Ethik - in geometrischer Ordnung dargestellt - Spinoza

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Ethik - in geometrischer Ordnung dargestellt - Spinoza

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr Jun 01 2018, 00:34

Ethik
in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1. Teil - Von Gott - Lehrsatz 11.


Gott, anders formuliert eine Substanz, die aus unendlich vielen Attributen besteht, von denen jedes eine ewige und unendliche Essenz ausdrückt, existiert notwendigerweise.

Anderer Beweis:
Imstande sein nicht zu existieren, ist Ohnmacht, während imstande sein zu existieren, Macht ist (wie sich von selbst versteht). Wenn demnach das, was jetzt notwendigerweise existiert, nur endliche Entitäten sind, dann sind endliche Entitäten mächtiger als ein unbedingt unendliches Seiendes; und das ist (wie sich von selbst versteht) widersinnig; also existiert entweder nichts, oder ein unbedingt unendliches Seiendes existiert notwendigerweise auch.

Anmerkung: In diesem letzten Beweis habe ich Gottes Existenz a posteriori dartun wollen, um den Beweis fasslicher zu machen, nicht aber weil aus derselben Grundlage Gottes Existenz nicht a priori folgte. Denn, da imstande sein zu existieren, Macht ist, folgt, dass je mehr Realität der Natur eines Dinges zukommt, es umso mehr Kraft aus sich heraus hat zu existieren. Mithin muss ein unbedingt unendliches Seiendes, also Gott, aus sich heraus eine unbedingt unendliche Macht haben zu existieren, und deshalb existiert er in unbedingter Weise.
---
Wenn unendliches Seiendes und endliche Entität Teil eines Gemeinsamen sind, dann ist beides in der Weise mächtiger, als eines für sich. Und wenn es sich nicht irgendwo trifft, dann spielt das eine für das andere in der Weise keine Rolle. Da es jedoch Gegensätzlichkeiten sind, treffen sie sich an, alleine schon im Gegensatz.

Bereits Krishna hat in der Bhagavad Gita dargelegt, dass der Weg zum Verständnis des Unendlichen, für jegliches formgebundenes Leben sehr schwierig ist. Denn wie wollte man sich vom Unsichtbaren ein sichtbares Bild machen?

Manches, ja das Meiste, jedenfalls Vieles, lässt sich nur durch sich selbst erkennen. Die Lösung ist daher die, man muss sich selbst finden und im jeweiligen wiedererkennen. So erst kann man vom Unendlichen ein Bild durch sich selbst auch machen.

Die weitere Schwierigkeit liegt in dem Zusammenhang darin, sich zu diesem und jenem Unsichtbaren hin entwickeln zu wollen. Es geht tatsächlich nicht darum, im Geiste aufzusteigen, das mag sich zwar als Wirkung so dartuen, es geht um den Abstieg des Geistes, um das Reinholen des Geistes, das Sich-darin-wiederfinden (als Ursache für alles weitere).

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Erkenntnisbildung geometrisch vorgestellt - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jun 06 2018, 09:23

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott - Definitionen


3. Unter Substanz verstehe ich das, was in sich selbst ist und durch sich selbst begriffen wird, d.h. das, dessen Begriff nicht des Begriffs eines anderen Dinges bedarf, von dem her er gebildet werden müsste.
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Manchmal, ja oft, oder meistens sogar, ist es erforderlich, wenn man z.B. etwas erkannt hat, dieses auch sofort entsprechend zur Anwendung zu bringen. Will heißen, wenn man z.B. eine Erkenntnis hat, dann hat man eine bestimmte Ausrichtung, die diese Erkenntnis begünstigt hatte, und andernfalls zu dieser nicht gekommen wäre. D.h. also, man ist in einer Linie zur entsprechenden Erkenntnis und hat die gewissen Anteile so positioniert, dass diese die jeweilige Erkenntnis aufzurufen in der Lage sind etc.

Wenn man also nicht sofort damit weiter arbeitet, dann verändert sich die Konstellation nach und nach und es treten diese gewissen Anteile in den Hintergrund und etwas anderes tritt in den Vordergrund. Geht man also als dann erst hin, und fängt an damit zu arbeiten, dann befindet man sich in einer anderen Konstellation, so dass das, was etwas so und so bedeutete, nicht mehr die selbe Bedeutung trägt und diese in der Weise vertreten ist. Ggf. ist ein Zusammenhang manchmal rekonstruierbar, dennoch ist die Qualität dessen oft nicht mehr erreicht.

Vielleicht noch anders gesagt, man arbeitet nicht mit der Erkenntnis-Substanz die jeweils die Erkenntnis begründete (genauer gesagt wohl, bezeugte), sondern mit einer anderen, und tut jedoch so, als wäre es diese ursprünglich, in Erinnerung und Ansehung des ursprünglich Ergründeten. Nur ist es dann nicht mehr das Selbe und daher wäre vieles verzerrt, gerade wenn es zum Ausdruck gebracht würde. Es wird also auch das mit hineingebracht, was mit der jeweiligen Erkenntnis-Bildung nichts zu tun hat. Während wenn man von der ursprünglichen Substanz ausgehend sofort vieles deutlich aufzeigen könnte, weil die richtigen Zusammenhänge in Kraft und vertreten zugegen sind.

Also könnte man auch nicht die Dinge so aufzeigen, wie es möglich gewesen wäre, über die ursprüngliche Substanz, die zu einer gewissen Erkenntnis geführt hatte. Also ist es erforderlich darauf zu achten, wo man sich auch bewegt, und ob es nun sinnvoll ist, damit, dieses oder doch eher jenes zu tun oder auch zu lassen.

Denn nur weil man mal nichts Schlechtes gemacht hat, heißt es ja nicht, dass man damit etwas Gutes bereits getan hätte. Umgekehrt jedoch, wenn man nichts Gutes mit dem getan hat, was dazu da ist und geeignet wäre, hat man vielleicht schon etwas Schlechtes getan. Jedenfalls hätte man vielleicht viel Schlechtes vermeiden oder zum Guten wenden oder jedenfalls zur guten Anwendung bringen können, so hätte man so getan.

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Hart an der Grenze - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr Jun 08 2018, 10:07

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott - Definitionen


2. Dasjenige Ding heißt in seiner Gattung endlich, das von einem anderen derselben Natur begrenzt werden kann. Z.B. heißt ein Körper endlich, weil wir stets einen anderen begreifen, der größer ist. So wird ein Gedanke von einem anderen Gedanken begrenzt. Dagegen wird ein Körper nicht von einem Gedanken begrenzt, noch ein Gedanke von einem Körper.
---
Darin liegen die wesentlichen Unterschiede und auch oft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen und unter anderen. Viele nehmen eine Sache und sagen "das ist mein Ding", oder sagen es auch nicht, tuen aber so. Nicht jeder ist auf die selben Dinge ausgerichtet, auch wenn sich so viele gleich- und ähnlich Gesinnte zusammenfinden. Doch aufgrund der Vielschichtigkeit der Körperlichkeiten, wird manches überbetont und manches zu wenig beachtet.

Während man also einem Gedankengange unbedingt folgt, kann es passieren dass man willentlich irgendwo reinrennt. Auch das Willentliche basiert auf einer Art Körperlichkeit. Wer ist nun dann im Rechte? Einer der Willentlich in eine Körperlichkeit rennt und sagt aber, mir geht's doch um "meine" Gedankenform und ich habe ein Anrecht darauf dieses nach meinem belieben zu betreiben. Ja, dass stimmt, wenn es rein beim Gedanklichen allerdings bliebe! Jemand anderes hat ebenso sehr ein Anrecht darauf, ja noch ein größeres sodann, seine Körperlichkeit heil aufrecht zu erhalten. Oder auch seinen Willen, ohne dass dieser also gebrochen wird.

Es bedarf einiger Achtsamkeit und Feinfühligkeit. Denn kaum wird man überhaupt auf etwas von Substanz treffen, ohne eine Existenz dahinter. Dazu müsste man andernfalls etwas Erschaffen, was in keiner Weise bisher da war. Dann kann man sein Geschäft damit auch beliebig betreiben, doch wird man kaum, vor allem als eine Wesenheit in allerlei Verkörperung, an die Stelle kommen. Erst recht nicht, dass man selbsterschaffene Essenz und Substanz ausschließlich verwendet, ohne die Energie von Devas in Anspruch zu nehmen usw.

Was man jedoch zur Beförderung dessen machen kann, ist darauf zu achten, dass man immer wieder bei sich anfängt, und weniger irgendwo hin-, rein- oder rumzuspringen oder losrennt sobald etwas von außen hinzugekommen ist. Wenn man dann von sich ausgehend, sich zu diesem oder jenem hinarbeitet, dann besteht auch kaum Gefahr, dass man lediglich zum Schaden anderer (auch verschiedener Wesen, die sich jenseits des eigenen Bewusstseinskreises befinden) agiert, ohne dass man das auch nur ansatzweise wieder aufwiegt, durch das eigene Zutuen. Manchmal macht es Sinn die eigene Grenze abzustecken, aber nicht unbedingt einen Sinn, hart an der Grenze anderer stets zu operieren.

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Existenz - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jun 10 2018, 23:48

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1.T. - Von Gott - Definitionen


1. Unter Ursache seiner selbst verstehe ich das, dessen Essenz Existenz einschließt, anders formuliert das, dessen Natur nur als existierend begriffen werden kann.

4. Unter Attribut verstehe ich das, was der Verstand an einer Substanz als deren Essenz ausmachend erkennt.

8. Unter Ewigkeit verstehe ich die Existenz selbst, insofern sie als etwas begriffen wird, das aus der bloßen Definition eines ewigen Dinges notwendigerweise folgt.
---
Als Leben könnte man definieren, es wäre der unbedingte Wille zu existieren. D.h. noch nicht Leben in der Form, dieses ist wohl mehr mit dem Ausarbeiten von Attribut-Qualität verbunden, weniger mit dem Willen zur Existenz an sich. Das höchste Recht gilt daher der Existenz, vor vielem anderen.

Nach derzeitigem Verständnis kann man annehmen, dass die Christenheit im weitesten Sinne in der Ablehnung der Reinkarnation als Basis ihrer Lehre nicht ganz unrecht hat. Es ist sicher eine Frage dessen, worauf diese Bezug nimmt. Denn die Persönlichkeit die einmal ist, und sobald sie ins Geistige zurückbeordert wurde, wird nicht mehr inkarnieren. Sie wartet dann, nach gewisser Aufarbeitung, darauf, dass ein Seelenteil den Christus verwirklicht. Vielmehr wird also von der Seele eine neue Persönlichkeit gebildet, die beim nächsten Lauf mit aktuelleren Seelenanteilen ihre Reise antritt.

Das geht wohl so lange so, bis das Christus-Selbst ausgebildet wurde und alle Inkarnationen zu einer Gesamtheit verbindet. Vom Stand der Seele aus, gibt es natürlich so etwas wie Inkarnation. Denn die Seele hört nicht auf zu sein, ganz ihrer Natur nach, wie es auch in der Bhagavad Gita heißt. Weder in Inkarnation, was wohl mehr der Arbeit an Attributen entspricht, noch in dem Zustand ohne Verkörperung, was wohl mehr die Arbeit an Aspekten betrifft.

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Belegkraft - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Do Jun 14 2018, 00:20

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 14:
Außer Gott kann es keine Substanz geben und keine begriffen werden.

Beweis:
Da Gott ein unbedingt unendliches Seiendes ist, von dem kein Attribut, das eine Essenz von Substanz ausdrückt, verneint werden kann, und da er notwendigerweise existiert, müsste, wenn es irgendeine Substanz außer Gott gäbe, diese durch irgendein Attribut Gottes erklärt werden; und dann existierten zwei Substanzen desselben Attributes, was widersinnig ist; mithin kann es keine Substanz außer Gott geben und folglich auch keine begriffen werden. Denn könnte eine solche begriffen werden, müsste sie zwangsläufig als existierend begriffen werden; das ist (nach dem ersten Teil dieses Beweises) widersinnig. Also kann es außer Gott keine Substanz geben und keine begriffen werden.

Folgesatz 1:
Hieraus folgt ganz klar, 1. dass Gott einzig ist, d.h., dass es in der Natur nur eine Substanz gibt und diese unbedingt unendlich ist, wie wir in der Anmerkung zu Lehrsatz 10 schon angedeutet haben.

Folgesatz 2:
Es folgt 2., dass ein ausgedehntes Ding und ein denkendes Ding entweder Attribute Gottes sind oder Affektionen der Attribute Gottes.
---
Folgerichtig kann man sagen, dass Gott nicht widerlegt werden kann, weil es nichts gibt, was außer ihm ist. Andererseits ist der Beleg schwierig, denn man kann nicht mehr oder überhaupt etwas auftürmen, was nicht Gott ist, folglich hat er den Beleg selbst auf seiner Seite, und alles andere würde wieder im ersten Satz münden.

Geht man dahin zu sagen, es gibt einen Gott und es gibt eine Schöpfung, die durch die Macht Gottes entstanden ist, wieso hat man nicht den direkten Erweis des Einwirkens der Macht auf die Schöpfung, die sich umgehend beobachten oder erkennen ließe? Und womit man Gott umgehend erkennen und erfassen könnte?

Folglich bleibt also, unter der Annahme, es sei alles eine Substanz, die zugleich Gott ist, da es nichts außer ihm gibt, zu sagen, dass wir nur selbst für uns den Erweis durch Gott in uns erzeugen und erfahren können. Denn andernfalls führte es zum Versuch, Gott widerlegen zu wollen, so wollte man außerhalb seiner Selbst hiernach suchen.

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Selbstbewusstsein - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jun 17 2018, 02:26

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 19:
Gott [ist ewig], d.h. alle Attribute Gottes sind ewig.

Beweis:
Gott ist nämlich eine Substanz, die notwendigerweise existiert, d.h. zu deren Natur es gehört zu existieren, oder (was dasselbe ist) aus dessen Definition folgt, dass er existiert; mithin ist er ewig. Sodann ist unter Gottes Attributen das zu verstehen, was eine Essenz der göttlichen Substanz ausdrückt, d.h. was zu Substanz gehört; genau das, sage ich, müssen die Attribute selbst in sich schließen. Zur Natur von Substanz gehört aber Ewigkeit. Also muss jedes der Attribute Ewigkeit in sich schließen; mithin sind alle ewig.
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Um bei Tieren ein Selbstbewusstsein festzustellen, wird ihnen zum Test ein Spiegel vorgehalten. Wenn die Tiere darauf wie auf ein anderes wildes Tier reagieren und nur die Wilde Natur darin erkennen, dann wird angenommen, dass sie kein Selbst-Bewusstsein besitzen und sich selbst nicht erkennen können. So als würde ihnen der Funke fehlen, der ihnen anzeigt, was sie selbst sind oder nicht sind.

Nun, wenn Gott nur Ewigkeit und Unendlichkeit kennt, wie könnte er sich also in irgend einer Art von Begrenztheit erfahren und erkennen können? Wenn er alles ist, und alles ist in ihm, wie kann also begrenzte Menschen überhaupt in dem Sinne in dem Einen der alles ist und aus dem alles ist und der ewig ist, existieren? Wenn dem Menschen unschwer eine gewisse Endlichkeit und Begrenztheit sich zuordnen lässt, wie könnte er in dieser Weise also göttlich und in Gott sein?

Also könnte man annehmen, dass der Mensch nur eine Idee ist, und das was gedacht wird existiert ja nicht notwendig als Substanz (von Denkstoff als solchem abgesehen). Doch wie sollte er erkennbar sein, wo nichts wäre? Doch die Auflösung ist denkbar einfach, der Mensch erkennt sich nicht, nicht als göttlich, das muss für Gott aber nicht so sein, in Ansehung des Menschen. Also besteht die Endlichkeit des Menschen zunächst in der Erkenntnis seiner selbst und im Bewusstsein seiner selbst.

So erklärt sich auch, warum viele über sich selbst reden, oder sogar nur über sich reden, in Ansehung dessen, was und wie sie sich in allem erkennen. Einmal in Selbstbewusster Weise, einmal ohne ein Bewusstsein ihrer selbst. Doch bliebe dann die Frage, existiert ein Mensch auch, wenn er seine Göttlichkeit nicht erkennt? Oder ist es nur eine Art Idee, eine Art von Stoff, eine Art von Materie, die sonst nicht ist, soweit sie in Gott nicht enthalten wäre?

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Essenz und Inhärenz - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mo Jun 18 2018, 23:40

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 24:
Die Essenz der von Gott hervorgebrachten Dinge schließt nicht Existenz ein.

Beweis:
Dies ist evident aus Definition 1. Dasjenige, dessen Natur (für sich gesehen) Existenz einschließt, ist nämlich Ursache seiner selbst und existiert aus der bloßen Notwendigkeit seiner Natur.

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass Gott nicht nur die Ursache dafür ist, dass Dinge zu existieren anfangen, sondern auch dafür, dass sie im Existieren verharren, anders formuliert (um einen scholastischen Ausdruck zu gebrauchen), dass Gott die Ursache des Seins der Dinge ist. Denn ob die [hervorgebrachten] Dinge nun existieren oder nicht, ein Blick auf ihre Essenz zeigt uns, dass diese weder Existenz noch Dauer in sich schließt. Mithin kann ihre Essenz weder von ihrer Existenz noch von ihrer Dauer die Ursache sein, sondern nur Gott [kann die Ursache sein], zu dessen bloßer Natur es gehört zu existieren.
---
Oh großes Geheimnis: Das was als Essenz vorhanden ist, selbst wenn es in Gott ist, muss Gott selbst nicht darin sein. Denn so wäre er darin, wäre dieses jeweilige durch Gottes Inhärenz auf immer ewiglich.

Also kann man zur Essenz sagen, dass es etwas ist, weil es in Gott ist, aber nicht die Eigenschaften Gottes in sich trägt. So wie ein physischer Körper, in den die Seele zwar eingeht, der Körper aber nicht die Eigenschaften der Seele ist.

Zur Substanz könnte man sagen, es ist etwas, worin etwas ist, es müssen vielleicht nicht die Attribute Gottes sein, doch es ist nicht nur etwas, was nach außen hin da ist, sondern auch etwas, was nach innen hin etwas in sich birgt. Und was diesem also Substanz gibt.

Zur Existenz könnte man jedoch sagen, dass es etwas sein muss, worin auch Gott ist, deswegen existiert es an sich und überhaupt. Die Existenz in etwas vergänglichem ist nicht die Summe des Vergänglichen, sondern das Vergängliche ist eine Erfahrung für die Existenz. Die Existenz fängt also weder darin an, noch hört sie darin oder damit wieder auf.

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Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Do Jun 21 2018, 23:27

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1.T. - Von Gott


Lehrsatz 33:
Die Dinge haben auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von Gott hervorgebracht werden können, als sie hervorgebracht worden sind.

Anmerkung 2:
Aus dem Vorangegangenen folgt klar, dass die Dinge in höchster Vollkommenheit von Gott hervorgebracht worden sind, da sie ja aus einer gegebenen höchsten vollkommenen Natur notwendigerweise erfolgt sind. Damit wird Gott nicht irgendeine Unvollkommenheit angelastet, hat doch gerade seine Vollkommenheit uns gezwungen, dies zu behaupten. Aus dem Gegenteil folgte sogar klarerweise, dass Gott nicht höchtstvollkommen wäre. Denn wären die Dinge auf andere Weise hervorgebracht worden, müssten wir Gott eine andere Natur zuschreiben, verschieden von derjenigen, die ihm zuzuschreiben wir genötigt sind, wenn wir ihn als ein höchstvollkommenes Seienedes ansehen.

Indessen bin ich mir darüber im Klaren, dass viele diese Auffassung als widersinnig verwerfen und sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen nicht gewillt sind - allein deshalb, weil sie gewohnt sind, Gott eine andere Freiheit zuzuschreiben, sehr verschieden von derjenigen, die wir vorgetragen haben, nämlich einen unbedingten Willen. Aber ich bin doch sicher, dass sie, wenn sie die Sache recht bedenken und die Abfolge unserer Beweise gehörig erwägen wollten, eine solche Freiheit, die sie jetzt Gott zuschreiben, schließlich nicht bloß als töricht, sondern als ein großes Hindernis für die Wissenschaft gänzlich verwerfen würden.

Doch will ich ihnen zuliebe noch zeigen, dass, selbst wenn eingeräumt wird, zu Gottes Essenz gehöre ein Wille, aus seiner Vollkommenheit geleichwohl folgen würde, dass die Dinge auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von ihm hatten geschaffen werden können. Das wird sich leicht zeigen lassen, wenn wir zunächst das erwägen, was sie selbst einräumen, nämlich dass es von Gottes Beschluss und Wille allein abhängt, dass jedes Ding ist, was es ist; sonst wäre in der Tat Gott nicht die Ursache aller Dinge. Des weiteren [räumen sie ein], dass alle Beschlüsse Gottes von Ewigkeit her von Gott selbst unverbrüchlich festgesetzt sind; sonst bezichtigte man in der Tat Gott der Unvollkommenheit und Unbeständigkeit. Da es nun im Ewigen kein Wann, kein Vorher und kein Nachher gibt, folgt hieraus, nämlich aus Gottes Vollkommenheit allein, dass Gott niemals etwas anderes beschließen kann und auch nicht hat beschließen können, anders formuliert, dass Gott weder vor seinen Beschlüssen gewesen ist noch ohne sie sein kann.
---
Das erklärt etwas, warum der liebe Baruch de Spinoza Schwierigkeiten hatte, seine Gedankengänge noch zu Lebzeiten der breiten Masse vorzustellen. Denn es stellte doch einen gewissen Kontrast dar zu den gängigen religiösen Überzeugungen seiner Zeit. Denn es stellt einen "personifizierten" Gott vor den Konflikt (so wäre man von sich ausgehend genötigt Gott in der Weise anzusehen), dass er ja doch keinen freien Willen hätte oder womöglich nach belieben haben können könnte.

Was hier zum einen außer acht gelassen wird, ist die Liebe als solche. Denn aufgrund der Liebe, die ja Gottes freier Wille, ja selbst seine Eigenschaft ist, kann er nicht anders als er kann, denn es ist ja doch alles von ihm hervorgebracht und also auch sein freier Wille bereits gewesen, ohne welchen es also schon gar nichts gäben täte, und manches oder vieles, vielleicht das Meiste, aufgrund seiner Liebe besteht und nicht als erster Ursache aufgrund seines (dem anschließend folgenden) Schöpferwillens.

Doch liegt die Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes nicht nur darin, dass er sich unbedingt an sich selbst halten wird, sondern dass selbst wenn er alles umgestalten würde, und alles und alle, sagen wir zu einer anderen Aufhängung umgehangen würden, sie es doch nicht (direkt oder überhaupt) feststellen könnten. Denn aufgrund Gottes Eigenschaften wäre es dann so, als wäre es schon immer so gewesen und könnte jederzeit auch nicht anders sein. Denn wir könnten schließlich nicht eine Kontinuität hervorbringen die Gottes erste (und für uns also jederzeit die Erste) Ursache seiner selbst überstiege.

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Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Jun 23 2018, 23:35

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott


Lehrsatz 33:
Die Dinge haben auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von Gott hervorgebracht werden können, als sie hervorgebracht worden sind.

Anmerkung 2:
... Ich gebe übrigens zu, dass diese Auffassung, die alle Dinge irgendeinem indifferenten Willen Gottes unterwirft und alle Dinge von seinem Gutdünken abhängen lässt, von der Wahrheit weniger entfernt ist als die Meinung derer, die behaupten, Gott tue alles im Hinblick auf das Gute. Denn offensichtlich nehmen diese Leute an, dass es etwas außerhalb Gottes gibt, das nicht von Gott abhängt, auf das, wie auf ein Musterbild, Gott in seinem Wirken hinblickt oder auf das, wie auf ein bestimmtes Ziel, er sich richtet. Dies heißt in der Tat nichts anderes als Gott dem blinden Schicksal zu unterwerfen, und mehr Widersinn lässt sich von Gott wahrlich nicht behaupten, der, wie wir gezeigt haben, die erste und einzige freie Ursache sowohl der Essenz wie der Existenz aller Dinge ist...
---
In der Bhagavad Gita heißt es von Krishna, dass, sollte er aufhören ordnungsgemäß sich nach den geistigen Gesetzen zu betätigen, die ganze Welt aufhörte entsprechend darnach zu handeln, und er würde die Ursache für die Vernichtung der Welt dadurch legen. Doch nur mal angenommen, sollte es möglich sein, dass Gott irgend ein Fehler unterliefe, so wäre es doch so, dass es dadurch immer noch zum Gesetz der ganzen Schöpfung würde, und man dieses ggf. als Fehler schlichtweg nicht ausmachen könnte.

Nun denn aber die Frage, kann Gott überhaupt nach seinen Gesetzen handeln, wenn er doch selbst das Gesetz ist? Wie könnte er zugleich also gezwungen sein, darnach zu handeln? Im Grunde kann man sagen, er selbst ist das Gesetz, also kann er darnach nicht handeln. Doch bestünde da noch die Möglichkeit dass er sich als Avatar unter das Gesetz bringt. Als Avatar wäre es für ihn dann doch erforderlich sich nach eigenen Gesetzen zu richten.

Warum ist dies unumgänglich und was wäre, wenn er dann sich nicht an die Gesetze hielte? Dann gäbe es wohl zwei Möglichkeiten, entweder gemäß dem bereits Erwähnten, wäre ein neues Gesetz dadurch da oder in geänderter Weise, oder die andere Variante, der Avatar wäre dann dadurch schlichtweg kein Avatar mehr, wenn er sich nicht an sich selbst hielte, als eine Widerspiegelungen Gottes, in allen oder den bestimmten Belangen, für die er einzustehen gekommen wäre.

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Die erste Idee zum Lauf der Dinge - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jun 27 2018, 01:04

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 11:
Das erste, was das wirkliche Sein des menschlichen Geistes ausmacht, ist nichts anderes als die Idee eines wirklich existierenden Einzeldinges.

Beweis:
Es sind bestimmte Modi der Attribute Gottes, die die Essenz des Menschen ausmachen, nämliche Modi des Denkens, denen allen eine Idee ihrer Natur nach vorangeht; ist sie gegeben, müssen die übrigen Modi (denen sie ihrer Natur nach vorangeht) in demselben Individuum sein. Mithin ist eine Idee das erste, was das Sein des menschlichen Geistes ausmacht, aber nicht die Idee eines nichtexistierenden Dinges. Denn dann ließe sich von der Idee selbst nicht sagen, dass sie existiert. Also wird es die Idee eines wirklich existierenden Dinges sein; aber nicht die eines unendlichen Dinges. Ein unendliches Ding muss nämlich notwendigerweise immer existieren; es ist aber widersinnig, [dass diese Idee ein solches Objekt haben könnte]. Also ist das erste, was das wirkliche Sein des menschlichen Geistes ausmacht, die Die eines wirklich existierenden Einzeldinges.

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass der menschliche Geist ein Teil von Gottes unendlichem Verstand ist. Wenn wir daher sagen, der menschliche Geist nimmt dieses oder jenes wahr, so sagen wir nichts anderes, als dass Gott, nicht insofern er unendlich ist, sondern insofern er durch die Natur des menschlichen Geistes erklärt wird, d.h. insofern er die Essenz des menschlichen Geistes ausmacht, diese oder jene Idee hat. Und wenn wir sagen, Gott hat diese oder jene Idee, nicht insofern er nur die Natur des menschlichen Geistes ausmacht, sondern insofern er zusammen mit dem menschlichen Geist auch die Idee eines anderen Dinges hat, dann sagen wir, dass der menschliche Geist das Ding nur zum Teil, anders formuliert inadäquat, wahrnimmt.
---
Im Grunde traut man sich ja kaum über Gott zu spekulieren, und doch ist es nur vernünftig, zuerst sogar sich mit der Idee Gottes in der Tat zu befassen. Denn wenn man erst einmal sich mit allerlei Differenziertheit befasst und sich dann meint damit sich dem Göttlichen Geiste anzunähern, wird man feststellen, dass man sich damit eher entfernt als angenähert hat.

Tatsächlich ist die ursprüngliche und vom Geiste her die natürlichste Idee die mit Gottes Geist übereinstimmend gedacht wird, das, was uns überhaupt ermöglicht, etwas adäquates zu Denken, wie es dem Geiste Gottes selbst entspricht [sich im übertragenen Sinne selbst ins Leben denken]. Denn was ist die erste Idee, die Gott gehabt haben mag, wo nichts anderes vor ihm war? Was würden wir also in so einer Situation denken?

Es muss etwas mit dem eigenen Gewahrsein zu tuen haben. Da es weder etwas gab, was dem entgegenstand, noch etwas, an dem Orientierung möglich wäre, oder etwas, was diese Idee begrenzen könnte, außer wie sie sich selbst für angebracht den Zusammenhalt gab, wurde also jeder Gedanke unbedingte Realität. Jede Realität hatte Existenz (weil es in dieser Substanz nichts gibt, was nicht existiert oder dieses Existieren einschränkt). Jede Existenz eine Substanz die einen Teil des lebendigen Gedankens in sich trug und alles war Essenz, nichts war, was nicht Teil der Essenz war, und dieses bis heute auch noch ist, weil es anders nicht sein kann, weil es nicht nicht-sein-können-kann, also ist es...

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Für den Geist ist alles Geist - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 01 2018, 01:25

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2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 17:
Wenn der menschliche Körper in einer Weise affiziert ist, die die Natur eines äußeren Körpers in sich schließt, dann wird der menschliche Geist ebendiesen äußeren Körper als wirklich existierend oder als ihm gegenwärtig betrachten, bis der Körper mit einem Affekt [einer Affektion(?)] affiziert wird, der die Existenz oder Gegenwart dieses Körpers ausschließt.

Beweis: Dies ist evident. Denn solange der menschliche Körper so affiziert ist, wird der menschliche Geist diese Affektion des Körpers betrachten, d.h., er wird die Idee eines wirklich existierenden Modus haben, eine Idee also, die die Natur des äußeren Körpers in sich schließt, d.h. eine Idee, die die Existenz oder Gegenwart der Natur des äußeren Körpers nicht ausschließt, sondern setzt; mithin wird der Geist den äußeren Körper als wirklich existierend oder als gegenwärtig betrachten, bis [der Körper] affiziert wird usw.

Anmerkung:
... Und hier möchte ich, um die Frage nach dem, was Irrtum ist, anzuschneiden, darauf aufmerksam machen, dass die Vorstellungen des Geistes, in sich gesehen, keinen Irrtum enthalten, d.h. dass der Geist nicht deshalb schon, weil er vorstellt, irrt, sondern nur unter dem Aspekt, dass er einer Idee entbehrt, die die Existenz der Dinge, die er als gegenwärtig vorstellt, ausschließt. Denn wenn der Geist, während er nicht existierende Dinge als gegenwärtig vorstellt, zugleich wüsste, dass diese Dinge in Wirklichkeit nicht existieren, würde er gewiss eine solche Macht des Vorstellens einer Vorzüglichkeit und nicht einem Fehler seiner Natur zuschreiben, zumal dann, wenn die Fähigkeit so vorzustellen von seiner Natur allein abhinge, d.h. wenn des Geistes Fähigkeit vorzustellen frei wäre.
---
Es heißt für das Unterbewusstsein ist alles echt, und es kennt keinen Unterschied zwischen dem was zu irgend einer Art Spiel gehört, oder dem was tatsächlich weitreichendere Auswirkungen mit sich führt. Ähnlich ist es ja auch für den Geist, der sagen wir je nach der Affektion durch eine Idee, mit etwas befasst ist, oder nicht befasst ist.

So spielt es keine Rolle, ob wir etwas für uns selber als wichtiger oder weniger wichtig erachten. Entweder stehen dem Geist gewisse Modi (in dem Fall zählen wir mal auch Körper hinzu) zur Verfügung oder nicht. Umfasst der Geist also die Schöpfungsgedanken Gottes, so sind ihm keine Grenzen mehr gesetzt. Allerdings im äußersten Falle würde alles Vorgestellte dann womöglich zur unbedingten Realität und die Idee des Vorstellens selbst würde aufhören.

Also ist vieles eine Frage nicht nur des Gewahrseins, sondern auch der im Geist beinhalteten Ideen, die als Modi dienen, in ganz ähnliches Weise, wie auch Körper dem Geiste lediglich als Modi dienen. Denn mit beidem lässt sich etwas modifizieren und bewirken. Nur dass die erste Einwirkung oder Ursache, auf einer anderen Art von Stoff oder Substanz basiert.

Devino Melchizedek

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Gesinnungsethik - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jul 04 2018, 00:58

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 17:
Der menschliche Geist nimmt einen äußeren Körper als wirklich existierend lediglich durch die Ideen der Affektionen seines eigenen Körpers wahr.

Beweis:
Wenn der menschliche Körper von einem äußeren Körper in keiner Weise affiziert ist, dann ist auch die Idee des menschlichen Körpers, d.h. der menschliche Geist, in keiner Weise von der Idee der Existenz jenes Körpers affiziert; anders formuliert, er nimmt die Existenz jenes äußeren Körpers nicht wahr. Insofern der menschliche Körper aber von einem äußeren Körper in irgendeiner Weise affiziert wird, nimmt [der menschliche Geist] in diesem Maße den äußeren Körper wahr.

Folgesatz:
Insofern der menschliche Geist einen äußeren Körper vorstellt, hat er von ihm keine adäquate Erkenntnis.

Beweis:
Wenn der menschliche Geist äußere Körper durch Ideen der Affektionen seines eigenen Körpers betrachtet, dann sagen wir, dass er vorstellt; und der Geist kann auf keine andere Weise äußere Körper als wirklich existierend vorstellen. Mithin hat der Geist, insofern er äußere Körper vorstellt, von ihnen keine adäquate Erkenntnis.
---
Es heißt von der Venus, dass sie dort soweit die Vollkommenheit erreicht haben, wie es in einer Verkörperung möglich ist diese zu entwickeln, mit dem was gegeben ward, die Körperlichkeit zu verfeinern. Dass heißt, sie sind in der Hinsicht in einem Endstadium des Möglichen.

Auf der Erde sieht's dagegen anders aus, denn es sind eher noch die Anfangsstadien. Und wenn man also genau nimmt, dann ist es im bestenfalls eine Reproduktion einer Erfahrung die adäquat zu der ist, die einem begegnet, von der man affiziert, d.h. der Idee der Erfahrung, eine Reproduktion oder Erinnerung einer ähnlichen Erfahrung in sich abruft. Nicht selten sind es sogar nur Vorstellungen, wie eine Erfahrung aussehen mag, doch ist da kein wirklich körperliches Nachempfinden gegeben.

Bei einer vollständigen Entwicklung ist anzunehmen, dass die Empfindung vollständig gleich abgerufen werden kann. Oder die Erfahrung direkt geteilt wird und übernommen, ähnlich wie es in der Empfindungsnatur der Seele vorhanden ist, allerdings ohne die körperlichen Spezifikationen und Modi.

Also kann man daran sehen, dass es lediglich Bildnisse sind, mit denen man für gewöhnlich arbeitet und in der Körperlichkeit noch bei weitem nicht die Feinfühlig genug entwickelt wurde, um damit einen direkten Erfahrungsaustausch zu gewährleisten. Vergleichbar, wie man nicht weiß, was es heißt sich die Finger zu verbrennen, ohne mal auf die heiße Herdplatte gefasst zu haben oder vergleichbares an Erfahrung. Und diese Erfahrung ist es ja, die dann affiziert wird, soweit wie man im Austausch oder auch im Gespräch sich zu diesem oder jenem befindet.

Auf der anderen Seite hat dieses allerdings auch mit der Gesinnung zu tuen. Denn so lange die Störung und Benachteiligung in einem höheren Maß gegeben ist, als der Erfahrungsaustausch einen Wert hat, macht es kaum einen Sinn sich darin übermäßig zu vertiefen. Es ist also erforderlich dass die eigenen Hausaufgaben jeweils gemacht sind. Dass eine gewisse Reinheit und Klarheit vorhanden ist, denn sonst finden gegenseitige Verkettungen statt, die lediglich die Gesamtsituation verschiedener Verhältnisse verschlimmern würden, als dass ein Erfahrungsaustausch von größerem Wert darüber hinaus wäre.

Damit kommt Gesinnungsethik ins Spiel. Es sind gewisse Vorkehrung die man bei sich gemacht haben muss unabdingbar, um wirklich auf irgendwelche Gesamtverhältnisse losgelassen zu werden. Oder eben darum jenen Zugriff zu eröffnen und zu ermöglichen, welcher direkt mit mehr als einem selber zu tuen hat. Erst wenn es für selbstverständlich gilt, ja in dem Maße, dass schon von der Seele her es gar nicht erst ermöglicht wird, dass alles zum Nachteil verwendet werden kann, weil es eine solche Idee, etwas zum eigenen Vorteil zu drehen und zu nutzen, als Modi gar nicht mehr gibt, kann es tatsächliche Einheit und Verbundenheit geben.

Devino Melchizedek

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Eine andere Sachlage - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 08 2018, 01:29

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes


Lehrsatz 30:
Von der Dauer unseres Körpers können wir nur eine ganz inadäquate Erkenntnis haben.

Beweis:
Die Dauer unseres Körpers hängt nicht von seiner Essenz ab, aber auch nicht von Gottes unbedingter Natur. Zum Existieren und Wirken wird er vielmehr von Ursachen bestimmt, von solchen nämlich, die ihrerseits von anderen auf bestimmte und geregelte Weise zum Existieren und Wirken bestimmt sind, und diese wiederum von anderen und so weiter ins Unendliche...
---
Auf eine bestimmte Weise kann der Mensch nicht umsonst existieren, denn er wäre nicht, wenn nicht etwas da wäre, was nur so sein kann wie es ist, dass der Mensch ist, weil er daraus werden musste. Andererseits kann, unabhängig dessen, indem er jenes nicht in sich zur Entfaltung bringt, er durchaus umsonst existieren. Schließlich ist entscheidend, was er in sich zum Erwachen bringt.

Die Schwierigkeit ist ja nicht einmal, dass alles einer anderen Ordnung folgen könnte, und die Verhältnisse in jeder Hinsicht sich bessern. Oft kann man den Menschen, der hinter all dem steht nicht verändern, die Sachlage lässt sich durchaus ändern. Nur wenn alles eine andere Ordnung besäße und dieser folgen würde, dann wären die Menschen nicht mehr da, es wären dann andere Menschen da, gemäß der Ordnung, wie sie von dieser hervorgebracht wären.

Nur wenn alles arrangiert wurde, für die Menschen (oder auch Lebewesen allgemein gesagt) welche da sind, was brächte es also, wenn eine andere Sachlage vorherrschen würde, die mit diesen letztlich nichts mehr zu tuen hätte?

Devino Melchizedek

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Partizipation - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Do Jul 12 2018, 00:42

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 1:
Unser Geist bringt einiges aktiv hervor, anderes erleidet er jedoch; insofern er nämlich adäquate Ideen hat, bringt er notwendigerweise einiges aktiv hervor, und insofern er inadäquate Ideen hat, erleidet er notwendigerweise anderes.

Beweis:
In jedem menschlichen Geist sind einige Ideen adäquat, andere verstümmelt und verworren. Ideen, die in jemandens Geist adäquat sind, sind nun in Gott adäquat, insofern er [nur] die Essenz ebendieses Geistes ausmacht; und die, die in dem Geist inadäquat sind, sind in Gott ebenfalls adäquat, nicht insofern er nur die Essenz dieses Geistes ausmacht, sondern insofern er zugleich auch den Geist anderer Dinge in sich enthält. Ferner muss aus jeder gegebenen Idee notwendigerweise irgendeine Wirkung erfolgen, von welcher Wirkung Gott die adäquate Ursache ist, nicht insofern er unendlich ist, sondern insofern er als von dieser gegebenen Idee affiziert angesehen wird...

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass der Geist umso mehr Formen des Erleidens unterworfen ist, je mehr inadäquate Ideen er hat, und umgekehrt umso mehr aktiv hervorbringt, je mehr adäquate Ideen er hat.
---
So bitter oder unangenehm es die Erfahrung also auch abbilden mag, wenn etwas nicht angetroffen wird, so notwendig ist es auch, dass eine Aufhebung oder ein Abbruch dessen erfolgt. Denn Gott kann nicht mit sich selbst in Widerspruch sein. Wird Er also nicht darin (worin auch immer) in der Weise adäquat angetroffen, so wird notwendigerweise jeweiliges aufgehoben und die entsprechende Erfahrung daraus gemacht, da Gottes Ideen nicht ohne Wirkung sein können, ebenso aber auch nicht der Geist, den Er uns gab, unabhängig von Seinem Sein.

Auch kann man Gott nicht auf die eigene Seite in irgend einer Weise oder wodurch auch immer bringen. Denn Gott kann nicht parteiisch sein, da Er sich nicht auf einer Seite begrenzen oder beschränken und doch unbegrenzt bestehen kann. Man kann sich nur selbst auf die Seite Gottes bringen, in dem man sich adäquat zu seinen Ideen verhält, jedoch kann Er sich selbst nicht auf etwas beschränken.

Alles was Gott hervorbringt, kann nicht ohne Wirkung sein. Denn wird etwas hervorgebracht, und es ist in Gott, dann kann es nicht ohne Wirkung auch auf etwas anderes sein, da auch dieses (oder vieles) in Gott ist. Etwas anderes ist es jedoch, Gottes Wirkung für sich selber beanspruchen zu wollen. Da Gott, wie aus Vorgenanntem, nicht Parteiisch sein kann, muss dieses jeweilige notwendigerweise sich entweder im Sinne des Ganzen verstehen, oder ebenfalls Abbruch erleiden, sofern es sich dadurch unabhängig vom Gesamten partizipiert.

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Veränderung mittels Einheit - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 15 2018, 12:43

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 4:
Kein Ding kann anders als von einer äußeren Ursache zerstört werden.

Beweis:
Dieser Lehrsatz ist durch sich selbst evident; die Definition eines jeden Dinges bejaht nämlich die Essenz des Dinges, verneint sie aber nicht, anders formuliert, sie setzt die Essenz des Dinges, hebt sie aber nicht auf. Solange wird demnach nur auf das Ding selbst und nicht auf äußere Ursachen achten, werden wir in ihm nichts finden können, das es zerstören könnte.
---
Hätte eine Einzelding sich selbst zugleich als Widerpart, so würde es gar nicht zum Bestehen kommen, außer dieser Widerpart wäre unterdrückt, was allerdings weitere Modi erforderte. Sofern es jedoch um eine Essenz einer Art handelt, könnte dieses wohl in der selben Essenz also nicht bestehen.

Die hauptsächliche Notwendigkeit für die Unvollkommenheit zur Einheit ist diejenige, damit es durch die Einheit zur Auflösung gebracht werden kann. Denn ohne äußeren Einfluss, kann eine Essenz nicht über die Modi verfügen, die eine Veränderung ermöglichen, welche im Widerspruch zur jeweiligen Essenz stünden.

Zugleich kann man Unvollkommenheit als das ansehen, was der Einheit zum Göttlichen entbehrt (weil Unvollkommenheit in diesem - dem Göttlichen - nicht denkbar bleibt); und somit mangels Übereinstimmung mit dem Göttlichen, die Göttliche Einheit als einzige Ursache die Aufhebung und Auflösung bewirkt.

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Veränderung mittels Einheit - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 15 2018, 13:01

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 7:
Das Streben, mit dem jedes Ding in seinem Sein zu verharren strebt, ist nichts anderes als die wirkliche Essenz ebendieses Dinges.

Beweis:
Aus der gegebenen Essenz eines jeden Dinges erfolgt notwendigerweise einiges, und Dinge können nichts anderes als das, was aus ihrer bestimmten Natur notwendigerweise folgt; die Macht jedes Dinges, anders formuliert das Streben, mit dem es, entweder allein oder zusammen mit anderen, handelt oder zu handeln strebt, d.h. die Macht oder das Streben, mit dem es in seinem Sein zu verharren strebt, ist daher nichts anderes als die gegebene oder wirkliche Essenz ebendieses Dinges.
---
Die Geburt oder Ursache von Einheit [im Sinne von Notwendigkeiten gedacht] wird vielleicht nicht unwesentlich durch Unvollkommenheit hervorgerufen. Denn sonst bliebe dieser [der Unvollkommenheit] keine Möglichkeit einer Veränderung. Daraus resultiert jedoch ein Erleiden der Einheit.

Für das Vollkommene ist Einheit meist nicht erforderlich; diese ist allerdings auch weder mit Erleiden verknüpft noch kann das Vollkommene ohne das Göttliche sowie das Göttliche ohne das Vollkommene auch nicht ist.

Alles partiell Bestehende, was nicht aus sich heraus sein könnte, besteht bereits nur aufgrund der Differenziertheit von Einheit. Der Zwischenraum ist also kaum mehr denn ein Modi, ähnlich dem wie die differenzierten Einheiten für sich untereinander als Modi fungieren können.

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Einprägsamkeit von Zeit auf Geist - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Jul 18 2018, 23:44

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 9:
Der Geist strebt, sowohl insofern er klare und deutliche, auch insofern er verworrene Ideen hat, auf eine unbestimmte Dauer in seinem Sein zu verharren, und seines Strebens in dieser Form ist er sich bewusst.

Beweis:
Die Essenz des Geistes machen adäquate und inadäquate Ideen aus. Mithin strebt er sowohl insofern er diese, als auch insofern er jene Ideen hat, in seinem Sein zu verharren und zwar auf eine unbestimmte Dauer. Und weil der Geist durch die Ideen der Affektionen des Körpers notwendigerweise sich seiner selbst bewusst ist, ist er sich seines Strebens bewusst.
---
Faszinierenderweise kann man sagen, ist die Zeit lediglich im Ausmaß einer Wirkung auf einen Körper messbar, insofern diese diesen zu verändern vermag. Doch auf den Geist bezogen, ist die Dauer lediglich im verharren in einem bestimmten Zustand feststellbar, denn eine Wirkung auf einen Körper kann es im Geiste unter dem Aspekt der Zeit nicht geben.

Das hieße allerdings auch, wie weit kann also Zeit vom Geist her vernommen werden? Im eigentlichen Sinne, daher dass es keine wirkliche Veränderung bewirkt, kann der Geist die Zeit in der Weise schlichtweg nicht wahrnehmen, weil sie keine Bedeutung für ihn hat. Deswegen wird die Zeit, in ihrer Realität durchaus gerne bezweifelt, und dieses daher nicht ganz ohne Grund.

Auch bedeutet es in dem Zusammenhang, dass ob nun etwas verworren oder vollkommen wäre, dieses im Geiste also gewisse Zustände sind, die vom Geist also auch in dieser oder jener Weise vernommen und erfahren werden. Doch auch hierin ist die einzige Bedeutung für den Geist, die Erfahrung des Zustandes, jedoch nicht die einer Dauer, von irgend einer Einprägsamkeit. Die Dauer des Zustandes entspräche von daher lediglich der einer gewissen Intension, nicht also dass es von der Annäherung der Zeit her, eine Frage wäre...

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Bejahung und Existenz - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Jul 22 2018, 13:20

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 18:
Der Mensch wird von dem Vorstellungsbild eines vergangenen oder zukünftigen Dinges mit demselben Affekt der Freude und Trauer affiziert wie von dem Vorstellungsbild eines gegenwärtigen Dinges.

Beweis:
Solange der Mensch von dem Vorstellungsbild eines Dinges affiziert ist, wird er das Ding als gegenwärtig betrachten, selbst wenn es nicht existiert; und er stellt es als vergangen oder zukünftig nur insofern vor, als dessen Bild mit dem Bild eines vergangenen oder zukünftigen Zeit verbunden ist. In sich allein betrachtet ist das Vorstellungsbild eines Dinges deshalb dasselbe, ob es sich nun auf zukünftige, vergangene oder gegenwärtige Zeit bezieht; d.h., der Zustand des Körpers oder Affekt ist derselbe, mag das Vorstellungsbild das eines vergangenen, zukünftigen oder gegenwärtigen Dinges sein; mithin ist der Affekt der Freude und Trauer derselbe, ob nun das Vorstellungsbild das eines vergangenen, zukünftigen oder gegenwärtigen Dinges ist.

Anmerkung:
Ich nenne hier ein Ding vergangen oder zukünftig, insofern wir von ihm affiziert gewesen sind oder erst affiziert werden, z.B. insofern wir es gesehen haben oder sehen werden, es uns erquickt hat oder erquicken wird, uns gekränkt hat oder kränken wird usw. Insofern wir es nämlich so vorstellen, bejahen wir seine Existenz, d.h., der Körper wird nicht mit einem Affekt affiziert, der die Existenz des Dinges ausschließt; mithin wird der Körper von dem Vorstellungsbild dieses Dinges in gleicher Weise affiziert, wie wenn das Ding selbst gegenwärtig wäre.
---
Bei vielen Dingen ist es ja so, dass sie überhaupt keinen direkten Bestandteil unseres Geistes ausmachen, sondern lediglich die Wahrnehmung stellt diesen Gegenstand als vorhanden vor. Oder die Erfahrung von etwas ist zugegen, jedoch ist sie ein Teil von uns, der Gegenstand allerdings ein Teil von etwas anderem. Daraus ergibt sich auch, dass es bei vielen Dingen also keine Rolle spielt, wie weit sie präsent sind, mehr also, in welchem Kreis die Erfahrung hierzu sich abspielt, diese jedoch auf die Dinge bezogen zunächst zeitunabhängig in unserem Geist also mehr oder weniger präsent sein kann. Was bedeutet also, wie weit wir es in unserem Geist lebendig machen und bejahen.

Somit lässt sich sehr wohl bis zu einem gewissen Grad [also den uns selbst betreffenden] sowohl mit der Vergangenheit wie auch mit der Zukunft arbeiten. Jedenfalls soweit wie wir dieses zutreffend, als Teil von Erfahrungen z.B., in unserem Bewusstseinskreis erfassen und einbringen können. Das andere ist also umgekehrt, wenn der menschliche Geist so sehr mit verschiedenen Einprägungen befasst ist oder davon affiziert wird, dass er nicht das rechte Maß an Kapazität aufzubringen vermag, um mit der Situation wie sie gerade ist, umzugehen, weil die Wahrnehmung der sich abspielenden Dinge, nicht hinreichend im Geiste also eine Bejahung erhält.

Etwas Drittes ist also noch die Einbildung von Dingen, im Gegensatz zur Vorstellungskraft. Denn Einbildung wäre also nicht nur dass, dass es keine Äquivalenz hätte, im Sinne einer Sache oder eines Dinges oder hinsichtlich von Gegenständlichkeit, sondern tatsächlich, dass gar nichts angetroffen wird, was nicht ausschließlich der eigenen Vorstellung entspricht. Anders gesagt, soweit wie etwas in einem Kreislauf besteht, welcher Art der Kreislauf in seiner Beschaffenheit auch wäre oder worauf auch immer sich dieser bezieht, so hat dieses darin seine Äquivalenz und somit ließe sich damit arbeiten und ein tatsächlicher Bezug herstellen.

Damit kommen wir also dazu, dass es wesentlich ist, was man in die einen durchdringenden oder umgebenden Kreise und Kreisläufe aufnimmt und daher für sich bejaht, oder außerhalb lässt und in sich verneint. Denn das sind die Dinge, die einem die bestimmte Realität diktieren oder mindestens beeinflussen, bis hin zum auslösen diverser Affekte. Ist etwas im Kreise enthalten, lässt sich damit nicht so umgehen, als wäre dem nicht so, jedoch ist es offen und die eigene Sache bis zu einem hohen Grad, wie man damit umgeht oder umgehen möchte. Andernfalls wäre es vergleichbar, als würde man lediglich Einbildungsbezogen mit allem umgehen wollen, so dass eine gewisse Handlung zwar da ist, jedoch stets das eine mit allem anderen keine brauchbare Übereinstimmung hinbekäme...

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Überhang an Liebe - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr Jul 27 2018, 00:30

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 43:
Hass wird über Erwiderung von Hass vermehrt und kann andererseits von Liebe getilgt werden.

Beweis:
Wer sich vorstellt, dass der, den er hasst, mit Hass auf ihn affiziert ist, wird ebendeshalb mit neuem Hass erfüllt, während der erste (der Vorstellung nach) noch anhält. Wenn er sich andererseits vorstellt, dass jener mit Liebe zu ihm affiziert ist, betrachtet er, insofern er sich dies vorstellt, sich selbst mit Freude und wird insofern streben, jenem zu gefallen; d.h., in diesem Maße strebt er, ihn nicht zu hassen und nicht mit Trauer zu affizieren; und dieses Streben wird größer oder kleiner sein je nach der Größe des Affekts, dem es entspringt; ist es größer als dasjenige, dass Hass entspringt und mit dem er das verhasste Ding mit Trauer zu affizieren strebt, wird es mithin das andere überwiegen und den Hass in seinem Gemüt tilgen.
---
Es gibt wohl keinen, wie auch immer sich wer gebärden, sich als böse gebend, oder von Härte gedrungen, sich nun auf dem Weg befände, der nicht doch auch geliebt sein möchte. Oft wird dann Anspielung auf die harte Schale und den weichen Kern genommen. Die Sache ist ja nur die, dass hier und da, und sei es auf etwas bezogen oder partiell, Hass oder Liebe vorherrschend sind.

Sicher braucht man nicht blauäugig sein, und annehmen, weil Liebe mal wo vorherrschend sei, zugleich alle Schwierigkeiten wie vom Erdboden dadurch verschwinden. Doch ist es etwas anderes, wenn Liebe also Hass überwiegt, und so auch dieser aufgehoben wird. Zwar mag es nicht einmal weniger zu tuen geben, vielleicht auch mehr noch, schon allein in dem was dadurch zusätzlich zu tuen aufgezeichnet wird und was alles zusätzlich noch getan werden können kann; doch ist die Grundlage ja die, dass jeder also irgendwo seinem Kern dadurch näher stehen kann.

Somit wird nach und nach also alles abgetragen, statt aufgestaut, was einem dem inneren Kerne nach in Dissoziation brächte. Je mehr also jeder sich selbst sein kann, umso mehr wird weniger das sein, was dazwischen sich einfindet, wohin es nicht gehört, denn sonst wäre es ja nicht dazwischen. Womit aus einem Überhang und Überschwang von Liebe, alles zu etwas besserem gedeiht, als es ohnedem zu sein vermag.

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Erfahrungszugewinn - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Jul 28 2018, 23:29

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 44:
Hass, der von Liebe vollständig besiegt wird, geht in Liebe über; und die Liebe ist dann größer, als wenn Hass ihr nicht vorausgegangen wäre.

Beweis:
... Denn wer ein Ding, das er hasst, also mit Trauer zu betrachten gewohnt war, zu lieben beginnt, freut sich allein deshalb schon, weil er liebt; und zu dieser in Liebe enthaltenen Freude kommt noch jene hinzu, die dem entspringt, dass das Streben, die in Hass enthaltene Trauer zu beseitigen, gerade gestärkt wird, [wenn] es begleitet wird von der Idee desjenigen, den man gehasst hat und [jetzt] als eine Ursache [von Freude ansieht].

Anmerkung:
Gleichwohl, wenn es sich auch so verhält, niemand wird deshalb streben, ein Ding zu hassen, d.h. sich selbst mit Trauer zu affizieren, nur um die beschriebene größere Freude zu genießen; d.h. niemand wird begehren, Unrecht zu erleiden in der Hoffnung auf Entschädigung, oder wünschen, krank daniederzuliegen in der Hoffnung auf Genesung. Denn ein jeder wird von jeher streben, sein Sein zu erhalten und Trauer, soviel er kann, zu beseitigen...
---
Wenn ein Mensch die Welt verlässt, dann ist dies eine ähnliche Freude der Erleichterung. Das hat damit zu tuen, dass man aufhört von den Körperlichkeiten affiziert zu werden, die man noch nicht vollständig zu beherrschen erlernt hat, weil dieses aufgehoben wird und entfällt. Darin zeigt sich ein Zugewinn, denn die Freude wäre nicht in der Weise gegeben, wenn man zeitweilig das Gegenteil dazu [davon affiziert zu sein] nicht erfahren hätte. In der Weise sind alle gemachten Erfahrungen wertvoll.

Klar, man wird irgend eine Art von Erleiden nicht anstreben, um sich hinterher zu erfreuen, dass man es dann wieder los ist. Nur warum erfreut man sich nicht in gleicher Weise also, auch ohne die Erfahrung? Weil der Teil sonst erst gar nicht zum Erwecken/Erwachen gebracht würde, die Freude darin zu [er]finden, sofern man allerlei Erleiden gleich ausgewichen wäre.

Und darum reifen viele Seelen erst durch allerlei Ungemach, zu der Güte und Herzlichkeit heran, die sonst nicht wäre. Wo sonst vielleicht vieles für selbstverständlich hingenommen würde usw. Deswegen bewertet die Seele die Dinge und Erfahrungen aus einem anderen Blickwinkel. Allerdings, gäbe und gibt es vieles für die Seele in der Weise gar nicht, ausgenommen als Erfahrung, denn sie ist es nicht, die die Körperlichkeiten ausmacht, welche durch allerlei affiziert werden, sie stellt nur das Bewusstsein u.dgl. Da sie ja nicht weniger wird, wenn die Körperlichkeiten entfallen, sondern mehr, mehr an Erfahrung; andernfalls würde sie mit diesem vergehen und weniger werden hinterher. Die Sache ist von dem her evident, weil es sonst keinerlei Erinnerung der Erfahrung im Verbleib gäbe...

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Wenn es Liebe ist... - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mo Jul 30 2018, 00:49

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 41:
Wenn jemand sich vorstellt, von jemandem geliebt zu werden, und nicht glaubt, dafür einen Anlass gegeben zu haben, wird er diese Person seinerseits lieben.

Anmerkung:
Wenn er glaubt, hinlängliche Ursache für diese Liebe gewesen zu sein, wird er sich rühmen; dies kommt in der Tat häufiger vor und ist das Gegenteilt von dem, was, wie gesagt, eintritt, wenn jemand sich vorstellt, von jemandem gehasst zu werden. Diese gegenseitige Liebe und folglich das Streben, demjenigen, der uns liebt und der strebt, uns Gutes zu erweisen, seinerseits Gutes zu erweisen, heißt Dank oder Dankbarkeit. Dies macht deutlich, dass Menschen viel eher zur Rache als zur Erwiderung einer Wohltat bereit sind.
---
Wenn es Liebe ist, dann gilt, dass diese ohne Affektion vorhanden ist. Das wäre also am meisten dann der Fall, wenn kein Grund dafür gegeben ist, irgendetwas oder jemanden zu lieben, und man machte es dennoch. Ist ein Grund in der Weise gegeben, dann spielen auch andere Affektionen i.d.R. eine Rolle, und es ist dann vielleicht auch nur Dankbarkeit, anstelle von Liebe u.dgl.m.

Jedenfalls wird es, bei jemanden der anlasslos liebt, schwierig sein, ihn nicht auch zu lieben. Jedenfalls wenn es keine Affektionen gibt, die einen zum Gegenteil verleiten. So dass zunächst also jemand in irgend einer Weise [und sei es nur vorgestellt] als nicht-liebens-wert und schlecht beurteilt werden müsste, um dann genug Anlass zu finden (meist in irgendwelchen Affektionen also), um der Liebe nicht mit Liebe zu begegnen oder diese ebenso zu erwidern.

Eine Lösung wäre es also, auf Liebe zu setzen. Soweit sich die Mehrheit darauf einließe, wäre es durchaus möglich, dass sich alles in Liebe immer weiter aufschaukelte, bis es kein halten mehr gäbe [gegensätzlichen Affektionen anzuhangen]...

Devino Melchizedek

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Des Geistes streben - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Aug 04 2018, 13:58

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Lehrsatz 55:
Wenn der Geist sich seine Ohnmacht vorstellt, ist er ebendeshalb traurig.

Beweis:
Die Essenz des Geistes bejaht nur das, was der Geist ist und kann, anders formuliert, es liegt in der Natur des Geistes, sich nur das vorzustellen, was seine eigene Wirkungsmacht setzt. Wenn wir also sagen, dass sich der Geist beim Betrachten seiner selbst seine Ohnmacht vorstellt, dann sagen wir nichts anderes, als dass des Geistes Streben, sich das vorzustellen, was seine eigene Wirkungsmacht setzt, gehemmt wird, d.h., dass er traurig ist.

Anmerkung:
Diese von der Idee unserer eigenen Schwäche begleitete Trauer wird Demut genannt, während die der Betrachtung unserer selbst entspringende Freude Eigenliebe oder Selbstzufriedenheit heißt. Und weil dies sich so oft wiederholt, wie ein Mensch seine Tätigkeiten, d.h. seine Wirkungsmacht, betrachtet, kommt es auch, dass jeder sich danach drängt, von seinen eigenen Taten zu erzählen und seine eigenen Kräfte, die des Körpers wie die des Geistes, zur Geltung zu bringen, und dass Menschen deshalb einander lästig fallen. Hieraus folgt abermals, dass Menschen von Natur aus neidisch sind, anders formuliert, dass sie über die Schwäche von ihresgleichen frohlocken, über deren Können hingegen betrübt sind.
---
Vieles ist oft ein größerer Kindergarten, als man zunächst annimmt, auch wenn es nicht zugegeben wird. Denn die Summe aus vielem macht es, dass man sich z.B. lediglich seiner Stärken besinnen mag, um jeglicher Ohnmacht, über das Unvermögen hinsichtlich der Schwächen hinwegzusehen. Wenn nicht ausdrücklich die Schwäche von etwas affiziert wird, kann dieses auch über weite Strecken in der Weise gelingen.

Doch eben in Anbetracht der Summe, dass der Mensch eine Sammlung aus vielem ist, sind die Schwächen aus der Summe durchaus affizierbar. Und so heißt es, die Verantwortung zu übernehmen, sich dieser Summe aus vielem zu stellen, denn nur so lässt es sich zum besseren wandeln. Im Zweifelsfalle hält das System her, um einem das zu ermöglichen, womit man selbst nicht zuwege kommt. Doch nutzt man das System als Dauerzustand, dann erzieht man sich selbst zu allerlei Schwäche.

Würden alle dazu übergehen an den eigenen Schwächen mehr zu arbeiten und weniger allerlei herzunehmen, was gegeben ist und nicht selten dieses als eigene Stärke auszugeben, dann würde es offenbar werden, in welchem Kindergarten sich alles einfindet. Denn der evolutionäre Entwicklungsvorgang eigenbewusster Spezies, ist ein sehr langer, da es vieles [bzw. alles] aus der Summe der Sammlung (allem was es) gibt, was es zu erkennen und zu entwickeln gibt [bis ins unendliche]. Wodurch sich erst die Unabhängigkeit ergibt, deren Freiheit letztlich jeder anstrebt, oder davon im Ansatz affiziert für sich fordern und proklamieren möchte. Geht so nur nicht auf! Volle Eigenverantwortung geht, daraus entsteht mehr oder weniger bedingte und unbedingte Freiheit, nach vielen Ohnmachtserfahrungen u.dgl.m.

Devino Melchizedek

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Tapsige Annäherungen - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Aug 05 2018, 21:19

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Lehrsatz 58:
Unter allen Affekten, die dem Geist zukommen, insofern er aktiv ist, gibt es keine, die nicht zu Freude oder Begierde gehören.

Beweis:
Alle Affekte gehören zu Begierde, Freude oder Trauer, wie unsere Definitionen zeigen. Unter Trauer verstehen wir aber den Tatbestand, dass des Geistes Macht zu denken vermindert oder gehemmt wird; insofern der Geist traurig ist, wird mithin seine Macht einzusehen, d.h. seine Wirkungsmacht, vermindert oder gehemmt. Mithin kann es keine Affekte der Trauer geben, die dem Geist zukommen, insofern er aktiv ist, sondern allein Affekte der Freude und Begierde, die insoweit auch dem Geist zukommen.
---
Eher tapsige (ehrliche) jedoch eigenständige Annäherung an gewisse Dinge, sind oft sehr lehrreich, da man mehr darin für sich zu erkennen oft vermag, als wenn etwas bereits perfekt ausgearbeitet wurde, der Bezug dazu jedoch nicht so offensichtlich ist oder man jeweiliges selbst nicht wirklich erschlossen hat. Insofern kann man sagen, woran Spinoza sich da herantastet, sind wohl die Gunas, wie sie in der Bhagavad Gita gelehrt werden. Und schließlich zählt es mitunter zu dem, was er als Affekte beschreibt.

Genau genommen, wenn man nur etwas fertiges verwendet, ist es Gebrauch und nicht Entwicklung dessen. Hat man es irgendwo bereits entwickelt, dann spricht zunächst nichts dagegen, jedoch ist der Effekt oft größer, wenn man es nicht nur reinbringt, sondern sich reinkniet und etwas ausarbeitet, weil man dann auch für die geistigen Anbindungen, welche gerade da sind, oder auch für die Menschheit als solcher, jeweiliges tatsächlich voran bringt und in der Weise mit entwickelt.

Der Passive erleidet also daher zurecht, denn er nimmt nur und bringt nichts selber hervor, sondern nutzt ausschließlich alles Gegebene und Vorhandene. Da daraus nichts wird, was seinem Geiste zugeordnet werden kann und zukommt, ist es an sich selbsterklärend, warum es so und nicht anders dadurch sein kann. Denn es wird ja der eigene Geist eher noch gehemmt, durch all das, was aufgenommen wird, jedoch erweitert, durch das, was dieser von sich her gibt.

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Rebstock - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Aug 11 2018, 12:25

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3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Definitionen der Affekte:
1. Begierde ist des Menschen Essenz selbst, insofern diese begriffen wird als von irgendeiner ihrer gegebenen Affektionen dazu bestimmt, etwas zu tun.

Erläuterung:
Wir haben oben in der Anmerkung zu Lehrsatz 9 dieses Teils gesagt, dass Begierde Trieb mit dem Bewusstsein des Triebes ist und dass Trieb des Menschen Essenz selbst ist, insofern sie bestimmt ist, das zu tun, was der Erhaltung des Menschen dient. Doch habe ich in derselben Anmerkung zugleich darauf aufmerksam gemacht, dass ich zwischen menschlichem Trieb und menschlicher Begierde in Wirklichkeit keinen Unterschied gelten lasse. Denn mag ein Mensch sich seines Triebes bewusst sein oder nicht, der Trieb bleibt doch ein und derselbe.
---
Es wird oft ein Vergleich zu einem Baum [auch in der Bhagavad Gita der Fall - wie auch in der Bibel] gezogen, in dem Fall kann man auch ein Rebstock nehmen, und des Menschen Triebhaftigkeit daran festmachen. Auf das Ätherische bezogen, was nicht direkt formbezogen ist, ist der Vergleich ganz zutreffend sogar. Denn sofern etwas angefasst wird und Signale ans Bewusstsein sendet, dann hat es ja irgend eine Essenz dahinter. Und so reagieren die Menschen auf dieses und jenes teils unterschiedlich, oder sprechen und springen auf etwas so und so an, oder gar nicht usw.

Wächst einer also zum Erwachsenen heran und wird dann ggf. auch etwas älter und reifer, lässt sich oft feststellen, wie derjenige gewachsen ist. Wurden z.B. gewisse Dinge nicht gepflegt, dann gibt es entsprechende Äste nicht oder manche Äste sind bereits so fest ausgewachsen (ausgeprägt), dass da etwas anderes kaum noch anwachsen und mitwachsen kann. Und so ist es auch nicht abwegig, dass gewisse Äste, die keine Frucht hervorbringen, abgemacht werden können oder sollten.

Nimmt man also den Menschen allgemein als Spezies, dann ist es so, dass fast alles auf gewisse Umstände angewiesen ist, um überhaupt entwicklungsfähige Bedingungen zu schaffen, wie beim Wuchse eines Rebstocks auch. Aus diesem geht auch evident hervor, dass der Mensch ein sehr bedürftiges Lebewesen ist [was sich u.a. am Klimawandel sicher noch weit deutlicher zeigen wird in den nächsten Jahren, so dass ohne ein blaues Auge kaum noch etwas zum besseren gewendet werden können kann - wenn es nicht gar noch zum schlimmeren gereicht].

Soll also heißen, dass der Trieb/die Begierde notwendig dazu gehört [mehr im Sinne der Gunas nach der Bhagavad Gita - d.h. der Trägheit, Leidenschaft, Tugendhaftigkeit], weil der Mensch aus sich heraus, sich selbst nicht soweit befrieden kann, um nicht auf irgend etwas außerhalb seiner selbst, angewiesen zu sein. Es beginnt also in der Selbsterhaltung und endet in der Lust. Von der Art der Begierde selbst aus gesehen, spielt es also keine Rolle, welche Form der Begierde vorliegt, es ist vom Effekt her etwas Ähnliches.

So geht es darum, auf der einen Seite dieses etwas voran zu bringen, bis es ein höheres Niveau erreicht, in dem es dieses widerspiegelt. Wird man daran merken, wenn das gesamte Lebensumfeld der Menschheit (Spezies) als solcher sich umgestaltet. Auf der anderen Seite sich frei zu machen von den Begierden, solchen, die nicht notwendig sind. Nicht durch bloße (Gegen-)Zwänge, sondern dadurch, dass kein Bedürfnis mehr danach entsteht, was für gewöhnlich mittels Einsicht dann erfolgt. Nur darin liegt der Weg aus der Nichtigkeit heraus, so dass das, was am Rebstock wächst, auch die Frucht hervorbringt, die man sich letztlich selber wünscht.

Devino Melchizedek

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Von Affekten zur Selbstreproduktion - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Aug 12 2018, 20:12

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte


Allgemeine Definition der Affekte:
Ein Affekt, der eine Leidenschaft des Gemüts genannt wird, ist eine verworrene Idee, mit der der Geist von seinem Körper oder irgendeinem seiner Teile eine größere oder geringere Kraft des Existierens als vorher bejaht, und von der, wenn sie gegeben ist, der Geist bestimmt wird, eher an dieses als an jenes zu denken.
---
Das ist eine sehr gute Zusammenfassung der Affekte. Denn hieraus erklärt sich, warum Affekte überhaupt greifen, einfach weil sie unter der Annahme Erfolg haben, dass man meint, damit sich in seiner größeren Existenz zu bejahen. Es wird zu einem gehörig gesehen, nicht von der Vernunft her, sondern dass man so und so müsse, weil man sich sonst hemmt. Andererseits ist es doch eine Hemmung der vollkommenen Geistigen Idee, die eine Alternative dazu wäre.

Beim Affekt und der Aufnahme dessen, was vom Affekt herrührt, führt man damit etwas für gewöhnlich sich zu, was man doch nicht ist. Und dieses Zugeführte, ist die Ursache der Affekte, so dass man letztlich so und so reagiert oder mit etwas umgeht, ohne wirkliche Handhabe, weil man nicht selbst das Zugeführte ist (so lange wie es in einem ist - was jedoch auch eine gewisse Notwendigkeit sein kann, wie zuvor bereits aufgeführt).

Deswegen auch die Sache mit der verworrenen geistigen Idee, weil es ja nicht wirklich dem eigenen Geist also entspringt und entspricht, auch wenn man es dafür in dem Augenblick hält, da man sonst nicht länger oder weiter davon affiziert wäre. Eine Affektion ist nicht ganz freiwillig, sonst wäre es eine bloße Neigung, die man wählt, allerdings auch anders können kann, im Falle von Neigungen und nicht so sehr bei Affekten.

Es fehlt also in dem Zusammenhang die Selbstreproduktion. Dass ist der Unterschied zum Affekt und dem Beigefügten, woraus der Affekt entsteht. Ist Selbstreproduktion im Spiel, und dies bräuchte kein hohe Kunst sein, dann ist diese vom Grundsatz her von Affekten frei. Selbstreproduktion in dem hier gemeinten Sinne, ist das Erzeugte ohne etwas Zugeführtes, als nur dem, was selbst erzeugt wird, d.h. ohne etwas anderes zwingend in Anspruch zu nehmen.

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Existenzbekunden - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Fr Aug 17 2018, 00:36

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
4.T. - Von menschlicher Knechtschaft


Lehrsatz 21:
Niemand kann begehren, glücklich zu sein, gut zu handeln und gut zu leben, der nicht zugleich begehrte, zu sein, zu handeln und zu leben, d.h. wirklich zu existieren.

Beweis:
Der Beweis dieses Lehrsatzes oder vielmehr die Sache selbst ist durch sich selbst evident, aber auch aus der Definition von Begierde; die Begierde, glücklich, d.h. gut zu leben, zu handeln usw., ist nämlich genau des Menschen Essenz, d.h. das Streben, mit dem ein jeder sein Sein zu erhalten strebt.
---
Jemand kann um sich herum alles haben, von dem viele danach aufbegehren, und dennoch sich vollständig leer und unglücklich vorkommen. Oder auch so, als hätte das alles nichts mit ihm wirklich zu tuen, weil es seine innere Essenz nicht befriedet oder erfüllt und diese in den umstehenden Dingen nicht angetroffen wird. Es kann dann darauf hinaus laufen, dass es lediglich einer äußeren Erscheinungswelt entspricht. Letztlich auch, kann es zu Dekadenz führen, so, dass es auf Seiten der Trauer und nicht auf der Seite der Freude sich für denjenigen jedenfalls befindet.

Dies liegt schlichtweg daran, dass das Innere mit dem Äußeren nicht übereinstimmig ist. Was daher kommt, dass es nicht in der Essenz desjenigen ist und/oder diese nicht entsprechend widergespiegelt wird. Die Begierde als der Essenz angeordnet ist eine speziellere Definition, im Vergleich zum allgemeinen Verständnis von Begierde. Denn wenn einer gierig danach wäre, die gewissen außenstehenden Umstände zu erreichen, wird Gier zum treibenden Motivator; auch das wäre dann auf Seiten der Trauer angesiedelt [gemäß der Definition von Spinoza].

Man darf sich also erlauben, glücklich zu sein, entsprechend hinreichend vermögend u.dgl.m. Die Begierde als Essenz in so einem Fall ist kein Begehren, sondern eines, was die Dinge als der Essenz zugehörig und zustehend anzusehen wäre. Zwar mag auch das zu Trauer führen, wenn diese Dinge nicht erfüllt sind, jedoch ist es kein aktiv ausgelöste Trauer, die durch eigenes Handeln entsteht. Und sofern auch ein Erlauben gegeben ist, dass es durch das Umfeld und Umstände erfüllt werden kann, ist die Wahrscheinlichkeit dessen, ein durchaus eher denkbares Szenario.

Denn eher wird das eintreten, worin man zu existieren bereit ist, als das, wozu man keinerlei Bezug hergestellt hat.

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Bestimmungsweisen - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Aug 19 2018, 21:56

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
4.T. - Von menschlicher Knechtschaft


Lehrsatz 59:
Zu allen Handlungen, zu denen wir aus einem Affekt heraus, der eine Leidenschaft ist, bestimmt werden, können wir ohne ihn von der Vernunft her bestimmt werden.

Beweis:
Aus Vernunft handeln ist nichts anderes als aktiv hervorzubringen, was aus der Notwendigkeit unserer Natur, in sich allein betrachtet, folgt.
...
Würde daher ein mit Freude affizierter Mensch zu einer so großen Vollkommenheit gebracht werden, dass er sich und seine Handlungen adäquat begreift, wäre er zu denselben Handlungen fähig (und sogar fähiger), zu denen er jetzt aus Affekten heraus, die Leidenschaften sind, bestimmt wird. Nun gehen alle Affekte auf Freude, Trauer oder Begierde zurück, und Begierde ist nichts anderes als genau das Streben, überhaupt zu handeln; also können wir zu allen Handlungen, zu denen wir aus einem Affekt heraus, der eine Leidenschaft ist, bestimmt werden, von der Vernunft allein, d.h. ohne ihn, gebracht werden.
---
Es ist die Art und Weise, z.B., zu sagen: mir ist grad danach, oder mir ist grad danach nicht. Wenn man sich in der Weise ausrichtet, dann ist man ein Kandidat für Affekte und allerlei Handlungen welche nur auf Affekten beruhen.

Aus der Vernunft heraus, könnte man das Maximum dessen durchaus erreichen, von dem, wo einer getrieben dadurch sagt: mir ist gerade voll danach. Und das Resultat was daraus erreicht wird, in vollem Einsatz seiner Kräfte ihm dahingehend gegeben ist, dass er dieses jenes unbedingt zu erreichen verlangt.

Mehr noch, unabhängig der Affekte, sich innerlich aufgrund reiner Vernunft mit der Sache zunächst zu befassen, bis man diese soweit umkreist hat, und dann den selben Einsatz einzubringen, weil man weiß, dass man dieses oder jenes können kann z.B. So allein schon, ließe sich mehr erreichen.

Und obwohl man das selbe täte, wäre er es immer noch nicht das gleiche. Klar kann man schauen, dass man bloß nicht seine eigenen Hände dafür gebraucht, was ja nicht minder im Falle von Affekten eintritt, doch ist genau genommen die Aufhängung andernfalls nicht die eigene. Also tut man allerlei für die Affekte, nicht für sich; allerdings weniger aus Selbstlosigkeit, sondern mangels der zugehörigen Vernunft.

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Freundschaft - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Mi Aug 22 2018, 23:12

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
4.T. - Von menschlicher Knechtschaft


Lehrsatz 71:
Nur freie Menschen sind einander im höchsten Maße dankbar.

Beweis:
Nur freie Menschen sind einander im höchsten Maße nützlich und mit einem wirklich festen Band von Freundschaft miteinander verbunden, und nur sie streben mit gleichem Liebeseifer einander wohlzutun; mithin sind nur freie Menschen einander im höchsten Maße dankbar.

Anmerkung:
Die Dankbarkeit, die von blinder Begierde geleitete Menschen einander entgegenbringen, ist in der Regel eher ein Kaufmannsgeschäft im Stil der Vogelfängerei als Dankbarkeit...
---
Von vielen kann man nicht mehr erwarten, als man von ihnen erwarten können kann. Selbst wenn sie es ehrlich meinen zu meinen, ist es oft so, soweit sie von allerlei affiziert sind, dass es lediglich um die Erfüllung irgendwelcher Begierden geht.

Im Falle von Affiziertheit, ist zuerst der von Affekten geleitete, der als Mittelsmann für diese agiert, und dann leicht derjenige, der darauf eingeht, sodann derjenige, der ebenfalls als Mittel zum Zweck genommen wird (auch wenn dieses alles unbewusst geschehen mag). Somit ist das alles dann keine aufrechte Freundschaft und vielmehr ein Zweckverbund oder schlimmer.

Es ergibt also einen Sinn, dass nur derjenige der frei ist [d.h. also nicht von Affekten angetrieben wird], derjenige also, der einem ein Freund sein kann. Für den der unfrei ist, wird es schwierig sein echte Freundschaft einzugehen. Da er ja auch selten wird etwas zutragen können, was nicht ebenfalls von Affekten herrührt, sondern von demjenigen selbst in Freiheit geschieht.

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Sichere Regeln - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Aug 26 2018, 19:06

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Lehrsatz 10:
Solange wir nicht von Affekten bedrängt werden, die unserer Natur entgegengesetzt sind, steht es in unserer Gewalt, die Affektionen des Körpers gemäß einer Ordnung zu ordnen und zu verketten, die dem Verstand gemäß ist.

Beweis:
Affekte, die unserer Natur entgegengesetzt sind, d.h. die schlecht sind, sind insofern schlecht, als sie den Geist daran hindern, dass er einsieht.
...
Anmerkung:
... Das Beste also, was wir tun können, solange wir nicht eine vollkommene Erkenntnis unserer Affekte haben, ist ein richtiges Prinzip, d.h. sichere Regeln, für unsere Lebensführung zu konzipieren, diese unserem Gedächtnis einzuprägen und sie beständig auf die besonderen Fälle, die im Leben häufig vorkommen, anzuwenden, damit so unsere Vorstellungskraft weitgehend von ihnen affiziert wird und sie uns jederzeit zur Verfügung stehen.
---
Ein jeder wird von diesem oder jenem affiziert, was durchaus natürlich ist, denn andernfalls wäre ein vollkommenes Bewusstsein in jeder Hinsicht erforderlich. Oft wird der Sachverhalt von einer nüchternen Distanziertheit zwar angemessen eingeschätzt, doch in der Situation der Erfahrung sieht es dann schon wieder ganz anders aus. So dass in vielen Fällen eine Selbstüberschätzung mit sogar die Ursache dafür ist, dass man in der Erfahrung von allerlei Affekten mal hierhin und mal dorthin gezerrt wird.

Es erfordert einige Ehrlichkeit mit sich, statt zu meinen, man würde ja so locker über allen Dingen stehen, dass manche Summe aus den Dingen, mehr ist, als die Summe auf der eigenen Seite einem möglich macht, damit souverän zu verfahren. Nicht zuletzt liegt es daran, dass ja auch auf der eigenen Seite eine gewisse Summe aus vielem da ist, die man nicht immer vorweg [außerhalb der Erfahrung] einsehen und einzuschätzen vermag, wie sich diese in der Erfahrung verhält.

Daher ist Rhythmus ein sehr hilfreiches Standbein, was man kaum zu viel pflegen kann. Nicht einmal nur der eigenen Psyche wegen, sondern eben wegen der Summe, die auf der eigenen Seite ist, dass diese bereits eine Ausrichtung hat und nicht blindlinks einem bei nächster Gelegenheit aus dem Ruder zu laufen droht.

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Was gut in jedem Ding ist... - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Aug 26 2018, 19:33

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Anmerkung:
... Es ist aber darauf hinzuweisen, dass wir beim Ordnen unserer Gedanken und Vorstellungsbilder immer das beachten müssen, was gut in jedem Ding ist, damit wir so immer aus einem Affekt der Freude heraus zum Handeln bestimmt werden. Wenn z.B. jemand sieht, dass er zu sehr nach Ruhm trachtet, dann sollte er über dessen rechte Funktion nachdenken, zu welchem Zweck nach ihm getrachtet werden sollte und mit welchen Mitteln er erreicht werden kann, nicht aber über seinen Missbrauch und seine Eitelkeit, noch über menschliche Unbeständigkeit und anderes dieser Art, worüber nur jemand nachdenkt, der grammvollen Gemüts ist. Gerade die, die am ehrgeizigsten sind, werden nämlich von Gedanken dieser Art besonders heimgesucht, wenn sie ohne Hoffnung sind, die Ehre, die sie erflehen, zu erlangen, Leute, die, während sie ihren Zorn ausspeien, auch noch als weise erscheinen wollen. Deshalb ist es zweifellos so, dass die am meisten nach Ruhm gieren, die am lautesten über seinen Missbrauch und über die Eitelkeit der Welt krakeelen. Freilich ist dies keine Eigenart nur der Ehrgeizigen, verbreitet ist es bei allen, denen kein Glück beschieden ist und die [zugleich] ohnmächtigen Gemüts sind. Denn der Arme redet, wenn er zudem habgierig ist, ohne Unterlass über den Missbrauch von Geld und die Laster der Reichen, womit er nichts bewirkt, als sich selbst zu quälen, und anderen zeigt, dass er nicht nur die eigene Armut, sondern auch den Reichtum anderer nicht mit Gleichmut tragen kann.
---
Gerade solche, die am lautesten über etwas krakeelen, sind die, wenn sie sich in der Situation selbst vorfänden, und wenn ihnen die Erinnerung abginge, an dasjenige, wie sie zuvor der Sache gegenüberstanden, diese sind es, die noch ärgeres treiben, als jene, über welche sie ehedem klagten. Genau dies ist mit der Summe verbunden, die sie auf ihrer Seite tatsächlich mit sich führen.

Also kann man auch sagen, wenn die Verstandeserinnerung abginge, sieht die Sache doch bei vielen anders aus, als sie es sich selbst eingestehen möchten. Und das ist es auch, warum das Krakeelen einsetzt, weil oft das Gegenteil eher zutrifft, als das, wie einer sich zu geben geneigt ist, in Anlehnung daran, den entsprechenden Anteil bei sich irgendwie ausgleichen oder auch unterdrücken zu wollen.

Möchte man wirklich geistig gute Fortschritte machen, ist es allerdings genau das, wo das meiste Potenzial freigesetzt werden kann, sofern man solcherlei bei sich aufarbeitet. Man kann da nicht in dem Sinne ins Kloster gehen u.dgl. und schon verschwindet derlei von selbst. Umgekehrt, eher dezent sich dem aussetzen, womit man sich schwerer tut oder was man eher verächtlich findet, um zu schauen, was auf der eigenen Seite dann aufploppt, um dann daran zu arbeiten und Lösungen (zunächst vielleicht nur psychisch) zu erarbeiten.

Jedenfalls ist solcherlei mehr spirituelle Arbeit, als allerlei in der Richtung auszuweichen, um dann wenn man es hinreichend unterdrückt oder verleugnet hat, sich als geistreich geben zu wollen. So dass man sich dazu hinleiten lässt, dem ganzen Umfeld das vorzuwerfen, womit scheinbar nur man selbst mit uneins ist. Eine Möglichkeit, anstelle bloßen Krakeelens, wäre, nebst dem, zunächst etwas Positives darin zu sehen, oder auch im Zusammenhang damit, ist eine Lösung zu suchen, wie etwas besser gemacht werden könnte.

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Ein Atemzug - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Sep 01 2018, 12:34

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Lehrsatz 34:
Nur während der Dauer des Körpers ist der Geist Affekten unterworfen, die den Leidenschaften zuzurechnen sind.

Beweis:
Eine Vorstellung ist eine Idee, mit der der Geist ein Ding als gegenwärtig betrachtet, die dennoch mehr den gegenwärtigen Zustand des menschlichen Körpers anzeigt, als dass sie die Natur des äußeren Dinges [erklärt]. Also ist es die einen gegenwärtigen Zustand des Körpers anzeigende Vorstellung, die (nach der allgemeinen Definition der Affekte) einen Affekt [eine Leidenschaft sein lässt]. Mithin ist der Geist nur während der Dauer des Körpers Affekten unterworfen, die den Leidenschaften zuzurechnen sind.

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass nur geistige Liebe und keine andere ewig ist.

Anmerkung:
Achten wir auf die unter Menschen verbreitete Auffassung, werden wir sehen, dass sie sich zwar der Ewigkeit ihres Geistes bewusst sind, sie aber mit der Dauer vermengen und der Vorstellungskraft oder Erinnerung beimessen, die, so glauben sie, über den Tod hinaus Bestand hat.
---
In der Theosophie wird der Vorgang, nach dem Tode, hinreichend beschrieben. Dass die Auflösung beim äußersten physischen Körper beginnt, sich dann über Astralleib sich immer weiter ins Geistige vollzieht, bis die Seele sich hinreichend auf sich selbst und die eigene Natur nur und im wesentlichen ohne Verkörperungen, zurückgezogen hat. Um dann alles zu verarbeiten und sich wieder in die Manifestation und Verkörperung zu begeben.

Auch in der Bhagavad Gita wird erklärt, dass die Seele ihre Leiber wechselt, wie ein Mensch die Kleider. Geht man weiter ins Geistige, von der Monade aus, wobei es hier weniger um eine bestimmte Begrifflichkeit geht, so dass man allgemein vom "reinen Geist" sprechen könnte, dann sind diese Vorgänge der Verkörperung, wohl nichts anderes mehr, als bloß Atemzüge. Es findet also ein Einatmen und wieder ein Ausatmen statt.

Von dem her stirbt alles, wo es nicht zu einer Übersetzung kommt, von einer mehr äußeren [oder mehr körperlichen] in eine mehr innere [oder mehr geistige] Ebene. Wenn da nichts wäre, was zur Verkörperung gebracht werden soll, wäre also auch nichts, was wieder mitgenommen würde. Daher ist es evident anzunehmen, dass es etwas geben wird, was wieder übersetzt und vom Geiste in dem Sinne zurückgenommen wird.

So es also etwas gibt, was von einer gewissen Ewigkeit ist und sich in Manifestation begibt, so gibt es also auch etwas, was wieder den selben Weg zurück ins Geistige findet. Und so ist auch anzunehmen, dass es für einen sehr geistigen Stand sich ergibt, dass all dieses, nur einem einzigen Atemzug oder Zyklus entspricht. Wie wichtig doch das Atmen ist! Wovon das verkörperte Atmen, wie so oft, wohl nur eine geringere Entsprechung einer Höhen abbildet. Evident nach der Deduktion, dass alles was verkörpert ist, auch von einer geistigen Natur her gebildet wurde.

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Gott ist die Liebe - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Sep 02 2018, 23:12

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Lehrsatz 36:
Des Geistes geistige Liebe zu Gott ist genau die Liebe Gottes, mit der Gott sich selbst liebt, nicht insofern er unendlich ist, sondern insofern er durch die unter einem Aspekt von Ewigkeit betrachtete Essenz des menschlichen Geistes ausgedrückt werden kann, d.h., des Geistes geistige Liebe zu Gott ist Teil der unendlichen Liebe, mit der Gott sich selbst liebt.

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass Gott, insofern er sich selbst liebt, Menschen liebt, und folglich dass Gottes Liebe zu den Menschen und des Geistes geistige Liebe zu Gott ein und dasselbe sind.
---
Und des weiteren folgt daraus, dass Gott zuerst geliebt hat. Durch Ihn ist erst die Liebe da, mit der wir Menschen lieben können.

Weiter folgt daraus, dass selbst wenn wir Liebe entwickeln, diese in Gott ist, so wie alles in Ihm und durch Ihn ist. Somit dehnt dieses die Liebe Gottes lediglich ist.

Also hat Gott jegliche Schöpfung immer zuerst geliebt, und nur in Widerspiegelung der Liebe zum Schöpfer, kann ein Mensch so lieben, wie Gott liebt.

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Die den Tod kaum fürchten - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Sep 02 2018, 23:31

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Lehrsatz 39:
Wer einen Körper hat, der zu sehr vielem befähigt ist, hat einen Geist, dessen größter Teil ewig ist.

Beweis:
Wer einen Körper hat, der fähig ist, sehr vieles zu tun, wird weniger von Affekten bedrängt, die schlecht sind, d.h. von Affekten, die unserer Natur entgegengesetzt sind. Mithin hat er die Gewalt, die Affektionen des Körper gemäß einer Ordnung zu ordnen und zu verketten, die dem verstand gemäß ist, und folglich zuwege zu bringen, dass alle Affektionen des Körpers auf die Idee Gottes bezogen werden. Das hat zur Folge, dass er mit einer Liebe zu Gott affiziert wird, die den größten Teil des Geistes einnehmen, anders formuliert ausmachen muss. Somit hat er einen Geist, dessen größter Teil ewig ist.

Anmerkung:
Weil menschliche Körper zu sehr vielem befähigt sind, besteht kein Zweifel, dass sie von einer solchen Natur sein können, dass sie Geistern korrespondieren, die eine große Erkenntnis von sich und von Gott haben und deren größter Teil, der Hauptteil also, ewig ist, die mithin den Tod kaum fürchten.
---
Sofern man es lediglich auf den physikalisch-materiellen Körper bezieht, und lediglich nach dessen Stärke ginge, würde man letztlich beim Primaten landen, als die vorzüglichere Spezies. Bezieht man jedoch alle Arten von Körperlichkeit mit ein, dann ist es tatsächlich so, dass je vollkommener jeweiliges ist, desto größer für gewöhnlich der Geist, der damit korrespondiert.

Allein schon deswegen, weil je mehr spezifische Körperlichkeit da ist, desto mehr Geistesstärke und Konzentration wird erforderlich, um derlei zu bedienen. Anzunehmen ist auch, dass alles, was sich affizieren lässt, zu irgend einer Art Verkörperung gehört. Der Geist jedoch ist das, was sich nicht affizieren lässt, daher sich als transzendent zu allen Affekten verhält, die lediglich das Körperliche zu ergreifen vermögen.

Ein Seelenzyklus wird wohl bei jeder Inkarnation vollzogen, doch ist die Frage, ob alle Körperlichkeit vollständig abgelegt wird? Da es auch größere Zyklen gibt, die eine Seele vollzieht, im Verlauf und nach Ansammlung gewisser Inkarnationen, ist anzunehmen, dass zumindest im letzteren Fall irgendwann alles aufgelöst wird, was sich irgendwie auch nur affizieren ließe. Womit dann auch alle feinere Verkörperung aufgelöst wird. Dies wird wohl dann sein, wenn die Seele den Tod nicht fürchtet, deswegen, weil alles was für sie von Wert ist, nur noch im reinen Geiste liegt.

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Tag ein- Tag aus - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Sep 08 2018, 21:34

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Lehrsatz 42:
Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern genau Tugend; noch haben wir eine innere Freude an ihr, weil wir unsere sinnlichen Lüste hemmen; sondern umgekehrt, weil wir an ihr eine innere Freude haben, können wir unsere sinnlichen Lüste hemmen.

Anmerkung:
... Daraus ist klar, wie viel der Weise vermag und wieviel mächtiger er ist als der nur von sinnlicher Lust getriebene Unwissende. Wer nämlich unwissend ist, lebt, außer dass er von äußeren Ursachen auf vielfache Weise umhergetrieben wird und nie seinen inneren Frieden findet, auch in einer Weise, dass er von sich, von Gott und von den Dingen fast nichts weiß; er ist einer, der, sobald er aufhört, etwas zu erleiden, zugleich auch aufhört zu sein...
---
Es scheint nicht wenig so zu sein, dass man Menschen in Fabriken sperrt, damit sie irgendwelche Maschinen den ganzen Tag bedienen, doch in irgendwelchen sogenannten höheren Positionen lässt man nicht wenig bloß Erscheinungen sitzen, welche rein die Maschinerie der Marktwirtschaft verkörpern.

Viel mehr ist oft nicht dahinter. Es spielt dabei keine Rolle, ob dann einer nach Hause geht und dort scheinbar der liebevolle Vater für die ihm anvertrauten Kinder ist. Es mag tatsächlich so sein, dass er im Büro etwas ganz anderes ist. Eigentlich nicht viel anders, von den Kräften her, als die, welche in Fabriken schuften dürfen.

Das bittere ist nicht einmal, das Verhältnis, sondern das bittere ist, und doch zugleich auch Erfahrung, dass Menschen, welche den ganzen Tag in Fabriken Maschinen bedienen, diese Tätigkeit ins sich einprägen. Denn was ist es, was einer daraus mitnimmt, wenn er mehr oder weniger sinnfrei über Jahre Tag- ein und Tag aus, Maschinen bedient, was ist es, was es in ihm einprägt? Und was ist es, was damit der Menschengattung eingeprägt wird?

Dann mag ein Büroalltag vielleicht noch so erschwinglich scheinen, doch was ist dort, wenn nichts dahinter ist, sprich kein Mensch, der daraus irgend eine Erfahrung mitnimmt? Wenn es nicht viel mehr ist, der Kraftart nach, als dasjenige, was einer macht, wenn er täglich, vielleicht auch noch im Akkord, die selbe Maschine bedient?

Braucht man das wirklich? Und was sagt uns das letztlich? Nun, dass es doch nicht um viel mehr geht, als zu lernen, mit gewissen Kräften umzugehen. Und dann kann man überlegen, ob es notwendig ist, Menschen dafür einzuspannen. Ob es nicht doch in der einen oder anderen Weise möglich wäre, alles so zu steuern, dass es zum Wohle aller zusteuert. Denn es bedarf keines Vorteils oder Nachteils für irgendwen, wenn alles so verteilt wird, dass allen alles erforderliche zukommt. Und auch so, dass jeder freiwillig seinen Beitrag leistet, damit das wird, womit allen alles Erforderliche zu ihrem und dem Gemeinsamtbesten aller zukommen kann.

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Der eigene Vorteil... - Ethik

Beitrag  Devino Melchizedek am So Sep 09 2018, 23:37

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Lehrsatz 41:
Selbst wenn wir nicht wüssten, dass unser Geist ewig ist, würden wir doch Moralität und Religion und überhaupt alles, wovon wir im 4. Teil gezeigt haben, dass es mit Selbstvertrauen und Edelmut zu tun hat, für das Wichtigste halten.

Beweis:
Die erste und einzige Grundlage von Tugend, d.h. einer richtigen Lebensführung, ist, den eigenen Vorteil zu suchen...

Anmerkung:
Die geläufige Überzeugung der Menge scheint eine andere zu sein. Denn die meisten glauben, so sieht es aus, dass sie in dem Maße frei sind, wie es ihnen gestattet ist, ihrer sinnlichen Lust zu frönen, und dass sie ihr Recht in dem Maße aufgeben, wie sie gehalten werden, nach der Vorschrift des göttlichen Gesetzes zu leben. Moralität also und Religion und überhaupt alles, was zur Charakterstärke gehört, halten sie für Bürden, die sie hoffen nach dem Tode abzulegen, zugleich in der Hoffnung, dann einen Lohn für ihren Dienst, als den sie Moralität und Religion verstehen, zu empfangen. Aber nicht diese Hoffnung allein ist es, sondern auch und hauptsächlich die Furcht, nach dem Tode schrecklich bestraft zu werden, die sie dazu bringt, nach der Vorschrift des göttlichen Gesetzes zu leben, soweit ihre Ärmlichkeit und Charakterschwäche ihnen das überhaupt erlaubt. Würden Menschen diese Hoffnung und Furcht nicht haben, sondern stattdessen glauben, dass der Geist mit dem Körper zugrunde geht und dass den Nichtswürdigen, mögen sie sich auch unter den Bürden der Moralität verausgabt haben, kein künftiges Leben bevorsteht, dann wären sie wieder bei ihrer natürlichen Disposition und zögen es vor, alles nach ihrer sinnlichen Lust zu regeln und mehr blindem Geschick als sich selbst zu gehorchen.
---
Die Gewichtung von vor 400-500 Jahren und heute mag zwar etwas anders liegen, doch ist die Nichtigkeit den meisten Beweggründen immer noch anzusehen. Vor Furcht mag heute kaum wer geleitet sein, was die geringere oder höhere Moralität in den Beweggründen und Bestrebungen anbetrifft, der eigene Vorteil ist jedenfalls selten von der Hand zu weisen. Denn wollte man sich heute weniger fürchten, was irgendwelche Folgen anbetrifft, so wird man sich mehr auf Seiten des Atheismus zu positionieren suchen.

Allerdings ist im Beweis zum obigen Lehrsatz weniger der Vorteil gemeint, den ein Mensch vor allen anderen Menschen oder auf ihre Kosten hin sucht. Es geht hier mehr um das Streben nach Glück an sich, so dass man hier auch z.B. eine Gesunderhaltung als einen Vorteil ansehen würde. Oder ein anderes Beispiel wäre auch Gott, denn wenn Er seinen Vorteil sucht, dann zugleich auch den Vorteil aller, denn Er ist ja nicht weniger als alles. Von dem her könnte Er also nicht einen Vorteil für sich allein beanspruchen, da Er nicht weniger ist, als alles, alles was ist.

Und doch kann daher der Vorteil nicht größer für alle sein, als das Gott zu seinem Vorteil agierte. Auch wenn eher allgemein hin vorsicht geboten sein sollte, wie weit man Gott ins Spiel bringt mit irgendwelchen Aussagen, denn damit würde man ggf. alles meinen, was ist. Doch dürfte dieses hier evident genug sein, um es so anführen zu können! Die andere und dem nicht unähnliche Position kann die sein, dass man sich mehr als Gattungswesen versteht und im Sinne von diesem agiert bzw. den Vorteil für dieses ersucht. Womit letztlich vieles an nichtigem Treiben behoben werden könnte.

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Re: Ethik - in geometrischer Ordnung dargestellt - Spinoza

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