Seneca

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Beitrag  Devino Melchizedek am Sa Jan 12 2019, 19:08

Einen natürlichen Respekt pflegen

Seneca - Briefe an Lucius - Nr. 107
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Noch jeder ist dem, womit er gerechnet hatte, tapferer entgegengetreten und hat sich auch harten Schicksalsschlägen, wenn er schon im voraus auf sie eingestellt war, besser widersetzt; war er jedoch unvorbereitet, geriet er auch bei den kleinsten Kleinigkeiten in Angst und Schrecken. Wir müssen es dahin bringen, dass uns nichts überraschen kann. Und weil alles Ungewohnte schwerer zu ertragen ist, wird dies ständige Vorausdenken dazu führen, dass man keinem Unglück wie ein ahnungsloser Tor begegnet...
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Es wird wohl keiner vor eine breite Menschenmenge an ein Rednerpult treten, ohne jegliche Vorbereitung hinsichtlich dessen, was er sagen soll. Ausgenommen derjenige hat eine breite Erfahrung darin und ist sich seiner Fähigkeiten dahingehend bewusst. Man braucht sich ja auch nicht unnötig zum Narren machen, denn es gibt derer ja bereits in der Welt genug.

Auch hat dies etwas mit Respekt und Achtung zu tun. Denn die Dinge die man respektiert und achtet, mit denen geht man auch anders um. Eine gesunde Achtung zeugt auch von gesundem Charakter. Manche Dinge kann man auch billig und leicht lernen, andere Dinge jedoch nicht, denn entweder hat man die entsprechenden Anlagen bereits dafür in sich, oder nicht.

Auf viele Dinge bereitet man sich allerdings auch vor, ohne es wirklich zu registrieren. Denn man befasst sich schlichtweg ganz natürlich damit und macht sich so seine Gedanken im Vorfeld. Allein damit ordnet man sich selbst hinsichtlich des Entsprechenden. Fehlt der natürliche Respekt, liegt dies oft auch darin, dass derjenige sich selbst falsch einschätzt oder in ein unnatürliches Verhältnis mit dem Jeweiligen in Verbindung tritt.

Ist man auf Pfaden geistiger Entwicklung unterwegs, dann ist es auch natürlich, dass auf irgend eine Art und Weise alles beantwortet und aufgezeigt wird. Andernfalls wäre man auch nicht bei den Dingen an sich selbst, und demzufolge wäre es auch nicht mehr geistiger Natur zuzuordnen. Denn nur weil man sich selber so und so sieht oder die Dinge für sich so zuordnet, heißt es nicht, dass sie auf der anderen Seite ebenso gesehen und angenommen werden. Und somit hat man andere, oder Dinge, oder die Sache selbst damit und dadurch verfehlt.

Devino Melchizedek

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