenfalls als Beispiel zur unvollkommenen Erläuterung dienen kann, als Muster zu Erkenntnisquell machen wollte (wie es wirklich viele getan haben), der würde aus der Tugend ein nach Zeit und Umständen wandelbares, zu keiner Regel brauchbares zweideutiges Unding machen. Dagegen wird ein jeder inne, dass, wenn ihm jemand als Muster der Tugend vorgestellt wird, er doch immer das wahre Original bloß in seinem eigenen Kopfe habe, womit er dieses angebliche Muster vergleicht, und es bloß darnach schätzt. Dieses ist aber die Idee der Tugend, in Ansehung deren alle mögliche Gegenstände der Erfahrung zwar als Beispiele, (Beweise der Tunlichkeit desjenigen im gewissen Grade, was der Begriff der Vernunft heischt,) aber nicht als Urbilder Dienste tun. Dass niemals ein Mensch demjenigen adäquat handeln werde, was die reine Idee der Tugend enthält, beweiset gar nicht etwas Chimärisches in diesem Gedanken. Denn es ist gleichwohl alles Urteil, über den moralischen Wert oder Unwert, nur vermittelst dieser Idee möglich; mithin liegt sie jeder Annäherung zur moralischen Vollkommenheit notwendig zum Grunde, so weit auch die ihrem Grade nach nicht zu bestimmenden Hindernisse in der menschlichen Natur uns davon entfernt halten mögen.
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Was heißt denn Überschattung?
Dieser Begriff findet sich ja durchaus auch in dem wieder, wo es heißt, dass Christus Jesus von Maitreya überschattet wurde. Und leicht kann sich die naive Vorstellung diesem dadurch annähern, dass es eine negative Bedeutung in sich trüge.

Doch wenn wir uns also im Falle der vorerwähnten Ideen als Urbilder annähern, dann kann man sagen, dass dieses Urbild, was vom menschlichen Geiste, der doch formbehaftet sein mag, nicht vollends ergriffen werden kann, in allem worin das Erstere unerreicht bleibt, doch dem Letzteren dadurch einen Schatten auferlegt.

Anders gesagt, nehmen wir die Tugend als solche, wenn diese als ein Ideal nun herhält, dann wird alles, was damit in Vergleichung gesetzt wird, als zu dieser in irgend einer Weise als unzulänglich erwiesen. Denn nichts kann vollkommener sein, als das Urbild in seiner reinsten Güte. Also wird auch alles das, was damit verglichen wird, in irgend einer Weise als unvollständig befunden werden.

Somit ist genau das ja auch ein Mittel der Kirchen, wie es in negativer Weise als eine Art Machtmittel genutzt zu werden vermag. Denn es wird ein Muster hergenommen, um dem, was diesem nicht vollends genüge leisten kann, vielleicht allein schon aufgrund der einen Natur, die sich einem Ideal gegenüber sieht, etwas aufgebürdet, was es nicht zu erreichen vermag.

Denn ein Urbild nach der Weise, ist im eigentlichen Sinne negativ für das, was diesem nicht genüge leisten kann. Obwohl es an sich, das absolute Positive repräsentiert, wessen man gar nicht widersprechen könnte. Doch zeugt es nur für dies, was eben nach der gleichen Art ist, es zeugt aber stets wider jenes, was nicht diesem gleichkommt.

Also sollte man mit moralischen Urteilen doch verhalten umgehen, denn in der Weise wäre die Nutzung ja dessen negativ, wenn es eben darum nicht der Erhebung an der rechten Stelle zu dienen vermag. Denn ein Ideal sollte alle Mittel unter einem Zwecke, der Erhebung wegen, zusammenführen. Nicht wider etwas gerichtet sein, auch wenn dieses sich ohnehin kaum vermeiden ließe. Würde man aber eben dieses Ideal dazu nutzen, um in der Unzulänglichkeit zu fischen, um diese bloß zu unterwerfen, dann wird es als Mittel zur Knechtschaft herangeführt.

Und das ist die problematische Dogmatisierung gewisser Kirchlicher Lehren heutiger Zeit.

Devino Melchizedek

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Idee der einen Menschheit - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Di Sep 20 2016, 01:27

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant
Des Ersten Buchs der transzendentalen Dialektik
Erster Abschnitt - Von den Ideen überhaupt


... Ein Gewächs, ein Tier, die regelmäßige Anordnung des Weltbaues (vermutlich also auch die ganze Naturordnung) zeigen deutlich, dass sie nur nach Ideen möglich seien; dass zwar kein einzelnes Geschöpf, unter den einzelnen Bedingungen seines Daseins, mit der Idee des Vollkommensten seiner Art kongruiere, (so wenig wie der Mensch mit der Idee der Menschheit, die er sogar selbst als das Urbild seiner Handlungen in seiner Seele trägt,) dass gleichwohl jene Ideen im höchsten Verstande einzeln, unveränderlich, durchgängig bestimmt, und die ursprünglichen Ursachen der Dinge sind, und nur das Ganze ihrer Verbindung im Weltall einzig und allein jener Idee völlig adäquat sei...
---
Welchen Gesamtzusammenhang könnte es denn nun geben, wenn nicht eine Idee da wäre, nach wessen Grundlage alles nun ins bestehen gekommen ist?

Wie in der Teleologie alles nach Mittel und Zweck unterteilt ist und es alles daher in einem Gesamtzusammenhang nun steht, auch wenn nur einer Idee nach, und es selbst an sich mit diesen Dingen, über diesen Zweckverbund hinaus, gar nicht direkt zu tuen hat, weil es für sie ohne Bedeutung ist, so kann es dennoch nicht etwas geben, was nicht grundsätzlich zuerst als eine Idee existierte.

Deswegen führen wir die Mentalebene, der Emotionalen voran und ebenso auch dem Physisch-Materiellen die beiden vorhergehenden. Doch die Idee im Ursprung, ist noch etwas darüber hinaus. Denn letztlich würden selbst alle Ebene auf einer vorgegangenen Idee beruhen, welche durch diese erst zur Manifestation gelangt.

So das man sagen kann, aus nichts kommt nichts.

Also ist auch die Menschheit, als Idee des Höheren, etwas, was zutiefst uns innig sein muss. Und in dem wir diese Idee ausdehnen, worunter auch eine gewisse Manifestation fallen wird, können wir dadurch dem Höchsten eben die höchste Ehre geben.

Kann es für den einzelnen Menschen also zugleich etwas höheres geben, als Mensch zu sein, nach der Idee des Höchsten selbst?

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Paralogismen der reinen Vernunft - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Di Okt 04 2016, 00:36

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant
Des Zweiten Buchs der transzendentalen Dialektik - Erstes Hauptstück
Von den Paralogismen der reinen Vernunft


Nicht dadurch, dass ich bloß denke, erkenne ich irgend ein Objekt, sondern nur dadurch, dass ich eine gegebene Anschauung in Absicht auf die Einheit des Bewusstseins, darin alles Denken besteht, bestimme, kann ich irgend einen Gegenstand erkennen. Also erkenne ich mich nicht selbst dadurch, dass ich mir meiner als denkend bewusst bin, sondern wenn ich mir der Anschauung meiner selbst, als in Ansehung der Funktion des Denkens bestimmt, bewusst bin. Alle Modi des Selbstbewusstseins im Denken, an sich, sind daher noch keine Verstandesbegriffe von Objekten, (Kategorien) sondern bloße logische Funktionen, die dem Denken gar keinen Gegenstand, zu erkennen geben. Nicht das Bewusstsein des Bestimmenden, sondern nur das des bestimmbaren Selbst, d.i. meiner inneren Anschauung (so fern ihr Mannigfaltiges der allgemeinen Bedingung der Einheit der Apperzeption im Denken gemäß verbunden werden kann), ist das Objekt.
---
Es gibt den bekannten Satz, "Ich denke, also bin ich"; doch nur aufgrund einer Funktion, ließe sich auf kein umfassenderes Selbstbewusstsein noch schließen. Alleine schon, dass wesentlicher dabei noch ist, dass man eine Anschauung hat, auf welcher oder um welche sich das Denken kreiset.

Und sehe man sich nur in der Weise, so wäre daher immer noch nicht viel mehr dabei erkannt, als sich bloß als Gegenstand oder Objekt der Anschauung nach zu verstehen. Was tatsächlich über eine selbst immer noch nichts aussagen würde oder nicht mehr, als eben über ein Objekt oder Gegenstand ausgesagt wäre. Wenn es auch schon über das hinaus ginge, sich nur als für die Ausübung einer Funktion der Logik zu halten.

Nur wessen bedarf es, um sich selbst in und durch die Dinge zu erkennen? In erster Linie muss man wohl sich selbst und zu sich selbst gefunden haben. Denn wann immer man von etwas anderem ausginge, als von sich aus oder ohne sich gefunden zu haben, so gäbe es zuvörderst wohl zwei wahrscheinliche Möglichkeiten, die dieses Unternehmen ad absurdum führen würden.

Die eine Art und Weise wäre nur, wenn man sich nicht findet, und von irgend etwas ausgeht, wird man nicht die entsprechende Rückmeldung empfangen können, die erforderlich wäre, als eine Art Grundlage um für uns irgend etwas zu erhellen, u.a. auf ein Objekt oder einen Gegenstand bezogen.

Die andere wäre sogar weitergehend die, dass wenn man keinen Grund der Reflexion antreffen würde, man je nach Art des Objektes, oder eben drum wenn es eine Art Subjekt wäre, sich darin verlieren müsste. Oder um es noch weiterreichender zu treiben, man könnte endlos in eine Richtung gehen oder darin quasi zerfließen, wenn es nichts gäbe, was diesem einen Rahmen gäbe und zu einem zurück führte. Auch gäbe es nichts in dem Falle, worin es eingehen oder aufgenommen oder genutzt werden könnte, wenn es keine Resonanz anträfe, die diesem entspricht, dann wäre es bloß umsonst...

Daher sind Selbstreflektionen doch ebenso ein notwendiger Part darin, nebst der Anschauung und nebst dem Denken an sich, um zu dem gelangen zu können, auch nur das geringste über sich selbst zu erkennen, zu erfahren und aussagen zu können.


Devino Melchizedek

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Antinomie der reinen Vernunft - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Okt 05 2016, 23:59

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant
Erster Abschnitt - System der kosmologischen Ideen


Um nun diese Ideen nach einem Prinzip mit systematischer Präzision aufzählen zu können, müssen wir Erstlich bemerken, dass nur der Verstand es sei, aus welchem reine und transzendentale Begriffe entspringen können, dass die Vernunft eigentlich gar keinen Begriff erzeuge, sondern allenfalls nur den Verstandesbegriff, von den unvermeidlichen Einschränkungen einer möglichen Erfahrung, frei mache, und ihn also über die Grenzen des Empirischen, doch aber in Verknüpfung mit demselben zu erweitern suche. Dieses geschieht dadurch, dass sie zu einem gegebenen Bedingten auf der Seite der Bindungen (unter denen der Verstand alle Erscheinungen der synthetischen Einheit unterwirft) absolute Totalität fordert, und dadurch die Kategorie zur transzendentalen Idee macht, um der empirischen Synthesis, durch die Fortsetzung derselben bis zum Unbedingten, (welches niemals in der Erfahrung, sondern nur in der Idee angetroffen wird,) absolute Vollständigkeit zu geben. Die Vernunft fordert dieses nach dem Grundsatze: wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Summe der Bedingungen, mithin das schlechthin Unbedingte gegeben, wodurch jenes allein möglich war.
---
Es kann keine Erfahrung des sogenannten Guten als solches geben, wenn es das Böse im Kontrast dazu und im Verhältnis nicht auch geben würde, denn dann wäre alles wie es ist zum Normalen gehörig.

Ebenso gäbe es kein Oben, wenn es kein Unten gäbe, denn woran sollte sich dieses auch ausmachen und bemessen lassen? Dabei geht es nur um Vernunftschlüsse und um keine Dualität, welche sich aus der eigenen Uneinigkeit oder dem Unvermögen ergibt, etwas als ganzem erfassen zu können.

Sollte es einem nicht möglich sein ein Vernunfturteil zu schließen, dann sollte man es unterlassen überhaupt ein Urteil schließen zu wollen, um nicht Handlanger zu kurz geratener Schlüsse zu werden.

Denn man bringt für gewöhnlich nicht die Einheit und Ganzheit in Gefahr, als vielmehr nur sein Vermögen dessen gewahr zu seins. Denn in der Dualität befindlich, wäre das Ganze nicht weniger ganz, vielmehr würde einem nur das Gewahrsein dessen abgehen.

Bis zu einem gewissen Grade ist es eben dieses, eine Totalität zu fordern oder einen überbordernden Idealismus, wo dieser gar nicht zur Synthese mit dem Geforderten gelangen kann. Was wie Kant bemerkte, in der Erfahrung und im Felde des empirischen gar nicht möglich ist. Denn es wäre im Vollkommenen überhaupt keine Erfahrung auch nur von etwas möglich, was nicht vollkommen wäre, folglich eigentlich gar keine Erfahrung, weil es nichts zu erfahren gäbe, was nicht ständig ist.

Um eine Antinomie nun dazu abzurunden, wäre das Gute also auch nicht, was dem Bösen aufzeigte, worin es ist, wäre das Böse an sich nicht Böse, sondern nur seiner eigenen Natur überlassen. Denn es gäbe ja nichts, was darunter litte, wenn nur dieses so wäre, wie es sich selbst überlassen ist. Also ist es erst das Gute, was dem Bösen bloß negativ zur Seite steht, während das Böse dem Guten positiv zur Seite steht, damit es überhaupt als dieses so zählen kann, als was es zählte...

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Begriff des allerrealesten Wesens - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Di Dez 13 2016, 01:11

Kritik der reinen Vernunft - Die Transzendentale Dialektik - 2.Abt. 2.B. 3.H. 5.Abschnitt

Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes

Wenn etwas existiert, so muss auch ein schlechterdingsnotwendiges Wesen existieren. Nun existiere, zum mindesten, ich selbst: also existiert ein absolutnotwendiges Wesen. Der Untersatz enthält eine Erfahrung, der Obersatz die Schlussfolge aus einer Erfahrung überhaupt auf das Dasein des Notwendigen. Also hebt der Beweis eigentlich von der Erfahrung an, mithin ist er nicht gänzlich a priori geführt, oder ontologisch, und weil der Gegenstand aller möglichen Erfahrung Welt heißt, so wird er darum der kosmologische Beweis genannt. Da er auch von aller besondern Eigenschaft der Gegenstände der Erfahrung, dadurch sich diese Welt von jeder möglichen unterscheiden mag, abstrahiert: so wird er schon in seiner Benennung auch vom physikotheologischen Beweise unterschieden, welcher Beobachtungen der besonderen Beschaffenheit dieser unserer Sinnenwelt zu Beweisgründen braucht.

Nun schließt der Beweis weiter: das notwendige Wesen kann nur auf eine einzige Art, d.i. in Ansehung aller möglichen entgegengesetzten Prädikate nur durch eines derselben, bestimmt werden, folglich muss es durch seinen Begriff durchgängig bestimmt sein. Nun ist nur ein einziger Begriff von einem Dinge möglich, der dasselbe a priori durchgängig bestimmt, nämlich der des entis realissimi: Also ist der Begriff des allerrealesten Wesens der einzige, dadurch ein notwendiges Wesen gedacht werden kann, d.i. es existiert ein höchstes Wesen notwendiger Weise.
---
Anzunehmen ist wohl durchaus, dass nichts existieren könnte, ohne zuvor erschaffen worden zu sein. Ebenso wie zu einem Gegenstande eine Produktionskette erforderlich ist. So gibt es keinen Gegenstand der Erfahrung, ohne dass ein Wesen oder ein Konglomerat d.i. eine Wesenheit, dahinter stünde, die dieses hervorgebracht hätte.

Und das betrifft alle Dinge, von denen wir in irgend einer Form umgeben sind, ohne sie selbst in Vollständigkeit hervorgebracht zu haben. So zeigt sich doch, in welchem Verhältnis man sich zu vielem befindet, selbst den banalsten Dingen, ohne die vielleicht kaum noch heutzutage ein angemessenes Leben möglich wäre.

So kann sich die Würde aller Dinge an sich selbst nur zeigen, wenn man das Wesen der Dinge an sich selbst erkennt. Wenn man etwas nur zum Zwecke seines eigenen Beliebens gebrauchte, ohne das Wesen der Dinge dahinter zu prüfen oder zu erkennen, anzuerkennen und zu würdigen, hieße es auf Gedeih und Verderb damit letztlich zu verkehren.

Wenn etwas auf diese Weise verdorben ist und so nicht mehr die Stellung hat um diesen Dinge in der Weise das zu geben, was sie zu dem machte, was sie sind, so bringt es danach auch nichts mehr, etwas noch würdigen zu wollen, was in der Weise nicht mehr existent (d.h. in dem Falle tot) ist. Denn dann ist alle Liebesmüh' zu spät darum und wird das jeweilige nicht mehr antreffen können.

Allerdings ist auch klar, dass das Erschaffene nicht zugleich das Erschaffende selbst ist. So kann auch eine Annäherung über das, was Erschaffen ist, zu dem, was erschaffend ist, nicht in gleicher Weise genügen, wenn es nicht selber Beschaffenheit also ist. Allerdings braucht auch nicht erst wesentlich der Versuch unternommen werden.

Denn es gibt mehrere Seiten einer Sache, so auch die Annäherung nur in der Weise, wie es in einem erweckt ist. Also bleibt es dabei, dass man nur das würdigen kann, was man in sich selbst zur Würde entwickelt hat. So bleibt nach aller Reise, immer noch nur die Wahl, bei sich selbst anzufangen.

Nimmt man etwas, ohne dass es gegeben ist, dann kann es ebenso dazu führen, dass anderweitig etwas nicht mehr in der Weise fortgeführt werden kann, wie es war oder womöglich auch sein sollte. Und ohnehin, was man nicht wenigstens als Potenzial latent in sich führte, wird man woanders auch nicht finden. Also beginnt jeder Grundstein bei sich selbst, dann finden sich auch anderweitige die Dinge, mit denen sich ein Aufbau fortsetzen ließe.

Ansich jedoch ist alles gegeben worden, mindestens von einem Gott. Doch enthebt es einen nicht der Verantwortung, wie man nun damit umgeht, denn wenn ist es eben in der selben Weise allen gegeben, denn es gibt einen Gott für alle, doch nur ein schlechterdings notwendiges Wesen, ein allerrealestes Wesen oder ein schlechterdings erstes oder höchstes Wesen u.dgl.m., ohne dies es also nichts nicht geben könnte...

Devino Melchizedek

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Re: Kritik der reinen Vernunft - I. Kant

Beitrag  Devino Melchizedek am So Dez 18 2016, 03:03

Kritik der reinen Vernunft - Die Transzendentale Dialektik - 2.Abt. 2.B. 4.H. 5.Abschnitt

Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes

Der Begriff des höchsten Wesens tut wohl allen Fragen a priori ein Genüge, die wegen der inneren Bestimmungen eines Dinges können aufgeworfen werden, und ist darum auch ein Ideal ohne Gleichen, weil der allgemeine Begriff dasselbe zugleich als ein Individuum unter allen möglichen Dingen auszeichnet. Er tut aber der Frage wegen seines eigenen Daseins gar kein Genüge, als warum des doch eigentlich nur zu tun war, und man konnte auf die Erkundigung dessen, der das Dasein eines notwendigen Wesens annahm, und nur wissen wollte, welches denn unter allen Dingen dafür angesehen werden müsse, nicht antworten: Dies hier ist das notwendige Wesen.

Es mag wohl erlaubt sein, das Dasein eines Wesens von der höchsten Zulänglichkeit, als Ursache zu allen möglichen Wirkungen, anzunehmen, um der Vernunft die Einheit der Erklärungsgründe, welche sie sucht, zu erleichtern. Allein, sich so viel herauszunehmen, dass man so gar sage: ein solches Wesen existiert notwendig, ist nicht mehr die bescheidene Äußerung einer erlaubten Hypothese, sondern die dreiste Anmaßung einer apodiktischen Gewissheit; denn, was man als schlechthinnotwendig zu erkennen vorgibt, davon muss auch die Erkenntnis absolute Notwendigkeit bei sich führen.
---
Von demher rührt auch die Schwierigkeit einer unmittelbaren Vermittlung einer Erkenntnis, denn es würde erfordern, dass die gleichen inhärenten Bedingungen und Beziehungen gegeben und angetroffen werden und würden.

Vergleichbar wäre dazu, dass alles gesprochene Wort zur unmittelbaren und absoluten Realität würde. Natürlich wäre Dummheit das erste was damit abgestraft würde, denn wie wollte ein Dummer sich seiner Gedanken dann erwehren wollen? Und wie sprechen, ohne Folgen?

Doch wäre dieses ja notwendigerweise nicht nur mit jenem verbunden, der Spräche, denn wenn etwas unmittelbare Realität würde, könnte es nicht ohne Bezug zu allem anderen stehen. Wie auch, wenn es doch Realität würde, und nicht nur unter den psychischen Bedingungen allein anzutreffen wäre.

Daher können wir nur sagen, ist es auch gut so, dass nicht alles sofort mit allem in vollständiger Beziehung steht, ausgenommen, es weiß alles andere nach eigener Zweckmäßigkeit und dem eigenen Naturell vollends zu schätzen, ohne zugleich alles in irgend einer Form stören zu wollen.

Ein gemeinsames höchstes oder notwendiges Wesen muss zwar existieren, wenn die Bedingungen grundsätzlich zumindest allen zugleich gegeben sind, dennoch ist es sogar notwendig, was aus zuvor genanntem hervorgehen dürfte, dass man möglichst alles nicht als absolut sondern als Hypothese annimmt oder ausspricht. Denn wenn nicht unmittelbar die absolute Erkenntnis in einem damit verbunden angetroffen wird, so ist es schlichtweg nicht wahr. Ja selbst wenn es wahr ist, unter übergeordneten Bedingungen, doch es ist ja dann faktisch eine Hypothese, formulierte man diese nicht als eine solche, dann wäre es demnach Selbstbetrug. Denn selbst wenn es wahr ist, aber in einem nicht angetroffen wird, so ist es zwar für die Allgemeinheit wahr, für einen selbst aber nicht, dennoch täte man so, als wäre diesem.

Man muss sich klar machen, dass es dann selbstredend vernünftiger wäre, sich zunächst als einen normalen Menschen auch wahrzunehmen und ein Gewahrsein dafür zu entwickeln, denn es kann so abwegig gar nicht sein, wenn man einen Menschlichen Körper nun führte. Als das man derer Erkenntnisse als absolut hinstellette, die einem nur mittelbar sich eröffnen, im Gegenzug aber das verleugnete und dem zu entfliehen suchte, was sich unmittelbar in und um einen vor sich ginge.

Dies lediglich des Gedankens an sich wegen...

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Göttliche Unermesslichkeit - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Dez 24 2016, 02:26

Kritik der reinen Vernunft - Die Transzendentale Dialektik - 2.Abt. 2.B. 4.H. 5.Abschnitt

Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes

Die unbedingte Notwendigkeit, die wir, als den letzten Träger aller Dinge, so unentbehrlich bedürfen, ist der wahre Abgrund für die menschliche Vernunft. Selbst die Ewigkeit, so schauderhaft erhaben sie auch ein Haller schildern mag, macht lange den schwindeligen Eindruck nicht auf das Gemüt, denn sie misst nur die Dauer der Dinge, aber trägt sie nicht. Man kann sich des Gedanken nicht erwehren, man kann ihn aber auch nicht ertragen: dass ein Wesen, welches wir uns auch als das höchste unter allen möglichen vorstellen, gleichsam zu sich selbst sage: Ich bin von Ewigkeit zu Ewigkeit, außer mir ist nichts, ohne das, was bloß durch meinen Willen etwas ist; aber woher bin ich denn? Hier sinkt alles unter uns, und die größte Vollkommenheit, wie die kleinste, schwebt ohne Haltung bloß vor der spekulativen Vernunft, der es nichts kostet, die eine so wie die andere ohne das mindeste Hindernis verschwinden zu lassen.
---
Man kann Gott nicht ermessen, denn selbst die hellsten Leuchten und Eingeweihten, staunen über lediglich einen Abglanz. Und es stellt sich dann schon einmal die Frage, ob mit jedem Wort über Ihn, wir lediglich sein Licht ausdehnen könnten, oder doch nur trüben würden, in Anbetracht des Unermesslichen?

Die Frage, woher etwas sei, das keine Grenzen und keinen Anfang hat? Dazu gibt uns alles, was da ist, nicht hinreichend Möglichkeiten an die Hand es ermitteln zu können, über das was nur mittelbar und nicht unmittelbar auf Ihn sich beziehen ließe.

Es lässt sich nur sagen, dass nichts da sein kann, ohne ein Wesen, was zuerst da war, um dieses hervorzubringen, was nicht von sich aus Ursache für sich selbst ist. Daher müsste aber auch etwas sein, das Ursache für sich selbst ist, denn sonst könnte nichts ins Dasein treten.

Von der Bhagavad Gita her kann man sagen, dass man unter Anwendung des Gegebenen, sich selbst auf einer andere Ebene neu erschaffen kann, und wenn man dort nur das einließe, was man selbst hervorbrachte, so ist es ein Selbst, was bloß aus sich Selbst her sich erschaffen hat. Um dann sagen zu können, ich bin aus mir selbst heraus.

Und doch basierte auch dieses bereits auf etwas, was da war, und zumindest die Ursache begründete, dass etwas anderes entstehen konnte. Wenn es sich auch selbst erschuf, so gab es etwas, was der Entwicklung vorweg ging, sich selbst erschaffen zu können.

Vielleicht ist es auch das, was das Göttliche kennzeichnet, dass es ist, ohne ergründet werden zu können woher, wodurch und seit wann es ist. Doch lässt es sich hinreichenden begründen, dass es da ist, wenn auch nur vorsichtig und vieles bloß hypothetisch in den Raum gestellt, und selbst sich keiner Anmaßung hinzugeben, etwas über jenes zwingend sagen zu wollen, worüber eigentlich doch nicht die Mittel sind hinreichend darüber etwas sagen zu können, außer als Beispiel, Gleichnis, Abbild oder Abglanz.

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Das permanente Atom - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jan 04 2017, 02:55

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant
- 2.Abt. 2.B. 3.H. 6.Abschnitt -
- Von der Unmöglichkeit des physikotheologischen Beweises -


Diese höchste Ursache (in Ansehung aller Dinge der Welt) wie groß soll man sie sich denken?

Die Welt kennen wir nicht ihrem ganzen Inhalte nach, noch weniger wissen wir ihre Größe durch die Vergleichung mit allem, was möglich ist, zu schätzen. Was hindert uns aber, dass, da wir einmal in Absicht auf Kausalität ein äußerstes und oberstes Wesen bedürfen, wir es nicht zugleich dem Grade der Vollkommenheit nach über alles andere Mögliche setzen sollten? welches wir leicht, obzwar freilich nur durch den zarten Umriss eines abstrakten Begriffs, bewerkstelligen können, wenn wir uns in ihm, als einer einigen Substanz, alle mögliche Vollkommenheit vereinigt vorstellen; welcher Begriff der Forderung unserer Vernunft in der Ersparung der Prinzipien günstig, in sich selbst keinen Widersprüchen unterworfen und selbst der Erweiterung des Vernunftgebrauchs mitten in der Erfahrung, durch die Leitung, welche eine solche Idee auf Ordnung und Zweckmäßigkeit gibt, zuträglich, nirgend aber einer Erfahrung auf entschiedene Art zuwider ist.
---
Wenn man ein Leben auch nach dem anderen reite, und von der Beständigkeit einer Seele ausginge, so doch kann man nicht behaupten, dass alles vom vorherigen ins nächste Leben genommen wird oder auch genommen werden könnte. Denn dieses würde einigen anderen Gesetzen, ja auch der Beschaffenheit mancher Substanz nach, und ja auch Erfahrungen zuwider stehen, die sich beobachten ließen.

Doch muss ja irgendwo eine Erfahrung abgelegt nun sein. Ginge man von einer Art permanenten Atoms aus, dann wäre nicht die einzelne Erfahrung an sich das, was übernommen würde, oder auch die individuelle Erinnerung daran, sondern mehr die, die einen Eindruck im Atom hinterließ, bar jeglicher persönlicher Bewertung der Dinge. Denn letztlich bliebe das Atom, oder die Qualität dieses Atomes, nicht mehr die Erinnerung der Erfahrung, das Entscheidende.

Dann wäre aber die Erinnerung die einer Art von Instinkt, wie und nach welcher Intelligenz nun dieses Atom agieren und reagieren würde, nicht aber etwas konkret fassbares, an welchem sich nun alles bemessen ließe. Auch wäre die Reinheit des Atoms, ohne allerlei Überlagerungen dann das Wesenhafte diesem nach bezogen.

Es ist durchaus Vergleichbar mit den Mitteln einer Gattungsart, welche nun für einen bereit gestellt ist, als Anteilnehmer einer Gattung. In ähnlicher Weise nun wäre ein permanentes Atom, es könnte nur auf die bereits gemacht Erfahrung reagieren und auf das, was diesem verwandt ist, nicht jedoch zugleich aller Handhabung fähig sein, grob mit dem Begriff von Essenzen ausgedrückt, derer Kontakt nun neu daher und unbekannt wäre.

Wir kennen vermutlich individuell gesehen nur ein Bruchstück dessen, was man unter dem Allgemeinbegriff der Welt ordnen könnte, doch wird oft gemeint, leicht über alles urteilen zu können, zu dessen Dingen nicht einmal wirklicher Bezug besteht.

Natürlich ließe sich leicht aus einer Emotion heraus, auf Ebene der Emotion über etwas bestimmtes etwas sagen, doch bliebe es ja lediglich Teil der Emotion. Ginge man doch darüber hinaus, oder würde sich dessen anmaßen wollen, etwas, über etwas absolut bestimmt sagen zu wollen, so doch wäre aber nicht mehr als eine Emotion die Grundlage des Urteils, wäre man nicht im mindesten in der Position doch darüber überhaupt angemessen etwas sagen zu können, denn es hätte mit Bestimmtheit nichts mit dem Dinge an sich dann nur zu tuen.

So ist es leicht drum viel zu sagen, doch erstmal sollt man sich innerlich befragen, ob man nun wirklich etwas sagt, wonach man ward auch nur gefragt...

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Die passenden Worte finden - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Feb 04 2017, 23:47

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - 2.Abt. 2.B. 3.H. 7.Absch. -
Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik der menschlichen Vernunft


Nun ist nicht das Mindeste, was uns hindert, diese Ideen auch als objektiv und hypostatisch anzunehmen, außer allein die kosmologische, wo die Vernunft auf eine Antinomie stößt, wenn sie solche zu Stande bringen will (die psychologische und theologische enthalten dergleichen gar nicht).
Denn ein Widerspruch ist in ihnen nicht, wie sollte uns daher jemand ihre objektive Realität streiten können, da er von ihrer Möglichkeit eben so wenig weiß, um sie zu verneinen, als wir um sie zu bejahen. Gleichwohl ists, um etwas anzunehmen, noch nicht genug, dass kein positives Hindernis dawider ist; und es kann uns nicht erlaubt sein, Gedankenwesen, welche alle unsere Begriffe übersteigen, obgleich keinem widersprechen, auf den bloßen Kredit der ihre Geschäfte gern vollendenden spekulativen Vernunft, als wirkliche und bestimmte Gegenstände einzuführen.
---
Natürlich kann man es sich leicht machen, etwas auszudenken, diesem nach bloß eigenem belieben einen Namen geben und es zu benennen, und schon hat man was immer man wollte. Doch ist es damit selbstredend nicht getan!

Nicht muss der Einbildung erst widersprochen werden, um sie als eine solche zu klassifizieren, denn sie muss erst sich als etwas erweisen, was sie zu mehr als bloßer Einbildung zu erheben vermag.

Damit wären wir im Ansatz bei dem, was der Kurs in Wundern lehrt: Es gibt nicht viele Söhne Gottes, es gibt nur den Einen. Erst durch die Einheit mit anderen kann daher etwas sich als das erweisen, was es in Übereinstimmung ist. Zwar auch in dem es mit etwas Gegenständlichem korrespondiert, und doch selbst alle Gegenständlichkeit ergibt sich darum, weil es von anderen erkannt und anerkannt wird. Allerdings zählt wohl ebenso, dass es nicht den kleinstmöglichen Nenner bei sich führt, sondern den Größtmöglichen oder auch Höchstmöglichen, was bei den letzteren beiden zwar nicht immer, aber doch meistens, auf den selben Nennen führt.

Und so betriebe man und wäre bloß zum eigenen Vergnügen geschäftig, so hätte dieses für andere, somit außenstehende, gewiss eine andere Bedeutung, als für einen selber. Doch es zählt, was bleibt! Und für alles ließe sich der passende Begriff drum finden. Doch nicht unbedingt dann der, den man sich zurechtdächte, sondern der, der darum mehr zählte...

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Kritische Betrachtungsweisen - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Feb 15 2017, 23:56

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - II Transzendentale Methodenlehre - 1.H.2.A.
Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs


Die Vernunft muss sich in allen ihren Unternehmungen der Kritik unterwerfen, und kann der Freiheit derselben durch kein Verbot Abbruch tun, ohne sich selbst zu schaden und einen ihr nachteiligen Verdacht auf sich zu ziehen. Da ist nun nichts so wichtig, in Ansehung des Nutzens, nichts so heilig, das sich dieser prüfenden und musternden Durchsuchung, die kein Ansehen der Person kennt, entziehen dürfte. Auf dieser Freiheit beruht sogar die Existenz der Vernunft, die kein diktatorisches Ansehen hat, sondern deren Ausspruch jederzeit nichts als die Einstimmung freier Bürger ist, deren jeglicher seine Bedenklichkeiten, ja sogar sein Veto, ohne Zurückhalten muss äußern können.

Ob nun aber gleich die Vernunft sich der Kritik niemals verweigern kann, so hat sie doch nicht jederzeit Ursache sie zu scheuen. Aber die reine Vernunft in ihrem dogmatischen (nicht mathematischen) Gebrauche ist sich nicht so sehr der genauesten Beobachtung ihrer obersten Gesetze bewusst, dass sie nicht mit Blödigkeit, ja mit gänzlicher Ablegung alles angemaßten dogmatischen Ansehens, vor dem kritischen Auge einer höheren und richterlichen Vernunft erscheinen müsste.
---
Ganz klar ist, man kann sich nicht auf höchste Wahrheiten berufen, und es scheuen, dass diese einer kritischen Betrachtungsweisen nicht standhalten würden. Denn sollte es nun höchste und nicht bloß angemaßte Wahrheit darum sein, was könnte diese Abbruch tuen? Doch ließe sich diese jene in drei Sätzen widerlegen, so könnte es daher wohl kaum höchste Wahrheit heißen!

Beim verehrten Philosophenkollegen Kant finden sich wohl die mit überzeugendsten Argumente, es könnte wohl so sein, dass es keinen Gott gibt, denn immer ist er in allem fassbaren wohl nicht ohne weiteres anzutreffen. Und doch schließt kann fast wie beiläufig damit sinngemäß ab, "doch ich glaube an einen Gott, denn alle ausgefallenen und wesenhaften Dinge könnten ja doch nicht sein, wenn nicht ein höchstes Wesen wäre, was diese hervorgebracht und ersonnen haben muss, denn woher sollte dieses ausgefallene und wesenhafte von selbst herkommen?!".

So die Thesen und Antithesen, bis in die denkbarsten Ecken, ohne Scheu hinzusehen, statt blindlings nur etwas zu behaupten, ohne auch nur im geringsten etwas einer ernsteren Betrachtung zu unterziehen. Das nennt sich Handwerk, worin möglichst kein Pfusch sein Unrat auch nur treiben könnte!

Vieles, wenn man es also nur vom Wesen der Sache her betrachtet, lässt sich leicht zu seinem bestimmten Platz hinbringen, im größeren Zusammenhang, worin es wohlgefällig seine bestimmte Rolle ausübt zur größten Nützlichkeit. Man muss es nur prüfen wollen. Zumal es oft keinerlei Grund auch gibt, sich selber mehr darin einzubringen, als es der Sache not oder gut täte.

Dann reicht oft nur ein zarter Eindruck, und mehr bedarf es nicht, um angemessen damit umgehen zu können. Es braucht nicht erst unter die Haut zu gehen und einzuschneiden, um einer Berührung zu gewahren. Und selbst nun wenn man meinte es in dieser Weise für nötig zu befinden, heißt es ja nicht, dass es das ist, was andere wollen oder auch nur bräuchten, auch nur irgendwer sonst.

Gott allein kennt alle Dinge bis auf ihren Wesensgrund, er kann wohl gar nicht anders. Wir aber können anders und manche Dinge möchte man auch gar nicht wissen, weil man es nicht braucht und es in der Weise kann.

Es ist daher auch Freiheit, etwas einfach nicht zu wissen, doch ist es keine Freiheit, wenn man sein nominales Wissen nicht bereit wäre kritischen Betrachtungsweisen zu unterziehen. Denn so oder so taugt es nur etwas, in dem und worin es bestehen kann. Überredungskunst allein macht es nicht aus, selbst wenn man sich selber leichtgläubig gern zu allerlei Überzeugung verleitete, darin z.B. etwas taugte etwas, ohne jedoch von irgend einem Nutzen für irgend etwas oder irgend jemanden sonst zu sein, worin es sich als tauglich erwiese.

Devino Melchizedek

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Sittlich ansprechbar - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Feb 18 2017, 14:56

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - II Transzendentale Methodenlehre - 1.H.2.A.
Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs


... Es gibt eine gewisse Unlauterkeit in der menschlichen Natur, die am Ende doch, wie alles, was von der Natur kommt, eine Anlage zu guten Zwecken enthalten muss, nämlich eine Neigung, seine wahre Gesinnungen zu verhehlen, und gewisse angenommene, die man für gut und rühmlich hält, zur Schau zu tragen. Ganz gewiss haben die Menschen durch diesen Hang, sowohl sich zu verhehlen, als auch einen ihnen vorteilhaften Schein anzunehmen, sich nicht bloß zivilisiert, sondern nach und nach, in gewissem Maße, moralisiert, weil keiner durch die Schminke der Anständigkeit, Ehrbarkeit und Sittsamkeit durchdringen konnte, also an vermeintlich echten Beispielen des Guten, die er um sich sah, eine Schule der Besserung für sich selbst fand. Allein diese Anlage, sich besser zu stellen, als man ist, und Gesinnungen zu äußern, die man nicht hat, dient nur gleichsam provisorisch dazu, um den Menschen aus der Rohigkeit zu bringen, und ihn zuerst wenigstens die Manier des Guten, das er kennt, annehmen zu lassen; denn nachher, wenn die echten Grundsätze einmal entwickelt und in die Denkungsart übergegangen sind, so muss jene Falschheit nach und nach kräftig bekämpft werden, weil sie sonst das Herz verdirbt, und gute Gesinnungen unter dem Wucherkraute des schönen Scheins nicht aufkommen lässt...
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Das gute daran, ist wohl das gute darin, denn selbst mit der zur Schautragung von Tugenden, die man nicht hat, wenngleich man sie für sich vor allem im Falle von Verblendung einzuräumen gedachte, doch ist es immerhin ein Schritt dahin sich tatsächlich darum zu mühen diese zu entwickeln. Wenngleich vielleicht nur unter Zugzwang, und unter Beraubung daher der eigenen Freiheit und Eigenständigkeit darin.

Denn so fängt man sich selbst, hat man etwas geäußert, so sieht man sich in der Not, allein in Anbetracht alles dessen, was man vor sich in sich zu vertreten hat, sich danach auch zu richten, um sich dann nicht zusätzlich noch der Heuchelei verschrieben zu sehen. Also ist es zu etwas gut, wenn auch weder wirklich vornehm, noch sittlich genug um von sich aus darunter subsumiert zu werden.

Wenn man bedenkt, auf welcher Ebene nun einer Unterhaltung man teilnehmen möchte, wäre die Sittlichkeit keine schlechte, denn ernstlich ließe sich damit einiges abhändeln, ohne dass es in irgend einer Form an die Substanz geht, um so dann sanft etwas integriert zu können. Für mancherlei Sache ist sogar unabdingbar, sittlich ansprechbar zu sein. Hierzu zählt allerdings nicht irgendein Idealismus, der rein vor sich bloß gestellt werde, auch wenn man meint diesen oberflächlich einzuhalten, jedoch in der Tiefe nichts weiter vorzufinden ist, was diesem unter die Arme greifen könnte, sollte es sich ernstlicher Untersuchung unterziehen wollen. Denn wenn einem nur idealistische Wunschvorstellungen raussprudeln, ist man sittlich gar nicht ansprechbar und nicht weniger ein Extrem, als wenn es um moralische Rohigkeit oder Verruchtheit ginge. Keines davon wäre mehr oder weniger sittlich ansprechbar oder wirklich von größerem Wert, denn die Frage wäre dann nur eher, was von Substanz worunter subsumiert wäre, um womöglich daraus etwas herausarbeiten zu können. Mehr Sittlichkeit als Tragkraft wäre in keinem dieser Dinge sodann.

Daher gibt es an gewissen Weggabelungen gar nicht die Wahl, ob man nun an der Sittlichkeit arbeiten wollte oder nicht, denn ohne diese, ließe sich darunter nicht subsumieren, von dem, was dieses voraussetzte. Dann hilft aber nichts, was sich zur Schau stellen ließe, als das, wie es im Herzen darum tatsächlich stünde. Andernfalls wäre es einem Vakuum gleich, eines fast größeren Aufwandes um jenes wieder ins Lot bringen zu können. Ehrlichkeit mit sich und an sich ließe dieses schon gar nicht zu und wäre daher bereits ein größerer Ansatz zur Sittlichkeit, als irgend eine Art von Getue es daher wäre.

Devino Melchizedek

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Sittliches handeln - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am So Feb 19 2017, 18:16

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - II Transzendentale Methodenlehre - 1.H.2.A.
Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs

Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgend einer Absicht gut.
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Auch nötigen die endlosen Streitigkeiten einer bloß dogmatischen Vernunft, endlich in irgend einer Kritik dieser Vernunft selbst, und in einer Gesetzgebung, die sich auf sie gründet, Ruhe zu suchen; so wie Hobbes behauptet: der Stand der Natur sei ein Stand des Unrechts und der Gewalttätigkeit, und man müsse ihn notwendig verlassen, um sich dem gesetzlichen Zwange zu unterwerfen, der allein unsere Freiheit dahin einschränkt, dass sie mit jedes anderen Freiheit und eben dadurch mit dem gemeinen Besten zusammen bestehen können...
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Wie eben die Sache, dass zur selben Zeit, im selben Raum, am selben Platz, nicht zwei verschiedene Dinge sein können, so ist es auch darum bestellt, was selbst die Welt ausmacht, worin jeder ebenso auch nur den Platz beanspruchen können kann, wenn niemand sonst selbiges vorhat. Andernfalls ist ein Konflikt unvermeidlich.

So also gibt es Gesetze und Regeln, die an sich bloß sittlicher Norm entsprechen, auf die Rücksicht zu nehmen ist, da andernfalls kein Gemeinsames möglich wäre.

Der Stand der Natur ist nicht notwendig Gewalttätigkeit, jedoch ist es eine Rohheit, sofern diese nicht zu etwas anderem kultiviert wird. In Anbetracht der Rohheit entsteht leicht Rücksichtslosigkeit wider alles, was in dieser keine Entsprechung findet, weil es dann blind wider die Feinheit die darüber geht, sein kann. Entweder geht es also gänzlich blindlings daran vorüber, jedoch wenn nicht, wird es nichts gutes verheißen und wahrscheinlich in Gewalttätigkeit münden, selbst wenn auch ungewollt.

Wenn es daher bloß die Natur ist, die je stets um eine Evolution angeregt ist, mag daher stets was Gutes daraus werden, jedoch ist ja nicht alles bloß Natur. Und so auch jedes handeln darin, kann vielerlei weiterer Triebfedern zugrunde liegen, und eben dann ist es nicht unbedingt zu allem oder überhaupt notwendig zu etwas gut. Dafür gibt es dann die Sittlichkeit, die einen dazu führt, dass die eigenen Handlungen nicht bloß für den eigenen Vorzug gut sind, sondern auch etwas allgemein Nützliches bei sich führen oder das Nützliche mit einbeziehen oder diesem grundsätzlich unterstellt sind.

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Das einfache Leben - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am So Feb 26 2017, 00:08

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - II. Transzendentale Methodenlehre - 1.H.3.A.
Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung der Hypothesen


Die Zufälligkeit der Zeugungen, die bei Menschen, so wie beim vernunftlosen Geschöpfe, von der Gelegenheit, überdem aber auch oft vom Unterhalte, von der Regierung, deren Launen und Einfällen, oft so gar vom Laster abhängt, macht eine große Schwierigkeit wider die Meinung der auf Ewigkeiten sich erstreckenden Fortdauer eines Geschöpfs, dessen Leben unter so unerheblichen und unserer Freiheit so ganz und gar überlassenen Umständen zuerst angefangen hat. Was die Fortdauer der ganzen Gattung (hier auf Erden) betrifft, so hat diese Schwierigkeit in Ansehung derselben wenig auf sich, weil der Zufall im Einzelnen nichts desto weniger einer Regel im Ganzen unterworfen ist; aber in Ansehung eines jeden Individuum eine so mächtige Wirkung von so geringfügigen Ursachen zu erwarten, scheint allerdings bedenklich. Hierwider könnt ihr aber eine transzendentale Hypothese aufbieten: dass alles Leben eigentlich nur intelligibel sei, den Zeitveränderungen gar nicht unterworfen, und weder durch Geburt angefangen habe, noch durch den Tod geendigt werde; dass dieses Leben nichts als eine bloße Erscheinung, d.i. eine sinnliche Vorstellung von dem reinen geistigen Leben, und die ganze Sinnenwelt ein bloßes Bild sei, welches unserer jetzigen Erkenntnisart vorschwebt, und, wie ein Traum, an sich keine objektive Realität habe: dass, wenn wir die Sachen und uns selbst anschauen sollen, wie sie sind, wir uns in einer Welt geistiger Naturen sehen würden, mit welcher unsere einzig wahre Gemeinschaft weder durch Geburt angefangen habe, noch durch den Leibestod (als bloße Erscheinungen) aufhören werde, usw.
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Wie man nun sein Leben als Kind beginnt, so dieses ja nicht zerrinnt, sondern man sich seltener dessen bloß besinnt, wie es ja doch immer noch weiter in uns spinnt. Es kommt jedoch noch einiges an Substrat hinzu, wie das Lebensalter schreitet weiter, jedoch verschwindet dadurch das, womit alles begann, weitestgehend ja nicht.

Ähnlich dazu ist es ja mit dem Gattungswesen bewandt, wovon die Genetik eine Art Abdruck auch sein mag. Denn gewisse Studien haben gezeigt, dass die Genetik weit mehr vermischt ist und Anteile selbst anderer Rassen in jedem anderen enthalten sind, wovon man gar nicht annehmen würde, dass es einen Teil des eigenen genetischen Abdrucks bildet.

Dazu befindet sich im Unterbewusstsein der Seele (Seelenspeicher) wohl einiges in einer Art von substanzlosem Zustand, als Erinnerungen. Und all dieses drängt erlöst zu werden, was dann nun hieße, dass es nach Ausdrucksmöglichkeiten sucht, um verkörpert zu werden.

Nicht wenig der Geistesstörungen oder gar Pervertiertheit der menschlichen Gattung mag sich hieraus erklären lassen und darin ihre Ursache finden. Denn nimmt man z.B. an, dass gewisse Kindheitsaspekte in einem Fehlen und durch was aus immer abhanden gekommen sind, ebenso wie irgendwelche Unausgewogenheit entstanden sein mögen, dann wird man dazu geneigt sein, einen Ausgleich dafür zu suchen. Hierbei wird es allerdings schnell dazu führen, dass womöglich ein Erwachsener Mensch nun vielleicht irgendwelche Kindheitserfahrung nachzuholen suchen wird. Oder sich auch mit anderen zu verzetteln neigt, auf der Suche nach dem, was ihm nun vermeintlich fehlt oder in ihm unausgewogen ist.

Hinzutritt eben auch jenes, was vielleicht gar nicht in dem aktuell geführten Leben verursacht wurde, sondern sich im Seelenspeicher befindet. Es wird dann stets dazu neigen, dass es in irgend einer Weise zur Manifestation gebracht wird und sich ausagieren kann. So ergibt sich ein breites Tätigkeitsfeld, allein darin, diese Art von Geistesstörungen aufzuarbeiten, im Idealfall vielleicht bevor oder ohne dass dieses in Manifestation geraten, vor allem derer, die allzu unausgewogen sind und dann womöglich noch weiter verstärkt würden, als denn erlöst zu werden.

Ein gesunder Geist erschafft gesunde Formen, ein unausgewogener wird unausgewogene Formen hervorbringen usw. Vieles ließe sich also weit besser bereits im Geiste klären, denn ehe es zum ausgewachsenen Problem wird. Allerdings ist es erforderlich auch dieses zu erkennen und vor allem dann auch dort zu beheben, wo es entstanden oder wodurch es verursacht wird. Rein nur im Geiste wird vieles nicht möglich sein, ohne die Möglichkeiten dessen, dass es zur Formbildung nun angeregt werden kann oder die potenziellen Möglichkeiten einer Manifestation gegeben sind. Doch ist es wohl besser, wenn vieles unnötige eben nicht erst manifestiert wird. Denn Unrat gibt es wohl ebenso bereits genug auf den niederen Astralebenen, worin vieles gipfelt, was aufgrund der Beschaffenheit nun mehr ungehemmt hervortreten kann, wie ebensolcherlei im Internet kursieren mag, ähnlich ebenjenem, in Ansehung der Möglichkeit nicht gänzlich für alles einstehen zu brauchen, oder im Versteckspiel der Massen.

Es stimmt wohl, dass vieles ohnehin nur schwerlich diesem oder jenem zuzuordnen sein mag, allein daraus, weil ein Mensch eine Zusammensetzung aus vielem ergibt, und man oft gar nicht weiß, was wovon und wodurch im eigentlichen ursächlich herrührt. Ja, es gibt daher wohl genug Grund, nicht voreilig zu sein mit irgend welchem Urteil. Und froh darüber, wenn man hinreichend ausgewogen seinen Lebensweg beschreiten kann. Daher bleibt man auch auf der sichereren Seite, vieles mehr als Hypothese zu nehmen, was einem nicht erweislich als Einsicht und Erfahrung vorliegt (was mindestens Verantwortungsbewusstsein bedingt). Zumindest ist es besser, beim Thema zu bleiben, als sich in Intrigenspielen zu verstricken, die wenig zielführend sind.


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Von den Möglichkeiten Menschlicher Schaffungskraft - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr März 17 2017, 02:29

Von den Möglichkeiten Menschlicher Schaffungskraft und derer der spekulativen Vernunft

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - II. Transzendentale Methodenlehre -
2.H. 1.A. - Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs unserer Vernunft


Der Wille mag auch frei sein, so kann dieses doch nur die intelligibele Ursache unseres Wollen angehen. Denn, was die Phänomene der Äußerungen desselben, d.i. die Handlungen betrifft, so müssen wir, nach einer unverletzlichen Grundmaxime, ohne welche wir keine Vernunft in empirischem Gebrauche ausüben können, sie niemals anders als alle übrige Erscheinungen der Natur, nämlich nach unwandelbaren Gesetzten derselben, erklären. Es mag zweitens auch die geistige Natur der Seele (und mit derselben ihre Unsterblichkeit) eingesehen werden können, so kann darauf doch, weder in Ansehung der Erscheinungen dieses Lebens, als einen Erklärungsgrund, noch auf die besondere Beschaffenheit des künftigen Zustandes Rechnung gemacht werden, weil unser Begriff einer unkörperlichen Natur bloß negativ ist, und unsere Erkenntnis nicht im mindesten erweitert, noch einigen tauglichen Stoff zu Folgerungen darbietet, als etwa solchen, die nur für Erdichtungen gelten können, die aber von der Philosophie nicht gestattet werden. Wenn auch drittens das Dasein einer höchsten Intelligenz bewiesen wäre: so würden wir uns zwar daraus das Zweckmäßige in der Welteinrichtung und Ordnung im Allgemeinen begreiflich machen, keineswegs aber befugt sein, irgend eine besondere Anstalt und Ordnung daraus abzuleiten, oder, wo sie nicht wahrgenommen wird, darauf kühnlich zu schließen, indem es eine notwendige Regel des spekulativen Gebrauchs der Vernunft ist, Naturursachen nicht vorbeizugehen, und das, wovon wir uns durch Erfahrung belehren können, aufzugeben, um etwas, was wir kennen, von demjenigen abzuleiten, was alle unsere Kenntnis gänzlich übersteigt. Mit einem Worte, diese drei Sätze bleiben für die spekulative Vernunft jederzeit transzendent, und haben gar keinen immanenten, d.i. für Gegenstände der Erfahrung zulässigen, mithin für uns auf einige Art nützlichen Gebrauch, sondern sind an sich betrachtet ganz müßige und dabei noch äußerst schwere Anstrengungen unserer Vernunft.

Wenn demnach diese drei Kardinalsätze uns zum Wissen gar nicht nötig sind, und uns gleichwohl durch unsere Vernunft dringend empfohlen werden: so wird ihre Wichtigkeit wohl eigentlich nur das Praktische angehen müssen.

Praktisch ist alles, was durch Freiheit möglich ist...
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Der natürliche Erweis von Wirklichkeiten, die außerhalb stofflicher Wirklichkeiten liegt, kann durch diese, die in einem Stoffe oder andersartigem dem nahekommendem Substratum liegt, auch nicht erbracht werden.

Ja, von demher hat Kant recht, es nutzt daher nicht viel, in Anbetracht dieser doch solcher Tatsachen, weiterhin die Vernunft dazu zu mühen, dieses zu belegen oder zu widerlegen, mittels des Substratums der Möglichkeiten, die diesen übersteigen sollten. In Veränderung dessen, d.h. der Anerkennung Ätherischer Ebenen, wird dieses jedoch erweitert und eine Veränderung nach sich ziehen, sobald eine Anerkennung im Massenbewusstsein stattfindet, was zum Bestandteil der Realität für jene bilden wird.

Selbst in Anbetracht der Wirklichkeiten, welche einem die Realität begründen, ist es nicht jedermanns Sache, auf etwas Anspruch zu gestatten, was nicht jedermanns Sache als ausgenommen lediglich die unsrige ist, zu erheben. Dennoch ist es, sofern es einen Anteil an der reproduktiven Erfahrungswelt nun bildet, eine Sache der Wissenschaft an sich, also auch zu ergründen, was im Bereich des nun derweil Menschlich Möglichen läge.

Denn wäre es Jenseits der Erfahrungsmöglichkeiten, kann es keinen Versuch des Intelligiblen Lebens geben, das Menschenunmögliche zu bemühen. Und so ist es möglich, eine Hürde zu nehmen, die den bekannten Rahmen an Grenzerfahrung überschreitet, woran mangelte es uns, und was hinderte uns von demher, diesen zu nehmen und zu beanspruchen? Und doch kann es der Menschlichen Gattung nur zuträglich werden, wenn es dieselbige einzubeziehen versteht, ohne überzogenes Geplänkel, welches gar sich selber zu überheben bloß versuchte.

Also kann es nur den Beginn darin finden, den Menschlichen (also auch eigenen Geist) vollends einzubeziehen und als Ausgangsort der/aller Bemühungen letztlich zu nehmen, wenn es einem Fortschreiten der Menschheit an sich selbst dienen sollte. Nicht um überhobene Figuren Menschlicher Schaffenskraft kann es von demher gehen, sondern sich sowohl als den Menschen, der man zweifelsohne irgendwo ist und ohnedem nicht hier sein könnte, kann es dann noch gehen. Also auch unter Einbeziehungen dieser (wenn auch vielleicht Widrigkeiten), im bestreben zur Menschenmöglichen Vollkommenheit, die dem empirischen Gebrauche zuträglich bleibt, kann es letztlich nur gehen.

Alles andere mag von irgend einem anderen Standpunkte erreichbar oder gar als vernünftig zählen, doch wird es nicht dem Menschlichen Gattungswesen und Geiste dessen, im Gebrauche seiner Schaffenskraft, auch nur den mindesten Zuspruch suchen können, wenn es für diesen gänzlich unerheblich und außerhalb der Möglichkeiten bleibt.

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Sich der Glückseligkeit als würdig erweisen - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi März 22 2017, 00:20

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - II Transzendentale Methodenlehre - 2.H.2.A.
Von dem Ideal des höchsten Guts, als einem Bestimmungsgrunde des letzten Zwecks der reinen Vernunft


Glückseligkeit ist die Befriedigung aller unserer Neigungen, (so wohl extensive, der Mannigfaltigkeit derselben, als intensive, dem Grade, und auch protensive, der Dauer nach). Das praktische Gesetz aus dem Bewegungsgrunde der Glückseligkeit nenne ich pragmatisch (Klugheitsregel); dasjenige aber, wofern ein solches ist, das zum Bewegungsgrunde nichts anderes hat, als die Würdigkeit, glücklich zu sein, moralisch (Sittengesetz). Das erstere rät, was zu tun sei, wenn wir der Glückseligkeit wollen teilhaftig, das zweite gebietet, wie wir uns verhalten sollen, um nur der Glückseligkeit würdig zu werden.

Das erstere gründet sich auf empirische Prinzipien; denn anders, als vermittelst der Erfahrung, kann ich weder wissen, welche Neigungen dasind, die befriedigt werden wollen, noch welches die Naturursachen sind, die ihre Befriedigung bewirken können. Das zweite abstrahiert von Neigungen, und Naturmitteln sie zu befriedigen, und betrachtet nur die Freiheit eines vernünftigen Wesens überhaupt, und die notwendigen Bedingungen, unter denen sie allein mit der Austeilung der Glückseligkeit nach Prinzipien zusammenstimmt, und kann also wenigstens auf bloßen Ideen der reinen Vernunft beruhen und a priori erkannt werden.

Ich nehme an, dass es wirklich reine moralische Gesetze gebe, die völlig a priori (ohne Rücksicht auf empirische Bewegungsgründe, d.i. Glückseligkeit,) das Tun und Lassen, d.i. den Gebrauch der Freiheit eines vernünftigen Wesens überhaupt, bestimmen, und dass diese Gesetze schlechterdings (nicht bloß hypothetisch unter Voraussetzung anderer empirischen Zwecke) gebieten, und also in aller Absicht notwendig seien.
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Das Streben nach Glück und Glückseligkeit ist jedem vernünftigen und intelligibelem Wesen eigen, ja sogar vorauszusetzen. Was leichter ins Hintertreffen gelangt, ist sich dafür auch als würdig erweisen zu wollen.

Letztlich bildet dieses jedoch, sich für die Glückseligkeit als würdig zu gestalten den Grund und Boden, dass es in einem aufgehen kann. Denn ohne sich erst dafür als würdig erweisen zu wollen (ohne einsichtsvolle Sittlichkeit), wird die erstrebte Glückseligkeit meist nur darin gipfeln, Befriedigung niederer Triebe und Neigungen lediglich steigern zu wollen. Jedoch geht es dann nicht auf Seiten der Wesenhaftigkeit auf, sondern der niederen Natur nach, die man jedoch nicht wirklich selbst ist. Somit werden mit dem Genusse darnach zugleich auch die Fesseln an die niedere Natur oder auch an den Materialismus angelegt.

Achtet man darauf sich zunächst als würdig für Glückseligkeit zu machen, dann geht es in der Wesenhaftigkeit und dieser nach auf, und auch dem eigenen Wesen, oder kann es das dann jedenfalls (auch wenn wohl auf die letztliche Glückseligkeit kein Anspruch gestellt werden kann).

Dann ist es Freiheit, denn es entsteht zugleich keine Fessel und keine Abhängigkeit an irgend welche äußeren Dinge, die erst glückverheißend zugleich in ihrer Vergänglichkeit aber auch ihr Leid und Unglück mit sich zuführten.

Zudem wird es, sofern es um die direkte Bestellungsversuche eigener Glückseligkeit bloß ginge, meist in selbstsüchtigen Verhaltenszügen münden. Allein dadurch wird es nach anderen Kreisen sich ausrichten, als denen, welche zunächst auf die Ausrichtung auf die Würdigkeit (Glückseligkeit zu besitzen) ginge, denn es kann dann auch anders in Kraft gehen...

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Das Wesen der Philosophie - KdrV

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi März 29 2017, 22:35

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant - II. Transzendentale Methodenlehre
3.H. Die Architektonik der reinen Vernunft


Das System aller philosophischen Erkenntnis ist nun Philosophie. Man muss sie objektiv nehmen, wenn man darunter das Urbild der Beurteilung aller Versuche zu philosophieren versteht, welche jede subjektive Philosophie zu beurteilen dienen soll, deren Gebäude oft so mannigfaltig und so veränderlich ist. Auf diese Weise ist Philosophie eine bloße Idee von einer möglichen Wissenschaft, die nirgend in concreto gegeben ist, welcher man sich aber auf mancherlei Wegen zu nähern sucht, so lange, bis der einzige, sehr durch Sinnlichkeit verwachsene Fußsteig entdeckt wird, und das bisher verfehlte Nachbild, so weit als es Menschen vergönnet ist, dem Urbilde gleich zu machen gelinget. Bis dahin kann man keine Philosophie lernen; denn, wo ist sie, wer hat sie im Besitze, und woran lässt sie sich erkennen? Man kann nur philosophieren lernen, d.i. das Talent der Vernunft in der Befolgung ihrer allgemeinen Prinzipien an gewissen vorhandenen Versuchen üben, doch immer mit Vorbehalt des Rechts der Vernunft, jene selbst in ihren Quellen zu untersuchen und zu bestätigen, oder zu verwerfen.
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Man kann nicht Esoterische Lehren nehmen, die für einen womöglich selbst nicht mehr denn bloß als Theorie sprechen, und eine breite Anerkennung und Akzeptanz erwarten. Ja selbst dann nicht, wenn man sich über deren Quelle und Gehalt hinreichen überzeugt und versichert hätte. Ebenso auch mit der Philosophie, wenn mehr Licht der Erkenntnis eintrifft und angetroffen wird, was das ein oder andere widerlegen mag, so sollte man also den Verzug der Vernunft überstellen, unabhängig dessen, wie gewohnt einem eine Lehre geworden ist oder vielversprechend. Geltungsanspruch ist zudem nicht der letzten Wahrheit Schluss.

Denn wenn ein Mensch darin nicht ist, oder keinen Bezug dazu hat, wäre es überspitzt gesehen eine Irrlehre für ihn, denn man könnte meist nicht mehr, als nur seinen Intellekt darin überzeugen oder ihn der Theorie überführen, wenn er jedoch sein wahres Wesen nicht mitzieht, ist er nur seines Wesen mehr beraubt, als dass es für ihn auf seinem individuellen Weg von Nutzen dadurch wäre. So als wenn er dann weniger auf eigenen Füßen dadurch stünde, als zuvor noch, selbst wenn es vom größeren Standpunkt aus eigentlich von weniger Wahrheitsgehalt (jedenfalls für vom eigenen Stand aus) sein mag, und man daher meinte einen Fortschritt in der Weise zu bezwecken.

Daher erreichte man noch mehr, wenn man in sich davon etwas zum Leben erweckt. Das in etwa ist auch das Wesen der Philosophie. Weit mehr jedenfalls, als das Philosophie Erkenntnis nach Teilen, d.h. bloße Kenntnis oder ein bestimmter Themenkreis ist, der zu einem Fachgebiet zusammengeführt werden könnte.

Philosophie daher ist mehr etwas Lebendiges. Es ist das, worin man in einer praktischen Umsetzung der Lehre und den Werten als ein Lebendiges Beispiel gleicht, oder jedenfalls gleich zu kommen ersucht, mit den Möglichkeiten des Gelingens, die einem gegeben sind. Und dann lässt es sich auf alle Themengebiete erstrecken, weil man selbst dem Wahrheitsgehalt nachgeht, der in einem liegt und zugleich Licht auf das Thema fallen lässt.

Und doch, nur weil etwas Lebendiges bezeugt würde, muss es alsdann noch nicht Philosophie heißen, sondern dann erst, wenn es der Liebe zur Weisheit dienlich sich gestaltet. Also, wenn alles die Idee eines Höchstmöglichen Wesens ist, und man dieser Idee bis zu ihrem Ursprung folgt (dem Umfange nach), dann erst ist es Philosophie dem Wesen nach.

Es spricht nichts gegen ein wenig spekulative Vernunft, das Vernünfteln, was man als Philosophieren zählen mag. Schwieriger ist der Steig zur Philosophie und dem Philosophen an sich, wenn man von diesem sprechen wollte. Und doch ist letzteres erkannt, ist Anerkennung angebracht, wollte man sich des eigenen lebendigen Anteils nicht leichtfertig entheben, zum jeweiligen hin, worum es ginge oder worin es erkannt wäre...

Lebendigkeit heißt nicht irgend eine Art von Bewegtheit, sondern wodurch Leben fließt oder was nach seiner Art die Sache soweit lebenswert macht, dass Leben dahinter stehen kann. Dazu könnte man also anführen, Philosophie ist der Erweis von Wirklichkeiten, weil es sie als höhere Idee gibt, durch ein lebendiges Beispiel seiner selbst begründet.

Devino Melchizedek

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