Ethik - in geometrischer Ordnung dargestellt - Spinoza

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Ethik - in geometrischer Ordnung dargestellt - Spinoza

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr Jun 01 2018, 00:34

Ethik
in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1. Teil - Von Gott - Lehrsatz 11.


Gott, anders formuliert eine Substanz, die aus unendlich vielen Attributen besteht, von denen jedes eine ewige und unendliche Essenz ausdrückt, existiert notwendigerweise.

Anderer Beweis:
Imstande sein nicht zu existieren, ist Ohnmacht, während imstande sein zu existieren, Macht ist (wie sich von selbst versteht). Wenn demnach das, was jetzt notwendigerweise existiert, nur endliche Entitäten sind, dann sind endliche Entitäten mächtiger als ein unbedingt unendliches Seiendes; und das ist (wie sich von selbst versteht) widersinnig; also existiert entweder nichts, oder ein unbedingt unendliches Seiendes existiert notwendigerweise auch.

Anmerkung: In diesem letzten Beweis habe ich Gottes Existenz a posteriori dartun wollen, um den Beweis fasslicher zu machen, nicht aber weil aus derselben Grundlage Gottes Existenz nicht a priori folgte. Denn, da imstande sein zu existieren, Macht ist, folgt, dass je mehr Realität der Natur eines Dinges zukommt, es umso mehr Kraft aus sich heraus hat zu existieren. Mithin muss ein unbedingt unendliches Seiendes, also Gott, aus sich heraus eine unbedingt unendliche Macht haben zu existieren, und deshalb existiert er in unbedingter Weise.
---
Wenn unendliches Seiendes und endliche Entität Teil eines Gemeinsamen sind, dann ist beides in der Weise mächtiger, als eines für sich. Und wenn es sich nicht irgendwo trifft, dann spielt das eine für das andere in der Weise keine Rolle. Da es jedoch Gegensätzlichkeiten sind, treffen sie sich an, alleine schon im Gegensatz.

Bereits Krishna hat in der Bhagavad Gita dargelegt, dass der Weg zum Verständnis des Unendlichen, für jegliches formgebundenes Leben sehr schwierig ist. Denn wie wollte man sich vom Unsichtbaren ein sichtbares Bild machen?

Manches, ja das Meiste, jedenfalls Vieles, lässt sich nur durch sich selbst erkennen. Die Lösung ist daher die, man muss sich selbst finden und im jeweiligen wiedererkennen. So erst kann man vom Unendlichen ein Bild durch sich selbst auch machen.

Die weitere Schwierigkeit liegt in dem Zusammenhang darin, sich zu diesem und jenem Unsichtbaren hin entwickeln zu wollen. Es geht tatsächlich nicht darum, im Geiste aufzusteigen, das mag sich zwar als Wirkung so dartuen, es geht um den Abstieg des Geistes, um das Reinholen des Geistes, das Sich-darin-wiederfinden (als Ursache für alles weitere).

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Erkenntnisbildung geometrisch vorgestellt - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jun 06 2018, 09:23

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott - Definitionen


3. Unter Substanz verstehe ich das, was in sich selbst ist und durch sich selbst begriffen wird, d.h. das, dessen Begriff nicht des Begriffs eines anderen Dinges bedarf, von dem her er gebildet werden müsste.
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Manchmal, ja oft, oder meistens sogar, ist es erforderlich, wenn man z.B. etwas erkannt hat, dieses auch sofort entsprechend zur Anwendung zu bringen. Will heißen, wenn man z.B. eine Erkenntnis hat, dann hat man eine bestimmte Ausrichtung, die diese Erkenntnis begünstigt hatte, und andernfalls zu dieser nicht gekommen wäre. D.h. also, man ist in einer Linie zur entsprechenden Erkenntnis und hat die gewissen Anteile so positioniert, dass diese die jeweilige Erkenntnis aufzurufen in der Lage sind etc.

Wenn man also nicht sofort damit weiter arbeitet, dann verändert sich die Konstellation nach und nach und es treten diese gewissen Anteile in den Hintergrund und etwas anderes tritt in den Vordergrund. Geht man also als dann erst hin, und fängt an damit zu arbeiten, dann befindet man sich in einer anderen Konstellation, so dass das, was etwas so und so bedeutete, nicht mehr die selbe Bedeutung trägt und diese in der Weise vertreten ist. Ggf. ist ein Zusammenhang manchmal rekonstruierbar, dennoch ist die Qualität dessen oft nicht mehr erreicht.

Vielleicht noch anders gesagt, man arbeitet nicht mit der Erkenntnis-Substanz die jeweils die Erkenntnis begründete (genauer gesagt wohl, bezeugte), sondern mit einer anderen, und tut jedoch so, als wäre es diese ursprünglich, in Erinnerung und Ansehung des ursprünglich Ergründeten. Nur ist es dann nicht mehr das Selbe und daher wäre vieles verzerrt, gerade wenn es zum Ausdruck gebracht würde. Es wird also auch das mit hineingebracht, was mit der jeweiligen Erkenntnis-Bildung nichts zu tun hat. Während wenn man von der ursprünglichen Substanz ausgehend sofort vieles deutlich aufzeigen könnte, weil die richtigen Zusammenhänge in Kraft und vertreten zugegen sind.

Also könnte man auch nicht die Dinge so aufzeigen, wie es möglich gewesen wäre, über die ursprüngliche Substanz, die zu einer gewissen Erkenntnis geführt hatte. Also ist es erforderlich darauf zu achten, wo man sich auch bewegt, und ob es nun sinnvoll ist, damit, dieses oder doch eher jenes zu tun oder auch zu lassen.

Denn nur weil man mal nichts Schlechtes gemacht hat, heißt es ja nicht, dass man damit etwas Gutes bereits getan hätte. Umgekehrt jedoch, wenn man nichts Gutes mit dem getan hat, was dazu da ist und geeignet wäre, hat man vielleicht schon etwas Schlechtes getan. Jedenfalls hätte man vielleicht viel Schlechtes vermeiden oder zum Guten wenden oder jedenfalls zur guten Anwendung bringen können, so hätte man so getan.

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Hart an der Grenze - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr Jun 08 2018, 10:07

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott - Definitionen


2. Dasjenige Ding heißt in seiner Gattung endlich, das von einem anderen derselben Natur begrenzt werden kann. Z.B. heißt ein Körper endlich, weil wir stets einen anderen begreifen, der größer ist. So wird ein Gedanke von einem anderen Gedanken begrenzt. Dagegen wird ein Körper nicht von einem Gedanken begrenzt, noch ein Gedanke von einem Körper.
---
Darin liegen die wesentlichen Unterschiede und auch oft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen und unter anderen. Viele nehmen eine Sache und sagen "das ist mein Ding", oder sagen es auch nicht, tuen aber so. Nicht jeder ist auf die selben Dinge ausgerichtet, auch wenn sich so viele gleich- und ähnlich Gesinnte zusammenfinden. Doch aufgrund der Vielschichtigkeit der Körperlichkeiten, wird manches überbetont und manches zu wenig beachtet.

Während man also einem Gedankengange unbedingt folgt, kann es passieren dass man willentlich irgendwo reinrennt. Auch das Willentliche basiert auf einer Art Körperlichkeit. Wer ist nun dann im Rechte? Einer der Willentlich in eine Körperlichkeit rennt und sagt aber, mir geht's doch um "meine" Gedankenform und ich habe ein Anrecht darauf dieses nach meinem belieben zu betreiben. Ja, dass stimmt, wenn es rein beim Gedanklichen allerdings bliebe! Jemand anderes hat ebenso sehr ein Anrecht darauf, ja noch ein größeres sodann, seine Körperlichkeit heil aufrecht zu erhalten. Oder auch seinen Willen, ohne dass dieser also gebrochen wird.

Es bedarf einiger Achtsamkeit und Feinfühligkeit. Denn kaum wird man überhaupt auf etwas von Substanz treffen, ohne eine Existenz dahinter. Dazu müsste man andernfalls etwas Erschaffen, was in keiner Weise bisher da war. Dann kann man sein Geschäft damit auch beliebig betreiben, doch wird man kaum, vor allem als eine Wesenheit in allerlei Verkörperung, an die Stelle kommen. Erst recht nicht, dass man selbsterschaffene Essenz und Substanz ausschließlich verwendet, ohne die Energie von Devas in Anspruch zu nehmen usw.

Was man jedoch zur Beförderung dessen machen kann, ist darauf zu achten, dass man immer wieder bei sich anfängt, und weniger irgendwo hin-, rein- oder rumzuspringen oder losrennt sobald etwas von außen hinzugekommen ist. Wenn man dann von sich ausgehend, sich zu diesem oder jenem hinarbeitet, dann besteht auch kaum Gefahr, dass man lediglich zum Schaden anderer (auch verschiedener Wesen, die sich jenseits des eigenen Bewusstseinskreises befinden) agiert, ohne dass man das auch nur ansatzweise wieder aufwiegt, durch das eigene Zutuen. Manchmal macht es Sinn die eigene Grenze abzustecken, aber nicht unbedingt einen Sinn, hart an der Grenze anderer stets zu operieren.

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Existenz - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jun 10 2018, 23:48

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1.T. - Von Gott - Definitionen


1. Unter Ursache seiner selbst verstehe ich das, dessen Essenz Existenz einschließt, anders formuliert das, dessen Natur nur als existierend begriffen werden kann.

4. Unter Attribut verstehe ich das, was der Verstand an einer Substanz als deren Essenz ausmachend erkennt.

8. Unter Ewigkeit verstehe ich die Existenz selbst, insofern sie als etwas begriffen wird, das aus der bloßen Definition eines ewigen Dinges notwendigerweise folgt.
---
Als Leben könnte man definieren, es wäre der unbedingte Wille zu existieren. D.h. noch nicht Leben in der Form, dieses ist wohl mehr mit dem Ausarbeiten von Attribut-Qualität verbunden, weniger mit dem Willen zur Existenz an sich. Das höchste Recht gilt daher der Existenz, vor vielem anderen.

Nach derzeitigem Verständnis kann man annehmen, dass die Christenheit im weitesten Sinne in der Ablehnung der Reinkarnation als Basis ihrer Lehre nicht ganz unrecht hat. Es ist sicher eine Frage dessen, worauf diese Bezug nimmt. Denn die Persönlichkeit die einmal ist, und sobald sie ins Geistige zurückbeordert wurde, wird nicht mehr inkarnieren. Sie wartet dann, nach gewisser Aufarbeitung, darauf, dass ein Seelenteil den Christus verwirklicht. Vielmehr wird also von der Seele eine neue Persönlichkeit gebildet, die beim nächsten Lauf mit aktuelleren Seelenanteilen ihre Reise antritt.

Das geht wohl so lange so, bis das Christus-Selbst ausgebildet wurde und alle Inkarnationen zu einer Gesamtheit verbindet. Vom Stand der Seele aus, gibt es natürlich so etwas wie Inkarnation. Denn die Seele hört nicht auf zu sein, ganz ihrer Natur nach, wie es auch in der Bhagavad Gita heißt. Weder in Inkarnation, was wohl mehr der Arbeit an Attributen entspricht, noch in dem Zustand ohne Verkörperung, was wohl mehr die Arbeit an Aspekten betrifft.

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Belegkraft - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Do Jun 14 2018, 00:20

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 14:
Außer Gott kann es keine Substanz geben und keine begriffen werden.

Beweis:
Da Gott ein unbedingt unendliches Seiendes ist, von dem kein Attribut, das eine Essenz von Substanz ausdrückt, verneint werden kann, und da er notwendigerweise existiert, müsste, wenn es irgendeine Substanz außer Gott gäbe, diese durch irgendein Attribut Gottes erklärt werden; und dann existierten zwei Substanzen desselben Attributes, was widersinnig ist; mithin kann es keine Substanz außer Gott geben und folglich auch keine begriffen werden. Denn könnte eine solche begriffen werden, müsste sie zwangsläufig als existierend begriffen werden; das ist (nach dem ersten Teil dieses Beweises) widersinnig. Also kann es außer Gott keine Substanz geben und keine begriffen werden.

Folgesatz 1:
Hieraus folgt ganz klar, 1. dass Gott einzig ist, d.h., dass es in der Natur nur eine Substanz gibt und diese unbedingt unendlich ist, wie wir in der Anmerkung zu Lehrsatz 10 schon angedeutet haben.

Folgesatz 2:
Es folgt 2., dass ein ausgedehntes Ding und ein denkendes Ding entweder Attribute Gottes sind oder Affektionen der Attribute Gottes.
---
Folgerichtig kann man sagen, dass Gott nicht widerlegt werden kann, weil es nichts gibt, was außer ihm ist. Andererseits ist der Beleg schwierig, denn man kann nicht mehr oder überhaupt etwas auftürmen, was nicht Gott ist, folglich hat er den Beleg selbst auf seiner Seite, und alles andere würde wieder im ersten Satz münden.

Geht man dahin zu sagen, es gibt einen Gott und es gibt eine Schöpfung, die durch die Macht Gottes entstanden ist, wieso hat man nicht den direkten Erweis des Einwirkens der Macht auf die Schöpfung, die sich umgehend beobachten oder erkennen ließe? Und womit man Gott umgehend erkennen und erfassen könnte?

Folglich bleibt also, unter der Annahme, es sei alles eine Substanz, die zugleich Gott ist, da es nichts außer ihm gibt, zu sagen, dass wir nur selbst für uns den Erweis durch Gott in uns erzeugen und erfahren können. Denn andernfalls führte es zum Versuch, Gott widerlegen zu wollen, so wollte man außerhalb seiner Selbst hiernach suchen.

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Selbstbewusstsein - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jun 17 2018, 02:26

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 19:
Gott [ist ewig], d.h. alle Attribute Gottes sind ewig.

Beweis:
Gott ist nämlich eine Substanz, die notwendigerweise existiert, d.h. zu deren Natur es gehört zu existieren, oder (was dasselbe ist) aus dessen Definition folgt, dass er existiert; mithin ist er ewig. Sodann ist unter Gottes Attributen das zu verstehen, was eine Essenz der göttlichen Substanz ausdrückt, d.h. was zu Substanz gehört; genau das, sage ich, müssen die Attribute selbst in sich schließen. Zur Natur von Substanz gehört aber Ewigkeit. Also muss jedes der Attribute Ewigkeit in sich schließen; mithin sind alle ewig.
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Um bei Tieren ein Selbstbewusstsein festzustellen, wird ihnen zum Test ein Spiegel vorgehalten. Wenn die Tiere darauf wie auf ein anderes wildes Tier reagieren und nur die Wilde Natur darin erkennen, dann wird angenommen, dass sie kein Selbst-Bewusstsein besitzen und sich selbst nicht erkennen können. So als würde ihnen der Funke fehlen, der ihnen anzeigt, was sie selbst sind oder nicht sind.

Nun, wenn Gott nur Ewigkeit und Unendlichkeit kennt, wie könnte er sich also in irgend einer Art von Begrenztheit erfahren und erkennen können? Wenn er alles ist, und alles ist in ihm, wie kann also begrenzte Menschen überhaupt in dem Sinne in dem Einen der alles ist und aus dem alles ist und der ewig ist, existieren? Wenn dem Menschen unschwer eine gewisse Endlichkeit und Begrenztheit sich zuordnen lässt, wie könnte er in dieser Weise also göttlich und in Gott sein?

Also könnte man annehmen, dass der Mensch nur eine Idee ist, und das was gedacht wird existiert ja nicht notwendig als Substanz (von Denkstoff als solchem abgesehen). Doch wie sollte er erkennbar sein, wo nichts wäre? Doch die Auflösung ist denkbar einfach, der Mensch erkennt sich nicht, nicht als göttlich, das muss für Gott aber nicht so sein, in Ansehung des Menschen. Also besteht die Endlichkeit des Menschen zunächst in der Erkenntnis seiner selbst und im Bewusstsein seiner selbst.

So erklärt sich auch, warum viele über sich selbst reden, oder sogar nur über sich reden, in Ansehung dessen, was und wie sie sich in allem erkennen. Einmal in Selbstbewusster Weise, einmal ohne ein Bewusstsein ihrer selbst. Doch bliebe dann die Frage, existiert ein Mensch auch, wenn er seine Göttlichkeit nicht erkennt? Oder ist es nur eine Art Idee, eine Art von Stoff, eine Art von Materie, die sonst nicht ist, soweit sie in Gott nicht enthalten wäre?

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Essenz und Inhärenz - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mo Jun 18 2018, 23:40

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 24:
Die Essenz der von Gott hervorgebrachten Dinge schließt nicht Existenz ein.

Beweis:
Dies ist evident aus Definition 1. Dasjenige, dessen Natur (für sich gesehen) Existenz einschließt, ist nämlich Ursache seiner selbst und existiert aus der bloßen Notwendigkeit seiner Natur.

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass Gott nicht nur die Ursache dafür ist, dass Dinge zu existieren anfangen, sondern auch dafür, dass sie im Existieren verharren, anders formuliert (um einen scholastischen Ausdruck zu gebrauchen), dass Gott die Ursache des Seins der Dinge ist. Denn ob die [hervorgebrachten] Dinge nun existieren oder nicht, ein Blick auf ihre Essenz zeigt uns, dass diese weder Existenz noch Dauer in sich schließt. Mithin kann ihre Essenz weder von ihrer Existenz noch von ihrer Dauer die Ursache sein, sondern nur Gott [kann die Ursache sein], zu dessen bloßer Natur es gehört zu existieren.
---
Oh großes Geheimnis: Das was als Essenz vorhanden ist, selbst wenn es in Gott ist, muss Gott selbst nicht darin sein. Denn so wäre er darin, wäre dieses jeweilige durch Gottes Inhärenz auf immer ewiglich.

Also kann man zur Essenz sagen, dass es etwas ist, weil es in Gott ist, aber nicht die Eigenschaften Gottes in sich trägt. So wie ein physischer Körper, in den die Seele zwar eingeht, der Körper aber nicht die Eigenschaften der Seele ist.

Zur Substanz könnte man sagen, es ist etwas, worin etwas ist, es müssen vielleicht nicht die Attribute Gottes sein, doch es ist nicht nur etwas, was nach außen hin da ist, sondern auch etwas, was nach innen hin etwas in sich birgt. Und was diesem also Substanz gibt.

Zur Existenz könnte man jedoch sagen, dass es etwas sein muss, worin auch Gott ist, deswegen existiert es an sich und überhaupt. Die Existenz in etwas vergänglichem ist nicht die Summe des Vergänglichen, sondern das Vergängliche ist eine Erfahrung für die Existenz. Die Existenz fängt also weder darin an, noch hört sie darin oder damit wieder auf.

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Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Do Jun 21 2018, 23:27

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 33:
Die Dinge haben auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von Gott hervorgebracht werden können, als sie hervorgebracht worden sind.

Anmerkung 2:
Aus dem Vorangegangenen folgt klar, dass die Dinge in höchster Vollkommenheit von Gott hervorgebracht worden sind, da sie ja aus einer gegebenen höchsten vollkommenen Natur notwendigerweise erfolgt sind. Damit wird Gott nicht irgendeine Unvollkommenheit angelastet, hat doch gerade seine Vollkommenheit uns gezwungen, dies zu behaupten. Aus dem Gegenteil folgte sogar klarerweise, dass Gott nicht höchtstvollkommen wäre. Denn wären die Dinge auf andere Weise hervorgebracht worden, müssten wir Gott eine andere Natur zuschreiben, verschieden von derjenigen, die ihm zuzuschreiben wir genötigt sind, wenn wir ihn als ein höchstvollkommenes Seienedes ansehen.

Indessen bin ich mir darüber im Klaren, dass viele diese Auffassung als widersinnig verwerfen und sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen nicht gewillt sind - allein deshalb, weil sie gewohnt sind, Gott eine andere Freiheit zuzuschreiben, sehr verschieden von derjenigen, die wir vorgetragen haben, nämlich einen unbedingten Willen. Aber ich bin doch sicher, dass sie, wenn sie die Sache recht bedenken und die Abfolge unserer Beweise gehörig erwägen wollten, eine solche Freiheit, die sie jetzt Gott zuschreiben, schließlich nicht bloß als töricht, sondern als ein großes Hindernis für die Wissenschaft gänzlich verwerfen würden.

Doch will ich ihnen zuliebe noch zeigen, dass, selbst wenn eingeräumt wird, zu Gottes Essenz gehöre ein Wille, aus seiner Vollkommenheit geleichwohl folgen würde, dass die Dinge auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von ihm hatten geschaffen werden können. Das wird sich leicht zeigen lassen, wenn wir zunächst das erwägen, was sie selbst einräumen, nämlich dass es von Gottes Beschluss und Wille allein abhängt, dass jedes Ding ist, was es ist; sonst wäre in der Tat Gott nicht die Ursache aller Dinge. Des weiteren [räumen sie ein], dass alle Beschlüsse Gottes von Ewigkeit her von Gott selbst unverbrüchlich festgesetzt sind; sonst bezichtigte man in der Tat Gott der Unvollkommenheit und Unbeständigkeit. Da es nun im Ewigen kein Wann, kein Vorher und kein Nachher gibt, folgt hieraus, nämlich aus Gottes Vollkommenheit allein, dass Gott niemals etwas anderes beschließen kann und auch nicht hat beschließen können, anders formuliert, dass Gott weder vor seinen Beschlüssen gewesen ist noch ohne sie sein kann.
---
Das erklärt etwas, warum der liebe Baruch de Spinoza Schwierigkeiten hatte, seine Gedankengänge noch zu Lebzeiten der breiten Masse vorzustellen. Denn es stellte doch einen gewissen Kontrast dar zu den gängigen religiösen Überzeugungen seiner Zeit. Denn es stellt einen "personifizierten" Gott vor den Konflikt (so wäre man von sich ausgehend genötigt Gott in der Weise anzusehen), dass er ja doch keinen freien Willen hätte oder womöglich nach belieben haben können könnte.

Was hier zum einen außer acht gelassen wird, ist die Liebe als solche. Denn aufgrund der Liebe, die ja Gottes freier Wille, ja selbst seine Eigenschaft ist, kann er nicht anders als er kann, denn es ist ja doch alles von ihm hervorgebracht und also auch sein freier Wille bereits gewesen, ohne welchen es also schon gar nichts gäben täte, und manches oder vieles, vielleicht das Meiste, aufgrund seiner Liebe besteht und nicht als erster Ursache aufgrund seines (dem anschließend folgenden) Schöpferwillens.

Doch liegt die Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes nicht nur darin, dass er sich unbedingt an sich selbst halten wird, sondern dass selbst wenn er alles umgestalten würde, und alles und alle, sagen wir zu einer anderen Aufhängung umgehangen würden, sie es doch nicht (direkt oder überhaupt) feststellen könnten. Denn aufgrund Gottes Eigenschaften wäre es dann so, als wäre es schon immer so gewesen und könnte jederzeit auch nicht anders sein. Denn wir könnten schließlich nicht eine Kontinuität hervorbringen die Gottes erste (und für uns also jederzeit die Erste) Ursache seiner selbst überstiege.

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Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Jun 23 2018, 23:35

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott


Lehrsatz 33:
Die Dinge haben auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von Gott hervorgebracht werden können, als sie hervorgebracht worden sind.

Anmerkung 2:
... Ich gebe übrigens zu, dass diese Auffassung, die alle Dinge irgendeinem indifferenten Willen Gottes unterwirft und alle Dinge von seinem Gutdünken abhängen lässt, von der Wahrheit weniger entfernt ist als die Meinung derer, die behaupten, Gott tue alles im Hinblick auf das Gute. Denn offensichtlich nehmen diese Leute an, dass es etwas außerhalb Gottes gibt, das nicht von Gott abhängt, auf das, wie auf ein Musterbild, Gott in seinem Wirken hinblickt oder auf das, wie auf ein bestimmtes Ziel, er sich richtet. Dies heißt in der Tat nichts anderes als Gott dem blinden Schicksal zu unterwerfen, und mehr Widersinn lässt sich von Gott wahrlich nicht behaupten, der, wie wir gezeigt haben, die erste und einzige freie Ursache sowohl der Essenz wie der Existenz aller Dinge ist...
---
In der Bhagavad Gita heißt es von Krishna, dass, sollte er aufhören ordnungsgemäß sich nach den geistigen Gesetzen zu betätigen, die ganze Welt aufhörte entsprechend darnach zu handeln, und er würde die Ursache für die Vernichtung der Welt dadurch legen. Doch nur mal angenommen, sollte es möglich sein, dass Gott irgend ein Fehler unterliefe, so wäre es doch so, dass es dadurch immer noch zum Gesetz der ganzen Schöpfung würde, und man dieses ggf. als Fehler schlichtweg nicht ausmachen könnte.

Nun denn aber die Frage, kann Gott überhaupt nach seinen Gesetzen handeln, wenn er doch selbst das Gesetz ist? Wie könnte er zugleich also gezwungen sein, darnach zu handeln? Im Grunde kann man sagen, er selbst ist das Gesetz, also kann er darnach nicht handeln. Doch bestünde da noch die Möglichkeit dass er sich als Avatar unter das Gesetz bringt. Als Avatar wäre es für ihn dann doch erforderlich sich nach eigenen Gesetzen zu richten.

Warum ist dies unumgänglich und was wäre, wenn er dann sich nicht an die Gesetze hielte? Dann gäbe es wohl zwei Möglichkeiten, entweder gemäß dem bereits Erwähnten, wäre ein neues Gesetz dadurch da oder in geänderter Weise, oder die andere Variante, der Avatar wäre dann dadurch schlichtweg kein Avatar mehr, wenn er sich nicht an sich selbst hielte, als eine Widerspiegelungen Gottes, in allen oder den bestimmten Belangen, für die er einzustehen gekommen wäre.

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Die erste Idee zum Lauf der Dinge - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jun 27 2018, 01:04

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 11:
Das erste, was das wirkliche Sein des menschlichen Geistes ausmacht, ist nichts anderes als die Idee eines wirklich existierenden Einzeldinges.

Beweis:
Es sind bestimmte Modi der Attribute Gottes, die die Essenz des Menschen ausmachen, nämliche Modi des Denkens, denen allen eine Idee ihrer Natur nach vorangeht; ist sie gegeben, müssen die übrigen Modi (denen sie ihrer Natur nach vorangeht) in demselben Individuum sein. Mithin ist eine Idee das erste, was das Sein des menschlichen Geistes ausmacht, aber nicht die Idee eines nichtexistierenden Dinges. Denn dann ließe sich von der Idee selbst nicht sagen, dass sie existiert. Also wird es die Idee eines wirklich existierenden Dinges sein; aber nicht die eines unendlichen Dinges. Ein unendliches Ding muss nämlich notwendigerweise immer existieren; es ist aber widersinnig, [dass diese Idee ein solches Objekt haben könnte]. Also ist das erste, was das wirkliche Sein des menschlichen Geistes ausmacht, die Die eines wirklich existierenden Einzeldinges.

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass der menschliche Geist ein Teil von Gottes unendlichem Verstand ist. Wenn wir daher sagen, der menschliche Geist nimmt dieses oder jenes wahr, so sagen wir nichts anderes, als dass Gott, nicht insofern er unendlich ist, sondern insofern er durch die Natur des menschlichen Geistes erklärt wird, d.h. insofern er die Essenz des menschlichen Geistes ausmacht, diese oder jene Idee hat. Und wenn wir sagen, Gott hat diese oder jene Idee, nicht insofern er nur die Natur des menschlichen Geistes ausmacht, sondern insofern er zusammen mit dem menschlichen Geist auch die Idee eines anderen Dinges hat, dann sagen wir, dass der menschliche Geist das Ding nur zum Teil, anders formuliert inadäquat, wahrnimmt.
---
Im Grunde traut man sich ja kaum über Gott zu spekulieren, und doch ist es nur vernünftig, zuerst sogar sich mit der Idee Gottes in der Tat zu befassen. Denn wenn man erst einmal sich mit allerlei Differenziertheit befasst und sich dann meint damit sich dem Göttlichen Geiste anzunähern, wird man feststellen, dass man sich damit eher entfernt als angenähert hat.

Tatsächlich ist die ursprüngliche und vom Geiste her die natürlichste Idee die mit Gottes Geist übereinstimmend gedacht wird, das, was uns überhaupt ermöglicht, etwas adäquates zu Denken, wie es dem Geiste Gottes selbst entspricht [sich im übertragenen Sinne selbst ins Leben denken]. Denn was ist die erste Idee, die Gott gehabt haben mag, wo nichts anderes vor ihm war? Was würden wir also in so einer Situation denken?

Es muss etwas mit dem eigenen Gewahrsein zu tuen haben. Da es weder etwas gab, was dem entgegenstand, noch etwas, an dem Orientierung möglich wäre, oder etwas, was diese Idee begrenzen könnte, außer wie sie sich selbst für angebracht den Zusammenhalt gab, wurde also jeder Gedanke unbedingte Realität. Jede Realität hatte Existenz (weil es in dieser Substanz nichts gibt, was nicht existiert oder dieses Existieren einschränkt). Jede Existenz eine Substanz die einen Teil des lebendigen Gedankens in sich trug und alles war Essenz, nichts war, was nicht Teil der Essenz war, und dieses bis heute auch noch ist, weil es anders nicht sein kann, weil es nicht nicht-sein-können-kann, also ist es...

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Für den Geist ist alles Geist - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 01 2018, 01:25

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2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 17:
Wenn der menschliche Körper in einer Weise affiziert ist, die die Natur eines äußeren Körpers in sich schließt, dann wird der menschliche Geist ebendiesen äußeren Körper als wirklich existierend oder als ihm gegenwärtig betrachten, bis der Körper mit einem Affekt [einer Affektion(?)] affiziert wird, der die Existenz oder Gegenwart dieses Körpers ausschließt.

Beweis: Dies ist evident. Denn solange der menschliche Körper so affiziert ist, wird der menschliche Geist diese Affektion des Körpers betrachten, d.h., er wird die Idee eines wirklich existierenden Modus haben, eine Idee also, die die Natur des äußeren Körpers in sich schließt, d.h. eine Idee, die die Existenz oder Gegenwart der Natur des äußeren Körpers nicht ausschließt, sondern setzt; mithin wird der Geist den äußeren Körper als wirklich existierend oder als gegenwärtig betrachten, bis [der Körper] affiziert wird usw.

Anmerkung:
... Und hier möchte ich, um die Frage nach dem, was Irrtum ist, anzuschneiden, darauf aufmerksam machen, dass die Vorstellungen des Geistes, in sich gesehen, keinen Irrtum enthalten, d.h. dass der Geist nicht deshalb schon, weil er vorstellt, irrt, sondern nur unter dem Aspekt, dass er einer Idee entbehrt, die die Existenz der Dinge, die er als gegenwärtig vorstellt, ausschließt. Denn wenn der Geist, während er nicht existierende Dinge als gegenwärtig vorstellt, zugleich wüsste, dass diese Dinge in Wirklichkeit nicht existieren, würde er gewiss eine solche Macht des Vorstellens einer Vorzüglichkeit und nicht einem Fehler seiner Natur zuschreiben, zumal dann, wenn die Fähigkeit so vorzustellen von seiner Natur allein abhinge, d.h. wenn des Geistes Fähigkeit vorzustellen frei wäre.
---
Es heißt für das Unterbewusstsein ist alles echt, und es kennt keinen Unterschied zwischen dem was zu irgend einer Art Spiel gehört, oder dem was tatsächlich weitreichendere Auswirkungen mit sich führt. Ähnlich ist es ja auch für den Geist, der sagen wir je nach der Affektion durch eine Idee, mit etwas befasst ist, oder nicht befasst ist.

So spielt es keine Rolle, ob wir etwas für uns selber als wichtiger oder weniger wichtig erachten. Entweder stehen dem Geist gewisse Modi (in dem Fall zählen wir mal auch Körper hinzu) zur Verfügung oder nicht. Umfasst der Geist also die Schöpfungsgedanken Gottes, so sind ihm keine Grenzen mehr gesetzt. Allerdings im äußersten Falle würde alles Vorgestellte dann womöglich zur unbedingten Realität und die Idee des Vorstellens selbst würde aufhören.

Also ist vieles eine Frage nicht nur des Gewahrseins, sondern auch der im Geist beinhalteten Ideen, die als Modi dienen, in ganz ähnliches Weise, wie auch Körper dem Geiste lediglich als Modi dienen. Denn mit beidem lässt sich etwas modifizieren und bewirken. Nur dass die erste Einwirkung oder Ursache, auf einer anderen Art von Stoff oder Substanz basiert.

Devino Melchizedek

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Gesinnungsethik - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jul 04 2018, 00:58

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 17:
Der menschliche Geist nimmt einen äußeren Körper als wirklich existierend lediglich durch die Ideen der Affektionen seines eigenen Körpers wahr.

Beweis:
Wenn der menschliche Körper von einem äußeren Körper in keiner Weise affiziert ist, dann ist auch die Idee des menschlichen Körpers, d.h. der menschliche Geist, in keiner Weise von der Idee der Existenz jenes Körpers affiziert; anders formuliert, er nimmt die Existenz jenes äußeren Körpers nicht wahr. Insofern der menschliche Körper aber von einem äußeren Körper in irgendeiner Weise affiziert wird, nimmt [der menschliche Geist] in diesem Maße den äußeren Körper wahr.

Folgesatz:
Insofern der menschliche Geist einen äußeren Körper vorstellt, hat er von ihm keine adäquate Erkenntnis.

Beweis:
Wenn der menschliche Geist äußere Körper durch Ideen der Affektionen seines eigenen Körpers betrachtet, dann sagen wir, dass er vorstellt; und der Geist kann auf keine andere Weise äußere Körper als wirklich existierend vorstellen. Mithin hat der Geist, insofern er äußere Körper vorstellt, von ihnen keine adäquate Erkenntnis.
---
Es heißt von der Venus, dass sie dort soweit die Vollkommenheit erreicht haben, wie es in einer Verkörperung möglich ist diese zu entwickeln, mit dem was gegeben ward, die Körperlichkeit zu verfeinern. Dass heißt, sie sind in der Hinsicht in einem Endstadium des Möglichen.

Auf der Erde sieht's dagegen anders aus, denn es sind eher noch die Anfangsstadien. Und wenn man also genau nimmt, dann ist es im bestenfalls eine Reproduktion einer Erfahrung die adäquat zu der ist, die einem begegnet, von der man affiziert, d.h. der Idee der Erfahrung, eine Reproduktion oder Erinnerung einer ähnlichen Erfahrung in sich abruft. Nicht selten sind es sogar nur Vorstellungen, wie eine Erfahrung aussehen mag, doch ist da kein wirklich körperliches Nachempfinden gegeben.

Bei einer vollständigen Entwicklung ist anzunehmen, dass die Empfindung vollständig gleich abgerufen werden kann. Oder die Erfahrung direkt geteilt wird und übernommen, ähnlich wie es in der Empfindungsnatur der Seele vorhanden ist, allerdings ohne die körperlichen Spezifikationen und Modi.

Also kann man daran sehen, dass es lediglich Bildnisse sind, mit denen man für gewöhnlich arbeitet und in der Körperlichkeit noch bei weitem nicht die Feinfühlig genug entwickelt wurde, um damit einen direkten Erfahrungsaustausch zu gewährleisten. Vergleichbar, wie man nicht weiß, was es heißt sich die Finger zu verbrennen, ohne mal auf die heiße Herdplatte gefasst zu haben oder vergleichbares an Erfahrung. Und diese Erfahrung ist es ja, die dann affiziert wird, soweit wie man im Austausch oder auch im Gespräch sich zu diesem oder jenem befindet.

Auf der anderen Seite hat dieses allerdings auch mit der Gesinnung zu tuen. Denn so lange die Störung und Benachteiligung in einem höheren Maß gegeben ist, als der Erfahrungsaustausch einen Wert hat, macht es kaum einen Sinn sich darin übermäßig zu vertiefen. Es ist also erforderlich dass die eigenen Hausaufgaben jeweils gemacht sind. Dass eine gewisse Reinheit und Klarheit vorhanden ist, denn sonst finden gegenseitige Verkettungen statt, die lediglich die Gesamtsituation verschiedener Verhältnisse verschlimmern würden, als dass ein Erfahrungsaustausch von größerem Wert darüber hinaus wäre.

Damit kommt Gesinnungsethik ins Spiel. Es sind gewisse Vorkehrung die man bei sich gemacht haben muss unabdingbar, um wirklich auf irgendwelche Gesamtverhältnisse losgelassen zu werden. Oder eben darum jenen Zugriff zu eröffnen und zu ermöglichen, welcher direkt mit mehr als einem selber zu tuen hat. Erst wenn es für selbstverständlich gilt, ja in dem Maße, dass schon von der Seele her es gar nicht erst ermöglicht wird, dass alles zum Nachteil verwendet werden kann, weil es eine solche Idee, etwas zum eigenen Vorteil zu drehen und zu nutzen, als Modi gar nicht mehr gibt, kann es tatsächliche Einheit und Verbundenheit geben.

Devino Melchizedek

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Eine andere Sachlage - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 08 2018, 01:29

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 30:
Von der Dauer unseres Körpers können wir nur eine ganz inadäquate Erkenntnis haben.

Beweis:
Die Dauer unseres Körpers hängt nicht von seiner Essenz ab, aber auch nicht von Gottes unbedingter Natur. Zum Existieren und Wirken wird er vielmehr von Ursachen bestimmt, von solchen nämlich, die ihrerseits von anderen auf bestimmte und geregelte Weise zum Existieren und Wirken bestimmt sind, und diese wiederum von anderen und so weiter ins Unendliche...
---
Auf eine bestimmte Weise kann der Mensch nicht umsonst existieren, denn er wäre nicht, wenn nicht etwas da wäre, was nur so sein kann wie es ist, dass der Mensch ist, weil er daraus werden musste. Andererseits kann, unabhängig dessen, indem er jenes nicht in sich zur Entfaltung bringt, er durchaus umsonst existieren. Schließlich ist entscheidend, was er in sich zum Erwachen bringt.

Die Schwierigkeit ist ja nicht einmal, dass alles einer anderen Ordnung folgen könnte, und die Verhältnisse in jeder Hinsicht sich bessern. Oft kann man den Menschen, der hinter all dem steht nicht verändern, die Sachlage lässt sich durchaus ändern. Nur wenn alles eine andere Ordnung besäße und dieser folgen würde, dann wären die Menschen nicht mehr da, es wären dann andere Menschen da, gemäß der Ordnung, wie sie von dieser hervorgebracht wären.

Nur wenn alles arrangiert wurde, für die Menschen (oder auch Lebewesen allgemein gesagt) welche da sind, was brächte es also, wenn eine andere Sachlage vorherrschen würde, die mit diesen letztlich nichts mehr zu tuen hätte?

Devino Melchizedek

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Partizipation - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Do Jul 12 2018, 00:42

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 1:
Unser Geist bringt einiges aktiv hervor, anderes erleidet er jedoch; insofern er nämlich adäquate Ideen hat, bringt er notwendigerweise einiges aktiv hervor, und insofern er inadäquate Ideen hat, erleidet er notwendigerweise anderes.

Beweis:
In jedem menschlichen Geist sind einige Ideen adäquat, andere verstümmelt und verworren. Ideen, die in jemandens Geist adäquat sind, sind nun in Gott adäquat, insofern er [nur] die Essenz ebendieses Geistes ausmacht; und die, die in dem Geist inadäquat sind, sind in Gott ebenfalls adäquat, nicht insofern er nur die Essenz dieses Geistes ausmacht, sondern insofern er zugleich auch den Geist anderer Dinge in sich enthält. Ferner muss aus jeder gegebenen Idee notwendigerweise irgendeine Wirkung erfolgen, von welcher Wirkung Gott die adäquate Ursache ist, nicht insofern er unendlich ist, sondern insofern er als von dieser gegebenen Idee affiziert angesehen wird...

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass der Geist umso mehr Formen des Erleidens unterworfen ist, je mehr inadäquate Ideen er hat, und umgekehrt umso mehr aktiv hervorbringt, je mehr adäquate Ideen er hat.
---
So bitter oder unangenehm es die Erfahrung also auch abbilden mag, wenn etwas nicht angetroffen wird, so notwendig ist es auch, dass eine Aufhebung oder ein Abbruch dessen erfolgt. Denn Gott kann nicht mit sich selbst in Widerspruch sein. Wird Er also nicht darin (worin auch immer) in der Weise adäquat angetroffen, so wird notwendigerweise jeweiliges aufgehoben und die entsprechende Erfahrung daraus gemacht, da Gottes Ideen nicht ohne Wirkung sein können, ebenso aber auch nicht der Geist, den Er uns gab, unabhängig von Seinem Sein.

Auch kann man Gott nicht auf die eigene Seite in irgend einer Weise oder wodurch auch immer bringen. Denn Gott kann nicht parteiisch sein, da Er sich nicht auf einer Seite begrenzen oder beschränken und doch unbegrenzt bestehen kann. Man kann sich nur selbst auf die Seite Gottes bringen, in dem man sich adäquat zu seinen Ideen verhält, jedoch kann Er sich selbst nicht auf etwas beschränken.

Alles was Gott hervorbringt, kann nicht ohne Wirkung sein. Denn wird etwas hervorgebracht, und es ist in Gott, dann kann es nicht ohne Wirkung auch auf etwas anderes sein, da auch dieses (oder vieles) in Gott ist. Etwas anderes ist es jedoch, Gottes Wirkung für sich selber beanspruchen zu wollen. Da Gott, wie aus Vorgenanntem, nicht Parteiisch sein kann, muss dieses jeweilige notwendigerweise sich entweder im Sinne des Ganzen verstehen, oder ebenfalls Abbruch erleiden, sofern es sich dadurch unabhängig vom Gesamten partizipiert.

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Veränderung mittels Einheit - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 15 2018, 12:43

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 4:
Kein Ding kann anders als von einer äußeren Ursache zerstört werden.

Beweis:
Dieser Lehrsatz ist durch sich selbst evident; die Definition eines jeden Dinges bejaht nämlich die Essenz des Dinges, verneint sie aber nicht, anders formuliert, sie setzt die Essenz des Dinges, hebt sie aber nicht auf. Solange wird demnach nur auf das Ding selbst und nicht auf äußere Ursachen achten, werden wir in ihm nichts finden können, das es zerstören könnte.
---
Hätte eine Einzelding sich selbst zugleich als Widerpart, so würde es gar nicht zum Bestehen kommen, außer dieser Widerpart wäre unterdrückt, was allerdings weitere Modi erforderte. Sofern es jedoch um eine Essenz einer Art handelt, könnte dieses wohl in der selben Essenz also nicht bestehen.

Die hauptsächliche Notwendigkeit für die Unvollkommenheit zur Einheit ist diejenige, damit es durch die Einheit zur Auflösung gebracht werden kann. Denn ohne äußeren Einfluss, kann eine Essenz nicht über die Modi verfügen, die eine Veränderung ermöglichen, welche im Widerspruch zur jeweiligen Essenz stünden.

Zugleich kann man Unvollkommenheit als das ansehen, was der Einheit zum Göttlichen entbehrt (weil Unvollkommenheit in diesem - dem Göttlichen - nicht denkbar bleibt); und somit mangels Übereinstimmung mit dem Göttlichen, die Göttliche Einheit als einzige Ursache die Aufhebung und Auflösung bewirkt.

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Veränderung mittels Einheit - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 15 2018, 13:01

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 7:
Das Streben, mit dem jedes Ding in seinem Sein zu verharren strebt, ist nichts anderes als die wirkliche Essenz ebendieses Dinges.

Beweis:
Aus der gegebenen Essenz eines jeden Dinges erfolgt notwendigerweise einiges, und Dinge können nichts anderes als das, was aus ihrer bestimmten Natur notwendigerweise folgt; die Macht jedes Dinges, anders formuliert das Streben, mit dem es, entweder allein oder zusammen mit anderen, handelt oder zu handeln strebt, d.h. die Macht oder das Streben, mit dem es in seinem Sein zu verharren strebt, ist daher nichts anderes als die gegebene oder wirkliche Essenz ebendieses Dinges.
---
Die Geburt oder Ursache von Einheit [im Sinne von Notwendigkeiten gedacht] wird vielleicht nicht unwesentlich durch Unvollkommenheit hervorgerufen. Denn sonst bliebe dieser [der Unvollkommenheit] keine Möglichkeit einer Veränderung. Daraus resultiert jedoch ein Erleiden der Einheit.

Für das Vollkommene ist Einheit meist nicht erforderlich; diese ist allerdings auch weder mit Erleiden verknüpft noch kann das Vollkommene ohne das Göttliche sowie das Göttliche ohne das Vollkommene auch nicht ist.

Alles partiell Bestehende, was nicht aus sich heraus sein könnte, besteht bereits nur aufgrund der Differenziertheit von Einheit. Der Zwischenraum ist also kaum mehr denn ein Modi, ähnlich dem wie die differenzierten Einheiten für sich untereinander als Modi fungieren können.

Devino Melchizedek

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Einprägsamkeit von Zeit auf Geist - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek Gestern um 23:44

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 9:
Der Geist strebt, sowohl insofern er klare und deutliche, auch insofern er verworrene Ideen hat, auf eine unbestimmte Dauer in seinem Sein zu verharren, und seines Strebens in dieser Form ist er sich bewusst.

Beweis:
Die Essenz des Geistes machen adäquate und inadäquate Ideen aus. Mithin strebt er sowohl insofern er diese, als auch insofern er jene Ideen hat, in seinem Sein zu verharren und zwar auf eine unbestimmte Dauer. Und weil der Geist durch die Ideen der Affektionen des Körpers notwendigerweise sich seiner selbst bewusst ist, ist er sich seines Strebens bewusst.
---
Faszinierenderweise kann man sagen, ist die Zeit lediglich im Ausmaß einer Wirkung auf einen Körper messbar, insofern diese diesen zu verändern vermag. Doch auf den Geist bezogen, ist die Dauer lediglich im verharren in einem bestimmten Zustand feststellbar, denn eine Wirkung auf einen Körper kann es im Geiste unter dem Aspekt der Zeit nicht geben.

Das hieße allerdings auch, wie weit kann also Zeit vom Geist her vernommen werden? Im eigentlichen Sinne, daher dass es keine wirkliche Veränderung bewirkt, kann der Geist die Zeit in der Weise schlichtweg nicht wahrnehmen, weil sie keine Bedeutung für ihn hat. Deswegen wird die Zeit, in ihrer Realität durchaus gerne bezweifelt, und dieses daher nicht ganz ohne Grund.

Auch bedeutet es in dem Zusammenhang, dass ob nun etwas verworren oder vollkommen wäre, dieses im Geiste also gewisse Zustände sind, die vom Geist also auch in dieser oder jener Weise vernommen und erfahren werden. Doch auch hierin ist die einzige Bedeutung für den Geist, die Erfahrung des Zustandes, jedoch nicht die einer Dauer, von irgend einer Einprägsamkeit. Die Dauer des Zustandes entspräche von daher lediglich der einer gewissen Intension, nicht also dass es von der Annäherung der Zeit her, eine Frage wäre...

Devino Melchizedek

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